: Joachim Kaiser

Drei Fragen an fünf Intendanten

1. Von Joachim Kaiser wurde in der „Süddeutschen Zeitung“ (vom 4./5. September 1965) die Vermutung geäußert, die „einzigartige theatralische Wiedergutmachungs- und Aufklärungsaktion“, zu der Peter Weiss’ „Ermittlung“ jetzt benutzt würde, zeuge unter anderem von der Angst der deutschen Intendanten vor „scheußlichen Verdächtigungen“.

Ein Roman stiftet verwirrende Ordnung

Mit jener schönen Selbstverständlichkeit, die für ihn berufsnotwendig und existenzerhaltend ist, glaubt der Kritiker, ihm komme es zu, einem Werk seinen Platz anzuweisen.

Wovon dieses bewegende Buch handelt

Gewiß, es geht um die Leser, um die Auflagenhöhe, um Weltanschauungen und herbe Vorwürfe. Trotzdem, vergessen wir es nicht, geht es zunächst um ein Buch.

Im Brennpunkt des Gesprächs:: Meinetwegen ist das schlecht, aber...

besprochen werden muß, außerordentlich ernst wird. Nur schlägt sich dieser Ernst, seine Sorge um eine deutsche Gegenwartsliteratur von Rang, dann manchmal nieder in Formulierungen wie: Jedermann weiß, daß Martin Walser außerordentlich viel kann.

Ein Amerikaner in Wien

Die sechs „Falstaff“-Vorstellungen, die er dirigieren sollte, waren lange vorher ausverkauft. Um ihn von den Stehplätzen des obersten Ranges oder hinter dem Parkett zu erleben, standen hundert Unentwegte länger als die doppelte Abendspieldauer an.

Siebenundvierzig, siebenundvierzig, siebenundv...

Aufsätze über die Gruppe 47 und ihre Meriten sind schon zum Erbrechen oft verfaßt worden.“ Der Satz stammt aus einem Artikel Joachim Kaisers, der kürzlich in der Zeitschrift konkret erschien.

Die Literatur-Mafia von Berlin

Seit einigen Monaten hört man: in Berlin herrschte eine Literatur-Mafia, ein Klüngel, ein Racket, ein zentraler Gang, herrschten ein paar Al Capones, Drahtzieher, Manipulanten, Literaturschieber, deren Protektion zu verscherzen sich kein Schriftsteller getraue und kein Journalist.

Frieda Parmeggiani: Schmerz ist ihr Panzer

In der Hotelhalle ist sie tief über eine Opernkritik gebeugt, in der sie bereits in der zwölften Zeile Erwähnung findet. „Schauen Sie, hier: Kostüme von Frieda Parmeggiani.

Ein Fußtritt für den Konsulenten

Einer der auf der Bühne Beteiligten drückte es so aus: "Man sang wie gegen eine Wand aus Eis. Gleich von Anfang an. Keinerlei Stimmung kam auf.

Deutsche Dichter als Doktoren

Bewußtheit, Sich-Selbst-Zuschauen über die Schulter weg ist ein Merkmal moderner Dichtung. Der Dichter sitzt in der Werkstatt und verfertigt Texte.

Auf welche Bücher sind Sie am meisten gespannt?

1) Reinhard Baumgart: „Hausmusik“ (Walter) – weil ich Baumgart, auch wenn seine Freunde nicht immer die meinen sind, für einen der gescheitesten und (man verzeihe das unzeitgemäße Wort) manierlichsten jungen Männer des deutschen Nachwuchses halte.

Hüben und drüben: Ein bißchen Amtsarzt, ein bißchen Moses

Der deutschen Kritik liebstes Sorgenkind, ihr schwierigster, vielleicht aber auch hoffnungsvollster Schützling, jener Autor, dessen schriftstellerische Niederlagen niemals der Aufmerksamkeit der literarischen Öffentlichkeit entgehen und dessen imponierend beharrlicher Kampf um das Drama zumindest aufrichtigen Respekt abnötigt, er, der fortwährend im honorigen Verdacht steht, weit mehr als bisher leisten zu können und der sich jedenfalls in seinen von milder Melancholie und verständlicher Bitterkeit nicht freien Aufsätzen und Vorträgen immer wieder als einer der geistreichsten Vertreter seiner Generation erweist, Martin Walser also, hat sich neuerdings – in der Süddeutschen Zeitung – über die Kritik Gedanken gemacht, die mir ebenso beachtlich wie höchst bedenklich zu sein scheinen.

Große Pianisten

Der Raum ist beschränkt, und das kulturelle Leben ist weit – weiter, als Pessimisten es wahrhaben wollen. Damit sich nicht allzu hart im Räume die Sachen stoßen, verlagern wir immer einmal wieder das Gewicht.

Theater

Der 37jährige deutsche Autor Dieter Waldmann ist vom Meister an den Schüler, von Gründgens an Karl Vibach geraten. „Nach der Stuttgarter Uraufführung steht Dieter Waldmann plötzlich in anderem Licht da: als nicht gerade ehrgeiziger, aber sehr brauchbarer Theatraliker.

Handkes Dramaturgie

Die Literaturgeschichte dient oft genug, dazu, als Börse für sogenannte Ewigkeitswerte zu fungieren: Barockwerte etwa haben in den letzten Jahren spürbar angezogen, Klassiker wurden schwächer notiert, andere Epochen unterlagen heftigen Kursschwankungen.

Fritz Kortner und die Dämonen

Er hat den Tod nicht nur gefürchtet, wie alle Sterblichen. Er hat ihn gehaßt. Er hatte Angst vor dem Pillenschlaf. „Das Schlafmittel“, schrieb er in seiner Autobiographie „Aller Tage Abend“, „schleicht in den Kopf, ergreift das Hirn und bläst es aus.

Ruth Berghaus: Kühne Künstlerin

Opernfreunde und Musikkritiker geraten in heftigen Streit, seitdem Ruth Berghaus auf den Bühnen des internationalen Musiktheaters den Ton angibt.

Nach der kurzen Amtszeit Monks am Deutschen Schauspielhaus ließe sich, wie so oft in den letzten Jahren, die Annonce aufgeben:: Intendant gesucht

Josef Aufricht, also immerhin der Berliner Theatermann, an dessen Bühne Ende der zwanziger Jahre die „Dreigroschenoper“ ihre glanzvolle Feuertaufe erlebte und Ödön von Horváths „Geschichten aus dem Wiener Wald“ uraufgeführt wurden, berichtet in seinen Lebenserinnerungen, welchen Schock es ihm bereitet habe, als sich New Yorker Zeitungen auf einen „1000-Dollar-Tenor“ freuten.