: George Tabori

Herzl und Hitler

Der Morgen graut, und ein unerwarteter Gast tritt auf, hereingeschneit aus der Kälte, Flocken auf der Tiroler Joppe und seinem grünen Rucksäckchen.

Wieviele Jahre sind genug?

Die ehemaligen RAF-Mitglieder Klaus Jünschke, Gert Schneider und Christoph Wackernagel haben sich vom Terrorismus losgesagt. Sie sitzen seit Jahren ein. Karl-Heinz Janßen sprach mit den Inhaftierten.

Hoffnung RAF?

Trotz des eisigen Ostwindes waren die Premierengäste in Bombenstimmung, als sie gegen neun Uhr abends über das dunkle Gelände der Hamburger Kampnagelfabrik eilten.

Die Wunde Stammheim

Stefan Austs Buch über den "Baader-Meinhof-Komplex", Reinhard Hauffs "Stammheim"-Film und George Taboris Theater-"Epilog" mögen nur Annäherungsversuche an ein Problem sein – aber bewußt machen sie schon, wie weit weg diese Jahre liegen, von denen doch jeder sicher ist, daß sie "die Republik verändert haben".

Zum Tod von Julian Beck: Der heilige Schauspieler

Ihr berühmtestes Stück hieß "Paradise Now", und der Titel war ernstgemeint: das "Living Theatre" von Julian Beck und Judith Malina wollte seinen Zuschauern nicht das ferne Paradies versprechen, sondern mit der Arbeit daran gleich auf der Bühne (und im Zuschauerraum) beginnen.

GEORGE TABORI: Räuber und Gendarm

Es gab eine Zeit, da spielten wir ausschließlich Revolution, hauptsächlich auf dem Gellertberg, zwischen schwindelerregenden Felsen, einem perfekten Spielplatz für Revolutionäre: Gellért, ein deutscher Bischof, war einige tausend Jahre zuvor gekommen, um die heidnischen Ungarn zu bekehren, die ihn als Antwort in eine Tonne steckten und den Berg hinunterstießen.

Theater in Berlin: Weihnachten in der Hölle

Vier Männer im Niemandsland. Jeder, der das Theater kennt, kennt ihre Namen und ihre Geschichte. Sie heißen Wladimir und Estragon, und Pozzo und Lucky.

Zeitmosaik

...trübe, trübe, trübe. Da ist das Beste noch dieser schicke Botho Strauß, den man immer wieder aufführt. Und das ist ja auch sehr schön.

GEORGE TABORI:: Der alte Mann und was mehr

Eines schönen Frühlings wohnte ich, mangels besserer Unterkunft, in einem Fünf-Sterne-Seniorenheim am See. Der Ausblick war idyllisch, die Küche französisch, der Service honigsüß.

Theater: Taboris "Peepshow" in Bochum: Lieber George

Es hätte ein Skandal werden können. Und wurde dann doch ein friedlicher, ein beinahe gemütlicher Abend. Am Ende, wie so oft im Bochumer Schauspielhaus: Blumen für die Damen, Klatschmarsch für den Regisseur.

Zeitmosaik

Für das Theatertreffen in Berlin (4. bis 24. Mai) hat die aus sieben Kritikern bestehende Jury dreizehn Aufführungen eingeladen.

Ein neuer Tagtraum vom Theater

Vor dem Tagtraum kam der Alptraum, zwei oder drei Spielzeiten lang. Bilder zum Erschrecken: die jungen Intendanten wie früh ergraute Gralsritter, künstlerisch noch schneller als biologisch gealtert; Schauspieler, die sich vor allem an ihre Stimmen erinnerten; Falschmeldungen in den Feuilletons, die Provinzkünstler wie David Mouchtar-Samourai zur Entdeckung ernannten; überall Belege für alte Ressentiments.

Zeitmosaik

Es gibt in der Bundesrepublik... noch immer einen geistigen Numerus clausus... Der durch das nationalsozialistische Regime auf die Spitze getriebene Antiintellektualismus findet in der Bundesrepublik latent seine Fortsetzung.

Theater: Alfred Kirchner inszeniert Shakespeare in München: Lache, Shylock!

In unseren Theatern sind zur Zeit die Alten die Sieger. Der große alte Schauspieler Peter Lühr feiert in George Taboris Münchner Inszenierung von Becketts "Warten auf Godot" Triumphe: Vom Augenblick, da ich dies schreibe, sind es nur noch wenige Tage, bis der große alte Schauspieler Bernhard Minetti in Bochum unter Claus Peymanns Regie in einem neuen Stück von Thomas Bernhard auftritt: "Der Schein trügt".

Das Glück am Ende des Tunnels

Es ist wie nach der Katastrophe. Vom kleinen Haus des Düsseldorfer Theaters ist nichts mehr übrig. Man sitzt in einem schwarzen Schacht, der nach unten in ein weit entferntes Bild wie in einen Tunnel abstürzt.

Die Wende

Der erste, der Wind von der Wende bekam, war Tschechow, der in irgendeinem deutschen Heilbad kurte. Nicht dumm, sandte er eine frostige Epistel an die Moskauer Mimen, die schon bis über die Bärte in einem Stück namens "Der Kirschgarten" steckten.

Zeitmosaik

Die Zähne sind ein wesentliches Instrument des Politdarstellers. Die Beziehung zwischen Politik und Zähnen ist bisher leider noch nicht oder nur wenig erforscht, aber wir wissen, daß das Zahnhandwerk eine Wahl entscheiden kann.