: Jean Cocteau

Amsterdam, Keizersgracht 333

Die ostdeutschen Verlage berappeln sich und trotzen dem drohenden wirtschaftlichen Ruin mit sorgfältig plazierten Programmhöhepunkten, die Aufmerksamkeit verdienen: bei Volk und Welt Lilja Briks Erinnerungen an Majakowski "Schreib Verse für mich", bei Reclam Leipzig Arnold Zweigs "Bilanz der deutschen Judenheit" und beim Aufbau-Verlag nicht nur der Band "Autoren- und Verlegerbriefe 1945-1949" als Auftakt der neuen Taschenbuchreihe, sondern nun auch im Hauptprogramm die Memoiren von Fritz Landshoff.

Beißt die Menschen, wo es guttut

Wer lebenslang Briefen und Tagebüchern nicht widerstehen kann, nimmt an fremden Leben teil. Er lernt Menschen "schriftlich" kennen, er kann sie "beschreiben".

In Kürze

Endlich! Ein Buch über den Apparat, der unser Leben begleitet wie sonst nur noch das Auto. Renate Genth und Joseph Hoppe haben sich die Mühe gemacht, Fakten und Bilder über das wundersame Gerät Telephon zusammenzutragen.

Sehen, um einzusehen

Eine ganze Woche mit schönen Reden und belegten Brötchen vor sich, dazu der Anblick manchen Kunstwerks, das ihm, und nicht nur ihm, dieselben im voraus wieder hochkommen ließ; das war wohl mehr, als Peter Ludwig, der Sammler und Stifter, der Käufer und gelegentliche Verkäufer von Kunst, der halbe Namenspatron des neuen Kölner Doppelmuseums Wallraf-Richartz/Ludwig ertragen mochte.

Miles Davis wird sechzig: Tätiger Jazz-Vulkan

Ich stelle mir vor: Alle kennen sie sein vulkanisch-schwelendes Temperament, so mancher hat unter seinen verbalen Säureattacken gelitten, nicht wenige haben sich angesichts seiner Qualitäten als Unbedeutende in den nächsten Fluß stürzen wollen, und doch: Jetzt sind sie angetreten, eine riesige Gratulations-Gemeinde, ein Floristenhaufen, um dem Meister, um dem Trompeter Miles Davis zu seinem 60.

Filme

In einer größeren Stadt der USA versucht eine Clique junger Männer und Frauen zurechtzukommen mit dem Leben, mit all ihren Liebes- und Leidensgeschichten.

Zum Tod von Jean Genet: Theologe des Verbrechens

Ich gelange zur Liebe, wie man ins Wasser tritt, die Hände voraus, blind, meine zurückgehaltenen Seufzer erfüllen deine Gegenwart in mir mit Luft, in mir, wo deine Gegenwart schwer ist.

Giorgio und Andrea de Chirico – alle Welt kennt den metaphysischen Maler. Nur wenige kennen den Komponisten, Künstler, und Schriftsteller, der sich, um der familiären Konkurrenz zu entgehen, Alberto Savinio nannte: Der kleine Bruder

Der ganze noch im Entstehen begriffene Mythos stützt sich an seinem Anfang auf die beiden, in ihrem Gebiet fast nicht zu unterscheidenden Werke von Alberto Savinio und seinen Bruder Giorgio de Chirico, Werke, die ihren Kulminationspunkt am Vorabend des Krieges von 1914 erreichen", schrieb André Breton Ende der dreißiger Jahre in den Notizen zu seiner "Anthologie des schwarzen Humors", in der zwischen Sade und Swift auch Savinio seinen selbstverständlichen Platz fand.

Fernseh- Vorschau: Ästhetische Betriebsnudel

Jean Cocteau, ein großer Name. Aber was ist geblieben? Ins Gedächtnis hat sich das Bild seines vogelhaften, witzigen, klugen Kopfes eingeprägt – solchen eindringlichen Physiognomien begegnet man heute kaum noch.

Bangkok: Eine schier unglaubhafte Welt

Unter den Leinendächern des Wochenendmarktes sind die Schatten durchsichtig wie alter Madeira. In die schrägen Lichtstrahlen des Hell-Dunkels platzt das jähe Rot eines Obststandes oder die Fanfare der in langen Reihen aufgehängten Messingkannen.

Der Mensch ist niemals schuldig

"Mein ganzes Leben lang war ich auf alles neugierig, nicht nur auf den Menschen, den ich überall auf der Welt beobachtet habe, auf die Frau, die ich fast schmerzhaft verfolgt habe, so quälend wurde manchmal das Bedürfnis, mich mit ihr zu vereinigen; ich war neugierig auf das Meer und das Land, das ich respektiere, wie ein Gläubiger seinen Gott respektiert und verehrt, auf die Bäume, auf die kleinsten Insekten, auf das kleinste, noch gestaltlose Wesen, das in der Luft oder im Wasser lebt.

Immer auf die Großen

Jeden Dienstagnachmittag zittert die politische Klasse Frankreichs: Dann kommen – taufrisch – die ersten Exemplare des Canard enchaine aus der Druckerei.

Filmtips

"Das Casanova-Projekt" von Arend Agthe, Bernd Eilert, Robert Gernhardt, Fritz Wächter. Sie sind Zeichner, Schreiber, Lyriker und: Filmemacher.

Sils Maria: Heroische Idylle

Der Sommertag war vorbeigegangen wie Jeder vorangegangene auch. Die Sonne hatte pflichtschuldig gestrahlt, und auch der kühlende Südwind war wieder pünktlich um zehn Uhr über den Maloja-Paß in die Ebene eingefallen.

Fernseh-Vorschau: Einer kehrt zurück

Jean Cocteau (1889–1963), dessen Filme früher zum ehrwürdigen Bestand der Filmkunsttheater gehörten, ist ein Zauberer und ein Entzauberer ("Orphée").