: Hartmut Koschyk

Fünfzig Jahre nach Kriegsende denken Deutsche über die Zukunft der russischen Exklave Kaliningrad nach. Über eine Frage, die keine Frage ist, und die vielen gefährlichen Antworten darauf. Eine Zwischenbilanz : Königsberg und andere Kleinigkeiten

Die These war kühn, das Beispiel haarsträubend, der Autor unverdächtig, seine Botschaft irritierend. "Trotz oder gerade wegen der umfangreichen Zwangsumsiedlungen" nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, schrieb Anfang 1990 der französische Geograph Yves Lacoste, als handele es sich um eine pure Selbstverständlichkeit, seien die "territorialen Forderungen" in Zentraleuropa und auf dem Balkan bis heute nicht "geregelt", und sie seien es zumal für die Deutschen nicht.