: Horst Mahler

Fernseh-Kritik: Roter Preuße

Ein Mann in seinem Widerspruch? Ernst Heinitz: ein religiöser Sozialist von vorgestern, der, wegen der seiner Ansicht nach verhängnisvollen sozialdemokratischen Hochschulpolitik, die Partei verläßt und sich einer Gruppe konservativer Professoren anschließt – wie geht das zusammen? Hüben der Antifaschist, Emigrant, Widerstandskämpfer und drüben – ja, was eigentlich? Hüben der Anwalt einer entschiedenen Reformjustiz und Widersacher aller furchtbaren, rechtsblinden, gewissensfernen Juristen und drüben – wiederum nichts.

Rache für Mahler

Es begann mit Brandstiftung und eingeworfenen Scheiben, und es endete, zwei Jahre später, auf die gleiche Weise. Nach dem Attentat auf Rudi Dutschke beteiligte sich Berlins APO-Anwalt Horst Mahler an Demonstrationen.

Ein Fall für den Staatsanwalt?

Horst Mahler schaut freundlich drein, als er die Szene im großen Saal des Moabiter Kriminalgerichts betritt. Sie ist ihm vertraut.

Pflastersteine statt Argumente

Die drei Rechtsanwälte des Ehrengerichts hatten noch nicht Platz genommen, da begann am Montagmorgen vor dem Westberliner Landgericht die turbulenteste Straßenschlacht der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Richter im Dilemma

Mit dem Freispruch Horst Mahlers von der Anklage des versuchten Mordes hat der Rechtsstaat in Berlin einen Sieg errungen. Dies ist kein Anlaß zum Triumph.

Opposition hüben und drüben

Am 1. Mai marschierte Westberlins außerparlamentarische Opposition mit der SED zusammen. Nur zwei Wochen später empfingen die jungen Revolutionäre, im DDR-Sonderzug auf dem Sternmarsch nach Bonn, verstörte Volkspolizisten mit dem Schlachtruf: „Macht aus Stalinisten gute Sozialisten.

Horst Mahler: Ein ehemaliger Bankräuber als Anwalt?

Horst Mahler, früher erfolgreicher Rechtsanwalt für Wirtschafts- und Strafsachen in Berlin, dann als Bankräuber und Gefangenenbefreier mit terroristischem Hintergrund verurteilt und zehn Jahre lang Sträfling in Berliner Haftanstalten, soll nicht mehr Anwalt werden dürfen.

Terrorismus: Selbstkritik in der Moabiter Zelle

Schneller als sie, die von Deutschen eher „Repression“ erwartet, es zu hoffen wagte, erlaubte ihr der Berliner Justizsenator einen Besuch im Gefängnis Moabit; „das Herz in der Kehle“, so gesteht sie, betrat sie „jene Mauern, die einst Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg einschlössen“: Luciana Castellina, Kommunistin, 1969 aus der italienischen KP nach links ausgeschert, Abgeordnete der Democrazia Proletaria im römischen Parlament.

Ein Märtyrer für das Recht

Die beiden Toten, die drei Stunden lang auf offener Straße in Karlsruhe lagen, haben vielen von uns über den Zorn und die Trauer hinaus ein halbvergessenes Wissen ins Gedächtnis gerufen: Die Bundesrepublik lebt nun schon beinahe ein Jahrzehnt lang mit dem Terror.

Im Zweifel gegen den Angeklagten

Der Fernseh-Projektor hat mich schon im Eingang erfaßt. Der Wachtmeister tastet mich im Vorraum nach Waffen ab. Dann werde ich in das eiserne Treppenhaus geführt.

Verurteilt: der Verleger Wagenbach: Neun Monate

Natürlich ist es ganz in Ordnung, wenn einer vor Gericht zu seiner Verteidigung nur jenen Teil der Wahrheit vorträgt, der ihm der taktisch klügste scheint; wenn Klaus Wagenbach also behauptet, die 1971 von ihm als „Rotbuch 29“ veröffentlichte, vermutlich von Horst Mahler verfaßte und von der Polizei sogleich beschlagnahmte Schrift „Über den bewaffneten Kampf in Westeuropa“ sei eine niveauvolle theoretische Erörterung des Problems von Gewalt und Gegengewalt und nichts weiter; wenn er die Aktionsvorschläge, die sein ebenfalls beschlagnahmter „Roter Kalender 1972“ Lehrlingen und Schülern macht („Veränderung von Kriegerdenkmälern.

Berliner Narreteien

Für das alte Moabiter Kriminalgericht ist er bereitsein alter Kunde. Wieder einmal erschien der Kommunarde Fritz Teufel vor Gericht.

Baader-Befreiung: Zweiter Prozeß

Mit Handgreiflichkeiten und Beschimpfungen begann am Dienstag im Westberliner Kriminalgericht Moabit der zweite Prozeß um die gewaltsame Befreiung des Frankfurter Kaufhausbrandstifters Andreas Baader.

Bachmann vor Gericht

Dieser Prozeß hat es in sich: Der Angeklagte, der Attentäter Josef Bachmann, und sein Opfer, der SDS-Ideologe Rudi Dutschke, sind – jeder auf seine Weise – berühmt geworden, und die Tat hatte in Westberlin und der Bundesrepublik schwere Unruhen ausgelöst.

Neuss im Trockendock

Berliner Klima, so kleinkariert es auch oft erscheinen mag, zehrt. Seit Anfang Dezember zehrt es erheblich an Wolfgang Neuss’ Nerven.

Ulrike Meinhof: Ausschluß erreicht

Der zweite Prozeß um die Befreiung des Kaufhausbrandstifters Andreas Baader findet ohne die beiden Hauptangeklagten statt. Am Dienstag wurde Ulrike Meinhof – wie zuvor schon der frühere Rechtsanwalt Horst Mahler – von der weiteren Verhandlung ausgeschlossen.

Mahler-Prozeß: Das Fehlurteil von Moabit

Von dem Urteil, das der Erste Strafsenat des Berliner Kammergerichts am Montag über den Rechtsanwalt Horst Mahler sprach, sind bisher nur die mündlichen Gründe bekannt.

„...hat es uns Spaß gemacht“

Eine quälende Fröhlichkeit auf der Anklagebank – Wird aus Moabit doch noch ein Stammheim Von Hans Schueler