: Horst Sindermann

Lebenslänglich Bundesbürger

Gerhard Schürer war noch vor drei Jahren Mitglied des Politbüros der SED. Wenn er heute auf seinen Balkon hinaustritt, hat er die Niederlage vor Augen: Tief unten, vor seinen Füßen, liegen letzte Trümmer des antifaschistischen Schutzwalls; rechts flanieren die Touristen durchs Brandenburger Tor.

Fernseh- Vorschau: Blinde Flecken

Der Film hat große Furore gemacht, nicht in den Kinos – er war verboten sondern im SED-Zentralkomitee und der offiziellen DDR-Kunstdebatte der sechziger Jahre.

Bauern in der DDR: Über den Tisch gezogen

Um sich weitergehender Ansprüche, wie man sie nach der Wahrungsunion nicht zu Unrecht kommen sah, von vornherein zu entledigen, machten er und viele seiner Kollegen sich daran, den Landeinbnngern ihre Inventarbeitrage noch vor dem 1 Juli auszuzahlen – also in Ost-Mark und ohne Beteiligung am damit geschaffenen Vermögen der LPG Widerstande gegen ein solches Vorgehen wurden gebrochen mit Drohungen ("Wenn die LPG konkurs geht, kriegt ihr gar nichts") oder mit Zeitdruck ("Unterschrieben werden muß bis .

Unter die Räder gekommen

Eben noch saß er entspannt zurückgelehnt, die Hände übereinander gekreuzt auf dem Tisch, die Füße weit von sich gestreckt. Nun aber stößt der Kopf bullig nach vorne, die rechte Augenbraue zieht sich beim Blick auf den Frager nach oben, die Füße umklammern, als brauche er mehr Halt, die Stuhlbeine, jedes Wort akzentuiert er mit Handkantenschlägen auf den Tisch.

Worte der Woche

"Hans Albrecht, Erich Honecker, Werner Krolikowski, Günter Kleiber, Erich Mielke, Gerhard Müller, Alexander Schalck-Golodkowski, Horst Sindermann, Willi Stoph, Harry Tisch, Herbert Ziegenhahn und Dieter Müller werden aus dem Zentralkomitee ausgeschlossen.

© dpa

DDR: "Wo geht’s hier in den Westen?"

Sie waren trunken vor Glück. Nun haben manche DDR-Bürger einen Kater. Sie machen sich Sorgen um die Zukunft ihres Staates.

Die Führung hat ihr Volk verloren

Die DDR-Führung gerät jetzt in Panik. Daß der von Politbüromitglied Willi Stoph geführte 44köpfige Ministerrat am Dienstag zurücktrat, war kaum noch eine Überraschung.

Worte der Woche

"Mein ganzes bewußtes Leben habe ich in unverrückbarer Treue zur revolutionären Sache der Arbeiterklasse und zu unserer marxistisch-leninistischen Weltanschauung der Errichtung des Sozialismus auf deutschem Boden gewidmet.

Aufbruch ins eigene Land

Die Stadt steht still. Seit einer halben Stunde ist die "Protokollstrecke" quer durch Halle vollständig gesperrt. Weiße Motorradstreifen der Volkspolizei sichern die Kreuzungen.

Worte der Woche

"In der Arbeitslosigkeit ist die Frage nicht, noch mehr zu wissen, sondern zu bewirken, daß mehr geschieht. Die Politiker müssen sich auf die Sache konzentrieren, nicht auf das Geflüster aus den Kulissen hören.

Wer folgt auf Erich Honecker?: Die Erben müssen weiter warten

Wer – und was – kommt nach Erich Honecker? Die Frage wird ebenso hartnäckig wie ratlos gestellt, in der Bundesrepublik übrigens häufiger als in der DDR, wo man genauer weiß, daß die Ratschlüsse der Partei ewig unerforscht bleiben werden.

Grüne: Freundlicher Empfang in der DDR

Die Grünen zeigten wieder einmal, daß sie anders sind als die anderen Parteien. Die Delegation der grünen Bundestagsfraktion, die auf Einladung des DDR-Volkskammerpräsidenten Horst Sindermann nach Ost-Berlin kam, bestärkte die DDR in ihrer freizügigen Haltung gegenüber den Asylbewerbern.

Honecker im Zenit der Macht

Ein richtiger Trapper stirbt im Sattel", sagt ein jetzt im Westen lebender Künstler von drüben, der sich in der Funktionärshierarchie der DDR auskennt.

Frankreichs Premier in Ost-Berlin: Wenig zu sagen, viel zu verkaufen

Der französische Premierminister war just zwei Stunden in der DDR, da erlebte er die erste Überraschung. Laurent Fabius und Erich Honecker unterhielten sich im Büro des Staatsratsvorsitzenden am Marx-Engels-Platz über die internationale Lage und das Ost-West-Verhältnis.

DDR: Luthers riesige Gemeinde

Das Denkmal Luthers am Eisenacher Platz der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft sah hinab auf rote Fahnen. Der 1. Mai-Schmuck blieb bis zum 8.

Kommunistischer Demokrat aus Logik, Nüchternheit und Anstand: Zweifler aus Freiheitsliebe

Ein winziges Detail des Sterbens scheint auf wie ein Symbol für das Leben dieses Mannes: Daß die DDR-Behörden Menschlichkeit zeigten und seinen engsten Freund und ehrlichsten Schüler Wolf Biermann ans Sterbebett ließen, letzte Begegnung zweier Verfemter, will wie das Aufglänzen jener Hoffnung anmuten, die Robert Havemann nie aufgeben mochte – eine Veränderung zum humanum sei doch möglich.