: Gerhard Zwerenz

Schriftsteller: Gerhard Zwerenz ist tot

Im Zweiten Weltkrieg desertierte er zur Roten Armee, war wichtiger Autor der Linken im Westen und saß im Bundestag: Im Alter von 90 Jahren ist Gerhard Zwerenz gestorben.

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Wir Konsumenten haben schließlich die Macht. Wir werden die Fabriken zwingen, uns anständige, einfache, brauchbare Waren zu liefern – meinetwegen etwas teurer – aber bitte – haltbar!!! Wir sind nämlich arm geworden und nicht mehr in der Lage, den Plunder zu kaufen, mit dem man uns zu verführen sucht.

ICH LESE GERADE...

... Rechts und dumm? von Gerhard Zwerenz (Carlsen Verlag, Hamburg 1993; 128 S., 20,-DM), enthusiasmiert von der Verbalkraft eines politischen Rundumschlages, süffig und wutentbrannt hingefetzt, wie es so gnadenlos nur dieses Enfant terrible der deutschen Gegenwartsliteratur vermag.

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Sieben Redakteure hatte die "ndl", die Literaturzeitschrift des Ostberliner Aufbau-Verlags, vor der deutschen Wende. Da war sie inhaltlich schon so grau geworden wie das holzige Papier, auf dem man sie druckte.

Fernseh-Kritik: Ich flehe Sie an!

Dagobert Lindlau soll behauptet haben, daß Talk-Shows im deutschen Fernsehen nicht mehr gehen – und hat sich wohl dabei gedacht: Es sei denn, ich mache sie selbst.

Darüber spricht man nicht

In eurer Mitte zu weilen Wo soviel edle Gemüter mir Mit Liebe entgegenheulen Diese Verse von einem v

So einfach ist der Ausweg nicht

Im Jahr 1931 wurde der Weltbühne der Prozeß gemacht, weil Kurt Tucholsky geschrieben hatte: "Sagte ich Mord? Natürlich, Mord.

Theater in Berlin: Der Hahn im Bilderkäfig

In silbrig glitzernder Morgentoga steht ein Glatzkopf, Rasierschaum um die Backen, den Rasierspiegel vor dem Gesicht, auf leerer Bühne, die außer ihm nur noch eine schimmernd weiße Badewanne und ein rätselhaft aus dem Bühnenhimmel herabhängendes Seil zeigt.

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Nach dem Rasieren kommt das After Shave. Nach dem Dinner das After Eight. Nach der Affäre die After Affäre. Nach dem erregenden Streit um Fassbinders Stück "Der Müll, die Stadt und der Tod" kommt der schlechte Witz.

Links, wo der Daumen rechts ist

Manchmal ist einfach nichts los im Kulturbetrieb. Zwar gibt es neue Bücher, neue Filme, hier findet eine Premiere statt, dort ein Festival, aber irgend etwas fehlt, nirgends eine schwere Krise, nirgends Streit, nichts los.

Im Kino

"Bolwieser" von Rainer Werner Fassbinder, 1977 in zwei Teilen vom ZDF gesendet, kommt zum ersten Todestag des Regisseurs am 10.

Neue Bücher über Rainer Werner Fassbinder: Satansbraten?

Ein Denkmal soll ihm errichtet werden, in München, vor einem Kino. Man zuckt zusammen bei diesem Gedanken: nicht, weil er zu den Bescheidenen im Lande gehört hätte (kaum jemand war vom Genie des RWF überzeugter als er selber), sondern weil seinem Werk so gründlich jene Dimension des Zeitlos-Statuarischen fehlt, das Standbilder aus Bronze oder Marmor unverweigerlich auszeichnet.

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Ich fühle mich durch nichts so bedroht wie durch Sicherheitspolitik. Wenn alle meine Nachbarn ihre Häuser verriegeln, dann gefährden sie damit mein ungeschlossenes Haus.