: Helmut Käutner

Fernseh-Vorschau: Mitläufer

Der alte Mann hat weißes Haar, kleine Augen, ein freundliches Gesicht. Er sitzt in einem hellen, leeren Zimmer und erzählt. Eifrig, vertrauensselig, fast dienstbeflissen.

"Uns wird alle der Teufel holen"

Glückliche Tage am Berg. Ski und Rodel gut. Doch schwere Wetter ziehen auf: "Stürme über dem Montblanc", 1930, unter der Regie von Arnold Fanck.

DAS LETZTE

Wir haben es aufgegeben, uns ewig meckernd, ständig mäkelnd über den Unterschied von Kunst und Nicht-Kunst auszulassen. Wenn das deutsche Sommervolksfestmassenpublikum lieber André Heller statt Robert Wilson sehen, lieber Pink Floyd statt Leonard Bernstein hören will, dann gönnen wir ihm den öden Spaß.

Fernseh-Kritik: Angstpartien

Auf dem Paillettenkostüm der Ansagerin reflektierte das Scheinwerferlicht. Wie wandernde Warzen zogen Lichtpunkte um ihr Lächeln.

Kino: "Der Mann auf der Mauer": Die deutsche Frage

Kann man die deutsche Frage verfilmen? Ihr eine Geschichte abgewinnen, ohne in Propaganda und Erbaulichkeit der Sonntagsreden zu verfallen, die das Landesklima der sechziger Jahre vereisten? Man kann, wenn man den späten Helmut Käutner, Hollywoods "Frage 7", Reiner Kunzes "Wunderbare Jahre" und das neuerliche Ballonfahrer-Epos der Amerikaner vergißt.

Zeitmosaik

Die "Association international de defense des artistes" (AIDA) forderte am Samstag in Hamburg auf einer Kundgebung vor dem kolumbianischen Konsulat die Freilassung der bekannten uruguayischen Pianistin Alba Gonzales Souza, die von kolumbianischen Behörden unter brutalen Bedingungen in Bogota gefangengehalten wird.

Empor ins Reich der Edelmenschen

Einen "Lastwagen zum Himmelreich" hat Adorno Richard Wagners Musik genannt, und etwas Vergleichbares ist Hans-Jürgen Syberbergs Karl-May-Film geworden, seinerseits hervorgegangen aus einem Wagner-Filmprojekt: eine teutonisch-dumpfe, unter Akten und Dokumenten fast erstickte Wühlarbeit empor ins Licht der Karl-Mayschen "Menschheitsseele", aus dem bleiernen, lastenden Ardistan ins kitschig-bombastische Paradies Dschinnistan.

Film: Viscontis "Ludwig II": Wir sind nichts als Pomp

Schon vor Beginn der Dreharbeiten protestierten königstreue Bajuwaren gegen eine mögliche Verunglimpfung ihres "Kini"; bei einem Großbrand in Rom wurden die meisten der teuren Kostüme zerstört; die Boulevard-Gazetten jubelten, als bekannt wurde, daß die neue Romy die alte Sissi spielen würde; Paula Wessely, Oscar Werner und Alec Guinness, letzterer als Richard Wagner, sollten auch mitmachen, zogen sich jedoch alsbald wieder zurück; die Produktionskosten stiegen nach und nach von bescheidenen fünf auf spektakuläre zwölf Millionen Mark; und zu allem Überfluß erlitt der Regisseur während der Schnittarbeiten einen beinahe tödlichen Kreislaufkollaps.

Fernsehen: Dumme, dreiste Journalisten

Zweifellos, Helmut Griem hat in den Plüschpfühlen des fin de siècle vorteilhafter gelegen, als es Willi Forst vermochte. Doch gleichviel, ob dieses zweiteilige Fernsehspiel der Romanvorlage Guy de Maupassants gerechter geworden ist als der Tandaradei-Forst-Film – "Bei ami" soll uns hier nur ein Anlaß sein, ein seltsames Phänomen zur Notiz zu nehmen: die Dummheit, die Dreistigkeit der Journalisten im Fernsehen.

Unser Kritiker sah:: ZWEIMAL MACBETH

Als vor Jahresfrist Elisabeth Bergner aus den "Macbeth"-Proben des Berliner Schiller-Theaters ausstieg, brach Fritz Kortner seine inszenatorische Phänomenologie der Diktatur ab.

THEATER

Weil eine ganze Gattung von Stücken, für die sich Gustaf Gründgens nicht interessierte, jetzt vom Deutschen Schauspielhaus möglicherweise auf einer Zweitbühne aufgeführt wird, hat sich die Situation für die Hamburger Privattheater verändert.

Fernsehen: Von Hühnern und Helden

Romulus der Große, ein Stück von Friedrich Dürrematt, wurde unter Helmut Käutners Ägide als derber Schwank inszeniert, und die Regie hatte weder Mühe noch Kosten gescheut, um dem Betrachter zu zeigen, wie naturalistisch es, im Vergleich zum Theater, auf dem Bildschirm zugehen kann.

Theater

Helmut Käutner entdeckte seine Liebe zur Oper, als er in Hamburg Henzes "Prinz von Homburg"inszenierte und den Ansager in Strawinskijs "Oedipus Rex" sprach: "Möglichkeiten der Formgebung, die ich nie gekannt hatte".

Zeitmosaik

Roman Norbert Ketterer, im In- und Ausland bekannten Kunstauktionator, der vor einigen Wochen überraschenderweise sein "Stuttgarter Kunstkabinett" "aus gesundheitlichen Gründen" schloß, meldete sich jetzt aus Italien wieder.

Film-Preise mit etwas Bosheit

1. Helmut Käutner den "Preis für die schlechteste Leistung eines bekannten Regisseurs" zu gleichen Teilen für seine Filme "Schwarzer Kies" und "Der Traum von Lieschen Müller", da die Jury sich nicht entscheiden mochte, welcher von beiden Filmen der schlechtere sei.

Film

"Der Blick von der Brücke" (Frankreich; Verleih: Ufa Film Hansa): Arthur Millers Melodram, auf dem dieser Film basiert, entfachte bei seiner Londoner Premiere einen Theaterskandal mittlerer Güte, weil da auf offener Szene ein Mann einen anderen auf den Mund küßte.

Wer gibt Joe Hembus einen Film?

Bei uns sind Schriften über Film, im Gegensatz etwa zu Frankreich, Italien oder England, eine Seltenheit. Aber nicht nur darum soll hier auf das Buch von Joe Hembus: "Der deutsche Film kann gar nicht besser sein" (mit 42 Abbildungen auf 16 Tafelseiten; Carl Schünemann Verlag, Bremen; 168 S.