: Franz Steinkühler

Franz Steinkühler ist neuer zweiter Mann in der IG-Metall. Wenn die größte Einzelgewerkschaft der Welt ihrer Tradition treu bleibt, wird er in drei Jahren an ihrer Spitze stehen und damit einer der mächtigsten Gewerkschaftsführer in der Bundesrepublik sein.: "Ich bin für Gegenwehr"

ZEIT: Herr Steinkühler, Sie gelten als das enfant terrible der IG Metall. Jetzt sind Sie als stellvertretender Vorsitzender in das zweithöchste Amt der Gewerkschaft aufgerückt.

Der lachende Dritte

In Wirklichkeit geht es nämlich nicht in erster Linie darum, wieviel Lohn die Arbeitnehmer mehr erhalten oder wieviel Geld in den Kassen der Unternehmen verbleibt.

Streiter aus Stuttgart

Franz Steinkühler ist Realist. "Eine vergnügungssteuerpflichtige Tätigkeit wird das sicher nicht", prophezeit der Stuttgarter Bezirksleiter der IG Metall.

Ein Exempel statuiert

Einst lockte er wider den Stachel, diesmal beugte er sich der Verbandsdisziplin – "aus Überzeugung", wie er sagt. Damals, im Frühjahr 1981, zog Hans Peter Stihl sich den Zorn der Metallarbeitgeber zu, weil er in Stuttgart im Alleingang einen Lohnvertrag mit der IG Metall abschloß und dabei den Metallarbeitern ein Zehntel Prozent mehr Lohn zubilligte, als die Zentrale "Gesamtmetall" festgelegt hatte.

Tarifverhandlungen: Wer bekommt den Schwarzen Peter?

Bayerns Uhren gehen bekanntlich anders – die Tarif-Uhren machten da bisher keine Ausnahme. In diesem Jahr jedoch ticken sie zum ersten Mal wieder im Gleichklang mit denen der anderen IG Metall-Bezirke: Den sogenannten "Bayernmonat" (Tarifjargon), der besagte, daß die Verträge der Metallbranche dort einen Monat später ausliefen als im übrigen Bundesgebiet, gibt es in diesem Jahr nicht mehr.

Bauknecht: Die sanierten Brüder

Die Banken hatten kein Erbarmen, Zwar wollten sie zuerst den Familienkonzern Bauknecht durch Forderungverzicht und neue Kredite sanieren.

Die Last der Doppelrolle

Wohl noch nie haben die Gewerkschaften so viel politische Anerkennung erfahren wie jetzt. Auf dem DGB-Kongreß in Berlin machten ihnen die Vertreter aller Parteien ihre Aufwartung.

Sterben für Agnani?

Am Montag vergangener Woche schien die ganze Sache bereits gelaufen und eine neue kapitale Niederlage an der bröckelnden deutschen Beschäftigungsfront perfekt.

Kollegen gegen Genossen

Ende Juli schien die Welt noch in Ordnung. Beruhigt flog Bundeskanzler Helmut Schmidt zum Weltwirtschaftsgipfel in Ottawa. Zwar stand in der Bundesrepublik die schwierige Debatte um die Haushaltssanierung noch bevor, doch seine Kerntruppen, die Gewerkschaften, wähnte er in der Auseinandersetzung an seiner Seite.

Gefährlicher Keil

Die Bevölkerung ist zu Opfern bereit. Davon durften die Bonner Politiker bisher ausgehen. Doch von dieser Arbeitshypothese müssen wir jetzt wohl Abschied nehmen, jedenfalls dann, wenn die Gewerkschaftsfunktionäre für die deutschen Arbeitnehmer – und damit für die breite Mehrheit der Bevölkerung – sprechen.

Demonstration in Stuttgart: Suche nach einem Hoffnungsträger

Fast hörbar ist Franz Steinkühler "ein Stein vom Herzen gefallen", als sich im frostigen Dämmerlicht auf dem Stuttgarter Schloßplatz nicht nur, wie erhofft, 40 000, sondern 70 000 Teilnehmer zur Protestkundgebung gegen Arbeitsplatzverlust und soziale Demontage versammelt hatten.

Falsch verbunden

Immer wenn der Stuttgarter IG Metall-Bezirksleiter Franz Steinkühler im Fernsehen erscheint, klingelt fünf Minuten später das Telephon bei Marianne Steinkühler.

Weg vom Tarif-Eintopf

Eigentlich schien die Tarifrunde dieses Jahres schon gelaufen, Die IG Metall, seit längerem in der Rolle des tonangebenden Lohnführers, hatte Mitte Februar das Datum von 6,8 Prozent gesetzt – und In den folgenden Verhandlungen folgten alle anderen Branchen bisher ihrer Spur.

Der neue AEG-Chef: Ein sanfter Sanierer

Was hat er dann, der Mann, der den angeschlagenen Elektrokonzern retten soll? Er hat ein Unternehmen, das "mittelständisch" geheißen wird, weltweit aber immerhin dreitausend Menschen Arbeit gibt – und er hat die Überzeugung, das Unternehmen als "gesellschaftliche Veranstaltung" verstanden werden müssen.

ZEITRAFFER

In der Lohntarifrunde 1980 der Metallindustrie scheint die Entscheidung nicht im kampferprobten Südwesten, sondern in Nordrhein-Westfalen zu fallen.

Nachtrag zum Nachschlag

Ein Postscpriptum zum Thema Nachschlag, jetzt erst bekannt geworden, ruft unvermutet noch einmal die Erinnerung an die Debatten um einen "heißen Herbst" wach.

Werktage müssen menschlicher werden

Die Bezirksleitung der IG Metall in Stuttgart macht wieder einmal von sich reden. Sie fragte die Metallarbeiter in Baden-Württemberg nach ihrer Situation am Arbeitsplatz und zu Hause.