: Joachim Kaiser

Deutsch-schwedisches Schriftstellertreffen: Auferstanden aus Ruinen

Draußen weißblaues Nordlicht, ein ewig leuchtender Himmel. Drinnen lesen die Dichter. Eingeladen, freundlichst empfangen und betreut von der schwedischen Kulturattaché in Bonn, Agneta Bohman, trafen sich deutsche und schwedische Autoren und Kritiker auf Gotland – eine Schriftstellertagung.

DAS LETZTE

Von allen journalistischen Gattungen ist die Lobrede (lat. laudatio hudeliensis) die am wenigsten gepflegte. Im Verriß, in der Häme, in der furchtlosen Entlarvung der Unmoral überbieten sich die Kollegen nach Kräften.

Unter Sternen

Aber einkaufen, so beginnt’s, Samstag, der 2. Januar. In den Supermarkt: Milch, Spaghetti, Kaffee, Gurken, so steht es auf dem Zettel, alles aufgeschrieben.

Zeitmosaik

Als nun Lucia auftrat, als Edita Gruberova ihre wunderbare erste Szene und Arie vortrug (sie schaudert vor dem Gespenst einer imaginierten Selbstmörderin, sieht das Brunnenwasser blutig rot, preist dann in virtuos zarten Sequenzen ihr Liebesglück), da geschah etwas, was derart zwingend, vollendet und kunstvoll auch die glühendsten Fans der Gruberova nicht erwartet hatten.

Zeitmosaik

Jeder Mensch hat ein wirkliches Leben – aber das ist uninteressant. Doch jeder wirkliche Mensch spielt im Laufe seines wirklichen Lebens unzählige Rollen, und dabei kann er sein Leben verwandeln in einen Theatertraum – ein schönes Kostüm genügt zu dieser Metamorphose, oder ein angeklebter Bart, oder auch nur eine schöne Lüge.

DAS LETZTE

"Zuerst ist Nichts, dann tiefes Nichts und schließlich blaue Tiefe", sagen die Philosophen. Und all das steckt schon in dem schönen kleinen Wort.

Causerien eines Kurzstreckenläufers

Als 1951 die Bayreuther Festspiele wiedereröffnet wurden, saß im zarten Alter von 23 Jahren auch ein Student namens Joachim Kaiser im Zuschauerraum, und er verfaßte damals bereits einen Bericht über seine Bayreuther Eindrücke für die Frankfurter Hefte.

Trostloses Fremdgehen

Oh, wie trostlos sind die kleinen deutschen Städte!" – Dostojewskis Stoßseufzer ("Der Spieler"), den Eckhard Henscheid als Motto einem der Prosastücke vorangestellt hat, die der Band "Die drei Müllerssöhne" versammelt, gibt nicht nur diesen Glossen, Märchen und Erzählungen ein Leitmotiv; er ist vielmehr auch eins der Kraftzentren, die Henscheids Werk im Ganzen organisieren.

Ich will keine lebende Leiche sein

FRIEDRICH GULDA: Ich weiß, daß gewisse Herren, die sich einbilden, von Musik furchtbar viel zu verstehen, Vorbehalte gegen meine Kompositionen haben, aber das Publikum gibt seiner Zustimmung lautstarken Ausdruck.

Bansin als geistige Lebensform

Aus dem Schriftsteller Hans Werner Richter nur einen zu machen, der jene Postkarten schrieb, mit denen man zu den Tagungen der Gruppe 47 eingeladen wurde: das möchte – und das hat – so manch einem gefallen.

"Wer Peter Steins ‚Tasso‘-Inszenierung heute sieht, dem geht auf: 1968, das war die Jugend der Bundesrepublik. Man kann die Jugend fürchten, auch hassen: aber hätte dieses Land nicht seine Jugend, und noch so spät, nachgeholt – es wäre ein wüstes Land.": Der schöne Haß

Goethe, zu dessen vorherrschenden Tugenden Dankbarkeit nicht gehörte, zeigte sich, so Eckermann, "sehr gut und liebevoll", als ein junger, verblüffend junger Mann die "Fähigkeit" bewies, "sogar das zu sehen, was ich nicht ausgesprochen und was sozusagen nur zwischen den Zeilen zu lesen war.

"Weißt Du, wie das wird?" Mit dieser Frage der Nomen fahren die Wagner-Enthusiasten wieder zu den Bayreuther Festspielen, die in dieser Woche beginnen und die dem Willen ihres Gründers gemäß geblieben sind:: Das perfekte Provisorium

Fast ein Vierteljahrhundert ist es her, daß diese Zeitung es für angemessen hielt, über mehrere Wochen einen größeren Teil des Feuilleton-Raumes einer Diskussion zur Verfügung zu stellen darüber, ob "Wagner-Opern veränderten Verhältnissen angepaßt werden können, dürfen oder müssen".

Ruth Berghaus: Kühne Künstlerin

Opernfreunde und Musikkritiker geraten in heftigen Streit, seitdem Ruth Berghaus auf den Bühnen des internationalen Musiktheaters den Ton angibt.

Petrarca-Preis und Bachmann-Preis: literarische Inszenierungen: Auf ein Neues

Die Literatur: ein Film, ein Stück fürs Fernsehen, ein Sommerspektakel? Weit geöffnete Türen in der Villa Emo in Fanzolo, nördlich von Venedig: Hermann Lenz erhält den Petrarca-Preis unter den Fresken des Giambattista Zelotti, im großen Saal eines von Palladio Mitte des sechzehnten Jahrhunderts entworfenen Landsitzes – literarische Krönungsfeier, wie in Cinemascope.

Frieda Parmeggiani: Schmerz ist ihr Panzer

In der Hotelhalle ist sie tief über eine Opernkritik gebeugt, in der sie bereits in der zwölften Zeile Erwähnung findet. "Schauen Sie, hier: Kostüme von Frieda Parmeggiani.