: Günter Wallraff

Zeitmosaik

Ich gehe das Risiko ein, unter Umständen mißverstanden zu werden, und ich glaube, man muß auch dieses Risiko eingehen, das Risiko auch, sich sogar der Lächerlichkeit auszusetzen; denn hielte man sich an die geltenden Spielregeln der öffentlichen Medien, der sogenannten seriösen Berichterstattungen, landete man unweigerlich – ohne daß man selbst es vielleicht merkt – in den Bahnen steriler Gleichgültigkeit und zynischer Ignoranz.

Aktionsjournalismus

Wie immer man Günter Wallraffs Protestaktion auf dem Athener Syntagma-Platz bewertet: ehe man sie als Selbstreklame für den Buchautor Wallraff abqualifiziert oder als PR-Gag der Zeitschrift „das da“, für die er arbeitet, sollte man wohl bedenken, daß hier einer nicht nur zum Schein Gesundheit und Leben riskiert hat; und daß, bei möglichen Zweifeln an der Effektivität, zumindest der politische Inhalt seiner Demonstration der Zustimmung aller derer sicher sein sollte, die sich nicht nur zum Schein so gern zu freiheitlich-rechtlichen Staatsordnungen bekennen.

Der Mann hinter Iwan

Die Hoffnungen der Herstatt-Geschädigten richten sich jetzt auf den Großaktionär Hans Gerling

Gedankenmüll: Syberbergs Kampf

Das Buch ist betitelt "Die freudlose Gesellschaft – Notizen aus dem letzten Jahr" und beginnt mit einer Widmung: "Für die, die das jetzt fünfzehn Jahre am meisten getragen, durch anschauen, zusehen, zuhören, mitlesen, die es ausgehalten fünfzehn Jahre, wovon dies letzte das beste war in Erfolg und endlichem Sieg, wie man so sagt, die das alles dulden mußte ohne produktive Gegenwehr, mit offenen Augen, dienend, aus Liebe, ohne andere Wahl.

Zeitmosaik

Siehe da, das erhoffte Wunder hat sich ereignet Blau, Grün, Weiß schimmern neu wie frische Haut, ein Hauch von Kühle scheint von der Pflanze auszustrahlen, ein Hauch von spätem, bretonischem Frühling.

Kisch und Ich heute

1. Ich fing an, mich mit Egon Erwin Kisch auseinanderzusetzen, als Literaturwissenschaftler und Kritiker anfingen, meine Arbeiten mit dem mir bis dahin unbekannten "Vorbild" Egon Erwin Kisch zu vergleichen.

Informiert das Theater?

Um Günter Wallraff und dessen Betriebsreportagen hat es vor kurzem einigen Wirbel gegeben, als der junge Autor mit einem Förderungsbeitrag des Großen Staatspreises von Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet wurde.

Der Äbhörfall Günter Wallralf: ,,Ein ganz normaler Vorgang“

Am 28. Juni erhielt der Kölner Schriftsteller Günter Wallraff einen Brief des Bundesinnenministeriums: Da Anfang 1974 „tatsächliche Anhaltspunkte“ zumindest für einen Verdacht des Hochverrats gesprochen hätten, sei sein Telephon in der Zeit zwischen dem 22.

Kühn: Wie steht’s mit der Staatsgesinnung?

H. Günter Wallraff, 26, wurde durch Fabrikreportagen bekannt. Von 1966 bis 1967 war er Redakteur bei "pardon" und erregte dort durch zwei Veröffentlichungen Aufsehen: Einmal durch die Schilderung seiner Erlebnisse als angeblicher Napalmlieferant, der sich telephonisch bei einer Reihe von Moraltheologen erkundigte, wie er sein Geschäft mit seinem christlichen Gewissen vereinbaren könne.

Trauer, nicht Schwäche

Wem nützen, wem schaden seine Texte? Der Sache des Imperialismus oder des Sozialismus, dem Frieden oder dem Krieg, der Freiheit oder der Unterdrückung – wem dient Biermann?" So schrieb Oskar Neumann in den "roten blättern" des (der DKP verbundenen) MSB-Spartakus im Februar/März 1976.

Autoren als Radikale im öffentlichen Dienst

Ein solcher Schriftstellerkongreß ist eine Lektion in politischer Relativität. Neben den verbliebenen Liberalen erscheint ein Günter Grass als Radikaler.

Nervenkrieg um die Mehrheit

General Ramalho Eanes, Portugals starker Mann, fand nur das Wort "Unsinn". Brigadegeneral Pires Veloso, Kommandant der Nordregion, verbat sich "energisch diese Beleidigungen".

Die sogenannte Dokumentar-Literatur

1. Der Begriff der Dokumentar-Literatur verdankt sich dem gegenwärtigen Hang des Kulturbetriebs, eine karge, trockene Sprache zu sprechen und so für einen wissenschaftlichen Touch zu sorgen.

Achtung: Wallraff was here

Unter dem Titel „Wir brauchen dich“ veröffentlichte Günter Wallraff vor drei Jahren einen Band mit Industriereportagen. Sie bezeugten eine ungewöhnlich große publizistische Sorgfalt.

Bayerischer Index

Ave, Maior salvator! Nun ist er da, der bayerische Index. Er verbannt unliebsame Schriftsteller aus Schulbüchern, die in Bayern schon zugelassen waren; er zwingt Schulbuchmacher, gewisse Autoren künftig nicht mehr in Lese- und Arbeitsbücher aufzunehmen, falls diese auch in Bayern zugelassen werden sollen.

Fragen und Antworten

Manuel Gasser macht in seiner Rezension der beiden Dore-Publikationen auf „Flüchtigkeiten“ des Verlages aufmerksam. Es ist in der Tat an der ZEIT, die Buchverlage allgemein um größere Sorgfalt zu ersuchen.

Götterdämmerung eines vordergründig politischenEngagements: Die Erde hat sie wieder

Zu vier Bänden hat es das Rowohlt-Literaturmagazin inzwischen gebracht. Wer den Blick an der Reihe zurück lenkt ohne den Zorn der Kritiker, die sich allzusehr betroffen, und ohne die Verachtung der Autoren, die sich allzuwenig beteiligt fanden, dem präsentiert sich unversehens ein Stück Zeitgeschichte unserer Literatur – und des auf dem ersten Titelblatt noch unbefangen geschmähten Literaturbetriebs.

Kein Tropfen Morgenrot

Auf den wenigen Photos, die ich von ihm kenne, sieht er aus wie Günter Wallraff: derselbe bohrende Blick, der einen unbeugsamen Willen und eine fast fanatische Wahrheitsliebe ausdrückt.

Spitzel unter Reichen

Der „neue Wallraff“ hat Furore gemacht, bevor er überhaupt da war: wie der Autor mitteilt, wurden gegen ihn vom Gerling-Konzern, wo er einige Zeit unter falschem Namen als Portier und Bote gearbeitet, hatte, Spitzel angesetzt, um herauszufinden, wann denn der Gerling-Bericht erscheinen und was in ihm stehen werde; in den Chefetagen des Assekuranzriesen zerbrach man sich die Köpfe, wie man der Enthüllungsreportage am besten begegnen könne.

Nächste Seite