: Friedrich Dürrenmatt

Begriffe und Kriterien für Qualität

Jeder kann knipsen, auch ein Automat. Aber nicht jeder kann beobachten... Be obachten ist ein elementarer dichterischer Vorgang.

Die Zukunft ist immer utopisch

Friedrich Dürrenmatt ist im Augenblick nicht besonders berühmt. Der Verfasser jener unvergeßbaren "Panne", der Parabeln vom "Besuch der alten Dame", vom "Engel", der nach Babylon kam, auch von den drei geistig gesunden "Physikern" im Irrenhaus hätte mit schwerer Krankheit zu kämpfen; dann mißlangen ein paar Arbeiten.

Das Volk ist nicht das Volk

Ideologien sind sprachliche Systeme, die sich nicht in der Grammatik, sondern in jenem unterscheiden, was den Inhalt ihrer Begriffe ausmacht.

Autoren-UNO

Der Internationale PEN-Club mußte sich bei seinem vierzigsten Kongreß in Wien von mehreren Seiten schimpfen lassen, er sei eine UNO – und das ist heute beileibe kein Kompliment.

Unser Seller-Teller

Bomben im BDI-Haus – Baader-Meinhof-Freunde kurz vor dem Bankeinbruch gefaßt – Entführer einer Millionärstochter erzwingen Massenspeisung: Nachrichten einer Woche, aber wer vermag sie noch in eine der vielen Guerilla-Theorien und -Modelle einzuordnen? Ein Hauptmann der Bundeswehr entwirft nun das erschreckende Muster einer zukünftigen, noch kaum erprobten Partisanenkriegführung; der Kader-Guerilla im Industriestaat, die mittels Terrors in Großstädten den Staat in einen hilflos zappelnden Polypen verwandeln könnte.

Das ist doch alles Glückssache

Sie kamen ohne Strümpfe, in Ledersandalen und Holzpantinen, in abgewetzten Blue Jeans und blanken Cordhosen; sie trugen Pullover und Parkas oder erschienen im Hemd, die Ärmel lässig hochgeschlagen, den Kragen weit geöffnet – mündliches Abitur an einem Gymnasium im Lande Bremen.

Zeitmosaik

Die Intellektuellen nehmen die Welt gleich zweimal in Anspruch: so wie sie ist und so wie sie sein sollte. Von der Welt, wie sie ist, leben sie, von der Welt, wie sie sein sollte, nehmen sie die Maßstäbe, die Welt zu verurteilen, von der sie leben, und indem sie sich schuldig fühlen, sprechen sie sich frei, ich kenne den Schwindel: Das Pack ist für den Machtkampf ungeeignet.

Fernsehen: Josef der Einzige

Da komme mal einer und erkläre, daß es keine Helden mehr gebe! Da habe Friedrich Dürrenmatt die Stirn und wiederhole seine Behauptung, daß heute Kreons Sekretäre den Fall Antigone erledigten, weil die großen Heroen sich in der verwalteten Welt als Anachronismen ausnähmen.

ZEITMOSAIK

Vom Sommer 1973 an soll Friedrich Dürrenmatt als Nachfolger von Harry Buckwitz das Schauspielhaus in Zürich leiten. Der Verwaltungsrat hat ihn jedenfalls für dieses Amt gewählt, und es ist kaum anzunehmen, daß Dürrenmatt, der sich bisher noch nicht geäußert hat, das Amt ablehnen wird.

Eichenlaub gegen Goethe-Medaille

An Imre Bekessy erinnert man sich gelegentlich, weil Karl Kraus sich mit ihm auseinandergesetzt hat; ansonsten weiß man von ihm nur, daß er immer noch Artikel schrieb, als längst niemand mehr bereit war, sie zu drucken.

Klassischer Kitsch

Angekündigt wurde, unter dem Titel Kolibri, ein Kriminalspiel von Gerda Corbett und Michael Mansfeld, aber das war offenbar eine Falsifikation; denn in Wahrheit spielte man (Möglichkeit Nummer eins) Gerhart Hauptmanns "Vor Sonnenuntergang", bearbeitet von Nathalie von Eschstruth, oder (Möglichkeit Nummer zwei) Friedrich Dürrenmatts "Frank V.

Ein Lyriker bastelt einen Krimi

Auf der Frankfurter Buchmesse liefen sie herum, die "Kneusse" mit Schnauz und Dächlimütze, denn Beat Brechbühl hat einen Typus schaffen wollen, den man sich merken wird ("Zwei Wochen aus dem Leben eines Träumers und Quärulanten, von ihm selber aufgeschrieben", lautet der betont umständliche zweite Titel), den wir aber weniger an seiner inneren Notwendigkeit oder seiner besonderen Vertracktheit erkennen als an seinen Requisiten, zu denen ein "Klemens" genannter Koffer, die unverwechselbare Hündin Finette und eine Reihe weniger unverwechselbarer Mädchen und Frauen gehören.

Dürrenmatt in Düsseldorf: Es war einmal...

Es war einmal ein Stückeschreiber, der schrieb einige grimmig-witzige, gut gebaute, zutreffende Theaterstücke. Mit der Komik dieser Stücke war er der Wirklichkeit auf der Spur.

Straßenschlacht nach der Parade

Fast vierzehn Tage nach der gewaltsamen Befreiung des 27 Jahre alten Kaufhausbrandstifters Andreas Baader blieb die Fahndung nach ihm noch ohne Resultat.

ZU EMPFEHLEN

Nach Shakespeare und Strindberg wendet Dürrenmatt in dieser Monsterrede seine im eigenen Theaterschaffen zur Zeit brachliegende "Dramaturgie" an das große Welttheater selber: vom Kapitalismus (das Wolfsspiel) zum Sozialismus (das gute Hirtenspiel), und aus einer arabischen Parabel von drei Reitern an einem Brunnen holt er in reizvollen Formulierungen Bedenkenswertes über Mensch und Moral, Gesellschaft und Geschichte.

Aus den Hauptstädten der Welt: Basel - Schlag tot mit Shakespeare

Die Basler Römertragödie scheint beendet. Trotz des türenschlagenden Abgangs von Friedrich Dürrenmatt, der an diesem "Theater der Narren" nicht mehr mitwirken wollte, trotz der Tatsache, daß Direktor Düggelin immer noch im fernen Italien an seiner Krankheit laboriert, operiert das Basler Theater weiter, als wäre nichts Störendes geschehen.

Basel: Krach mit Dürrenmatt

Eine Spielzeit lang schien am Basler Theatereitel Harmonie zu herrschen. Werner Düggelin und Friedrich Dürrenmatt hatten sich hier zusammengefunden, um ein theatralisches Konkurrenzunternehmen.

Die neue literarische Saison

Hinter einer Vordergrundliteratur, die auch in der jetzt beginnenden Saison allen zum Trotz den Markt, das Geschäft, die Zeitungen und die Gesellschaft beherrschen wird, spielt sich ein echter literarischer und weltanschaulicher Kampf ab, steht eine Problematik, die namentlich die junge Literatur stark beschäftigt, die ernsthafte junge Literatur, und sie zweifellos auch im kommenden Winter in Anbetracht der Zeitlage noch mehr beschäftigen wird.

Verhackstückt

Die anspruchsvolle Komödie von einem der wortmächtigsten deutschen Bühnenautoren wartete drei Jahre auf ihre Uraufführung. (Seit Februar 1967 ist "Margarete in Aix" zu lesen in "Theater heute".

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