: Heiner Müller

Autoren, mit denen man Staat macht

Von Dieter Hildebrandt Am Freitagabend – eine Aufführung von Heiner Müllers „Zement“ im Berliner Ensemble war gerade zu Ende – lief der Satz über das Leuchtband, das die Friedrichstraße überquert: „Anna Seghers als Präsidentin des Schriftsteller Verbandes wiedergewählt.

Wir sind ein blödes Volk

19. Mai. Eröffnung. Im Foyer der Frankfurter Schirn, dort, wo sich die Treppenaufgänge der Kunsthalle kreuzen und eine steinerne Plattform bilden, stehen unter einem monumentalen Gemälde von A.

Lehrstück ohne Lehre

Es gibt Verspätungen, die nicht aufzuholen sind. Welche politischen und dramaturgischen Wirkungen hätten von zwei Stücken ausgehen können, die der 1929 im sächsischen Eppendorf geborene Heiner Müller in den frühen fünfziger Jahren geschrieben hat, die aber erst jetzt, zwei Jahrzehnte später, auf die Bühne kommen dürfen: "Die Schlacht" und "Traktor", uraufgeführt an der Volksbühne.

AUCH ICH WAR BEI DER STASI

Deutsches Theater in echt. Und die Welt schaut zu. Das Stück hat keiner geschrieben und keiner inszeniert. Wir ahnen nur: Es kommt aus einer dunklen Tradition.

Zeitmosaik

Ich habe nicht das weit genug verbreitete Talent, ein abgearbeitetes Publikum mit Harmonien aufzumöbeln, von denen es nur träumen kann.

Zeitmosaik

...noch schlimmer (ist) der Geist zynischer Anpassung, der sich in den Anstalten breitgemacht und über Jahre hin eine stete negative Auslese bewirkt hat: Die personelle Auszehrung des Fernsehens war und ist besorgniserregend, und allen Respekt verdient die Minderheit qualifizierter Journalisten, die, der anstößigen Interventions-Praxis zum Trotz, ihre Positionen und Standards zu halten versucht.

Zwischen Eiszeit und Kommune

Auf dem Umschlag des ersten dieser spröde aufgemachten, unaufwendigen kartonierten Bände mit dem roten Rand ist das Photo zweier Stahlwerker vor einem Hochofen; auf dem des zweiten ein Traktorist auf seinem Fahrzeug; auf dein des dritten sieht man ein paar Leute vom Lande.

42 Opernhäuser gibt es in der DDR. Bezogen auf die Einwohnerzahl des Landes, ist dies einsame Weltspitze. Der Glanz der großen Bühnen in Berlin, Dresden oder Leipzig strahlt gelegentlich auch zu uns in den Westen herüber. Was aber passiert in Halle, Erfurt, Eisleben oder Nordhausen?: Stunden wie damals

Othello singt grauenhaft. Die Höhen gequält, das Timbre verschlissen, die Töne mit roher Kraft aus der Kehle gepreßt. In einem Kaftan und Sandalen steht er auf der Bühne.

Noch ein Theater: Malstrom

Als erstes fällt ihm eine typische Szene aus Spionagethrillern ein: Der Spion ist nicht mehr tragbar, man drückt ihm eine Pistole in die Hand.

Zeitmosaik

Das Kulturniveau kann nicht erhöht werden, wenn es nicht verbreitert wird. Im Smog der Medien, der die Sicht auf die wirkliche Lage nimmt, ihr Gedächtnis auslöscht, ihre Phantasie steril macht, geht auch in dem Land, aus dem ich komme, den Massen die Verbreiterung auf Kosten des Niveaus.

Theater: Heiner-Müller-Uraufführung in Frankfurt: Vorwärts Preußen, ins Nichts!

Auftritt eines Königs (1): Strahlend, vorbildhaft, siegreich. Der Auftritt beginnt mit einem Prolog: „Friedrich der Große ist unserem Volke wiedergeboren worden und bedeutet für unsere Tage eine ähnliche Kraft wie Barbarossa für die Zeit, als die Sehnsucht nach einer wahrhaften Einigung im deutschen Volke übermächtig geworden war und Ausdruck finden wollte.

Lesarten eines Dramas

Macbeth ist in Nachdem das Westdeutsche Fernsehen zu Weihnachten die „Macbeth“-Filme von Werner Schroeter und Rosa von Praunheim zeigte, waren in den vergangenen Wochen drei weitere Bearbeitungen von Shakespeares Stück über Aufstieg und Untergang eines Königsmörders zu sehen.

Theater in Rom: Das kultivierte Schlachthaus

Es war in den fünfziger Jahren, als Laurence Olivier unter Peter Brooks Regie im englischen Stratford den römischen General Titus Andronicus spielte (und Vivian Leigh dessen Tochter Lavinia).

„König Lear“ in Wuppertal: Wie Blech gegen Pappe

An dem gewaltigsten, schönsten und sperrigsten Brocken der Theaterlandschaft, an Shakespeare, stemmen sich zur Zeit die entschiedensten Mühen der Theaterleute ab: Wekwerth suchte in Ostberlin einen volkstheaterhaften Zugang zum „Richard III.

Tod der Erotik: Warum denn?

Das ganze Elend – so lesen wir in einem schmalen Buch – „Tod der Erotik“ – ging mit Jacques Offenbach und den Frivolitäten des Second Empire los.

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