: Ingmar Bergman

© Getty Images/Francois Guillot

Pierre Lemaitre: Zu kurze Särge

Selten hat man etwas so Spannendes zum Ersten Weltkrieg gelesen wie "Wir sehen uns dort oben" von Pierre Lemaitre. 2013 gewann der Roman den Prix Goncourt.

F I L M G E S C H I C H T E: Spannung Ost

Seit 40 Jahren dokumentiert der Regisseur Winfried Junge das Leben im brandenburgischen Dorf Golzow - und schuf so ein Abbild des ostdeutschen Alltags. Der jüngste Film dieses Langzeitprojekts hat jetzt Premiere

Bildschirm contra Leinwand?

Das Unerhörte geschah im Mai 1977 bei den Filmfestspielen von Cannes: Zum erstenmal in der langen, traditionsreichen Geschichte dieses größten und wichtigsten internationalen Filmfestivals wurde ein reiner Fernsehfilm, zur Gänze produziert und finanziert von der staatlichen italienischen RAI, mit dem großen Preis, der „Goldenen Palme“, ausgezeichnet: „Padre Padrone“ von Paolo und Vittorio Taviani.

Können Sie einen Film lesen?

Ein literarischer Verlag macht sich um ein Gebiet verdient, das bisher nicht als „literaturfähig“ galt

FILMTIPS

„Tätowierung“, von Johannes Schaaf nach einem Drehbuch von Günter Herburger: die Geschichte eines in Familienobhut genommenen Fürsorgezöglings, die für den fürsorglichen Onkel-Pflegevater letal endet.

TABU

Zu berichten ist von Aufstieg und Fall Sirius Karnapkes, von Sieg und Ende einer Idee. Dieses Ende war plötzlich. Betäubt stehen wir inmitten der Trümmer und sehen unsere Umwelt zurückgefallen in einen Zustand, welcher längst überwunden schien.

Unter welchen Bedingungen dürfte „Der Stellvertreter“ auch in den Ländern des Ostblocks gespielt werden? Mit dieser und anderen Fragen beschäftigt sich Rolf Hochhuth in diesem Beitrag, der mehr ist als ein Brief: eine Erörterung der politischen Wirkungsmöglichkeiten des Schriftstellers in freiheitlichen und in totalitären Staaten.: Die Fähigkeit und die Freiheit, sich zu empören

erst in der vorletzten Woche, da ich zuvor unterwegs war, erhielt ich den Wortlaut Ihres Offenen Briefes, worin Sie mit dem Hinweis darauf, daß ich mein Trauerspiel „Der Stellvertreter“ für Aufführungen in Osteuropa vorerst noch nicht freigebe, dagegen protestieren, daß der Hegner-Verlag in Köln ohne Ihre Einwilligung Ihre „Verspäteten Reportagen“ veröffentlichen wollte.

Vielerlei über den Frankfurter Goethe-Preisträger 1976: Kleine Ecke für die Seele

Ingmar Bergmann der schwedische Theater- und und Filmregisseur, der Anfang des Jahres aus Wut über die Behandlung durch die schwedischen Steuerbehörden seine Heimat, die er für die Welt verkörperte wie niemand sonst, unter Zurücklassung seines Vermögens fluchtartig verlassen hat – Ingmar Bergman ist dabei, in Deutschland Fuß zu fassen.

Erlösung in der Totenmaske

Ein Menschenwesen stöhnt: „Ach, ach/tiefe Nacht/Wahnsinn/o Wut/ach Jammer/Schlaf, Schlaf/tiefer Schlaf/Tod!“ Eine Frau schlägt die Lider auf, ein Weib, eine Severin, mit den in endlose Tiefen-durch die Filmkamera in uns hineinblickenden Augen Wo bin ich? fragen die Augen, und: Wer bist du? Die Kamera zeigt mehr, läßt sehen, was die Frau in ihren weit ausgebreiteten Armen trägt und mit langen gewellten Haaren umhüllt: eine gläserne Kugel, darin Geheimnisvolles.

Bergmans Gespenst

Ein Geheimnis ist zu lösen: Wo war Ingmar Bergman am 14. Juli 1983? An diesem Tage nämlich feierte der schwedische Meisterregisseur seinen 65.

Film

„Ach diese Frauen“ (Schweden; Verleih: Nora): Ingmar Bergman macht es denen leicht, die seiner überdrüssig sind. Seine Verehrer, das steht zu fürchten, werden wieder auf den Leim kriechen, den ihnen der Pastorensohn diesmal ausstreicht, denn alle Ingredienzien, aus denen er so gefällig seine Filme braut, sie sind brav versammelt: Kunst und Leben, Liebe und Tod, Geisteslust und Fleischespein, Fleischeslust und Geistespein, Frauen und Mönche, Asketen und Lustbolde.

Enttäuscht von Dürrenmatt und Disney

Wie klug, fast zu klug, Musik dramaturgisch eingesetzt werden kann, bewies der Schweizer Beitrag „Es geschah am hellichten Tag“ (Regie: Ladislav Vadja), in dem sich das herrannahende Böse in dramatischen Tönen jedesmal warnend anzeigt.

Sollen die Künstler krepieren?: Oh Götter!

Solche Schreie hört man sonst nicht mehr: dumpfe Laute aus dunklen Kehlen. Von tief unten, wo die Vorzeit begraben ist, schreit es herauf, und aus den Mündern unserer Theaterschauspieler dringt es bis zu uns ins Parkett.

Der siebentägige „Krieg“

Zwischen Mona Lisa und dem Mann mit dem Goldhelm standen die beiden schwedischen Twens am Mittwoch letzter Woche und stülpten weißblaue, gestrickte Pudelmützen über die blonden Schöpfe.

Zeitmosaik

Überängstlichkeit oder wohlbegründete Anpassung an ein provinzielles Publikum? Das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg kündigte seinen „verehrten Abonnenten“ die Aufführung von Edward Albees Ehedrama „Wer hat Angst vor Virginia Woolf .

Das Taschentuchkino hat Hochsaison

Nun schmachten sie wieder. Die Filme der Sozialkritik, des Aufruhrs, der Polemik, der Aggressionen und Agitationen sind vergessen: Die ganze Welt produziert love-stories en gros und en detail, banale Dreiecksgeschichten und Trivialitäten aus dem Poesiealbum, aufgeblasen zu gefühligen, ungeheuer bombastischen und geschmäcklerischen Melodramen.