: Joachim Kaiser

Hans Lietzaus langsame Karriere

Hans Lietzau wurde 1913 in Berlin geboren. Dort hat er 1932 Theater- und Zeitungswissenschaft zu studieren begonnen, dann besuchte er zwischen 1933 Und 1935 die Schauspielschule des Preußischen Staatstheaters.

Nach der kurzen Amtszeit Monks am Deutschen Schauspielhaus ließe sich, wie so oft in den letzten Jahren, die Annonce aufgeben:: Intendant gesucht

Josef Aufricht, also immerhin der Berliner Theatermann, an dessen Bühne Ende der zwanziger Jahre die "Dreigroschenoper" ihre glanzvolle Feuertaufe erlebte und Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald" uraufgeführt wurden, berichtet in seinen Lebenserinnerungen, welchen Schock es ihm bereitet habe, als sich New Yorker Zeitungen auf einen "1000-Dollar-Tenor" freuten.

Ansichten über Heinrich Böll

Wer wollte es bezweifeln: die deutsche Böll-Kritik war in letzter Zeit ihrer Sache nicht ganz so sicher. Welch seltsames Phänomen ist dieser Autor auch! Er hatte zunächst nichts anderes zu bieten als Nachkriegsschicksale – und wurde der meistgelesene deutsche Erzähler.

Nach den "Großen Pianisten", die Joachim Kaiser vorstellte, wollen wir jetzt berühmte Geiger unserer Zeit porträtieren: Aristokrat auf dem Podium

Im zweiundzwanzigsten Heft des Jahrganges 1964 bezeichnete das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" den am 31. Dezember 1904 in Odessa geborenen Nathan Milstein als "Bravourstück-Virtuosen", in der einundvierzigsten Ausgabe des Jahres 1965 rühmte es unter anderem seine Bach- und Sarasate-Kunststücke und vermerkte nicht nur, daß er der bestbezahlte Violinist der Welt sei, sondern auch Heifetz übertrumpft habe – im Ping-Pong.

Vielleicht das beste Orchester der Welt

Es ist hier von einem Karajan-Erfolg zu berichten, dessen Konsequenzen sich noch gar nicht abschätzen lassen. Der Maestro hatte während der letzten Jahre seinen Ruf ein paarmal gefährlich riskiert.

Die Literatur-Mafia von Berlin

Seit einigen Monaten hört man: in Berlin herrschte eine Literatur-Mafia, ein Klüngel, ein Racket, ein zentraler Gang, herrschten ein paar Al Capones, Drahtzieher, Manipulanten, Literaturschieber, deren Protektion zu verscherzen sich kein Schriftsteller getraue und kein Journalist.

Siebenundvierzig, siebenundvierzig, siebenundv...

Aufsätze über die Gruppe 47 und ihre Meriten sind schon zum Erbrechen oft verfaßt worden." Der Satz stammt aus einem Artikel Joachim Kaisers, der kürzlich in der Zeitschrift konkret erschien.

Im Brennpunkt des Gesprächs:: Meinetwegen ist das schlecht, aber...

besprochen werden muß, außerordentlich ernst wird. Nur schlägt sich dieser Ernst, seine Sorge um eine deutsche Gegenwartsliteratur von Rang, dann manchmal nieder in Formulierungen wie: Jedermann weiß, daß Martin Walser außerordentlich viel kann.

Gruppe 47 in Princeton

Auf den ersten Blick sieht es absurd genug aus, und auf den zweiten auch noch: daß deutsche Schriftsteller, um sich gegenseitig neue Arbeiten vorzulesen, einen Ozean überqueren, daß sie Orkane durchstehen, daß sie – eine irritierende teutonische Invasion – einen amerikanischen Universitätscampus aus vornehmer Ruhe aufstören, daß an einer amerikanischen Autostraße (US 1) vor einem Motel ("your host from coast to coast") ein nachts erleuchtetes Reklameschild verkündet: WELCOME GRUPPE 47.

Ein Amerikaner in Wien

Die sechs "Falstaff"-Vorstellungen, die er dirigieren sollte, waren lange vorher ausverkauft. Um ihn von den Stehplätzen des obersten Ranges oder hinter dem Parkett zu erleben, standen hundert Unentwegte länger als die doppelte Abendspieldauer an.

Funk: Es war in jeder Weise ein gemischtes Vergnügen

Drei Stunden lang sendete das Dritte Programm des Norddeutschen Rundfunks und des Senders Freies Berlin Ausschnitte aus den Lesungen und Diskussionen der diesjährigen Tagung der Gruppe 47 in Berlin, im Hause des "Literarischen Colloquiums" am Wannsee.

Hermann Naber:: Die "Ermittlung" in der Presse

Als der Auschwitz-Film "Nacht und Nebel" von Alain Resnais 1955 bei den Filmfestspielen in Cannes vorgeführt werden sollte, mußte er auf den Protest des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik hin zurückgezogen werden.

Drei Fragen an fünf Intendanten

1. Von Joachim Kaiser wurde in der "Süddeutschen Zeitung" (vom 4./5. September 1965) die Vermutung geäußert, die "einzigartige theatralische Wiedergutmachungs- und Aufklärungsaktion", zu der Peter Weiss’ "Ermittlung" jetzt benutzt würde, zeuge unter anderem von der Angst der deutschen Intendanten vor "scheußlichen Verdächtigungen".

Ein Kritikergespräch

ir haben uns zu entschuldigen: Der Protokollant dieses Gesprächs, ein überaltertes Tonband, war dem Unternehmen nicht ganz gewachsen.

Walter Jens:: Mein Sanatorium

Es könnten, von einem aparten Rasensprenger benetzt, die Rhododendren in S. Fischers Garten sein; aber genausogut die von Emailletäfelchen gekrönten Schubladen des Aktenschranks, drinnen im Hause, zur Rechten der Freitreppenfront.

Große Pianisten der Gegenwart (7): Regisseure von Sonaten-Dramen

Rudolf Serkin sieht so aus, wie ein älter gewordener Gustav Mahler vielleicht ausgesehen hätte. Unbändige, wilde Leidenschaftlichkeit hat er mit Mahler gemeinsam – ganz abgesehen davon, daß beide Musiker aus Böhmen stammen: Mahler wurde 1860 in Kalischt geboren, Serkin 1903 in Eger als Sohn eines russischen Sängers.

Große Pianisten der Gegenwart (6): Hundertfünfzig Konzerte pro Jahr

Verglichen mit Artur Rubinstein, Wilhelm Backhaus, Wladimir Horowitz oder Wilhelm Kempff, deren künstlerische Physiognomie eindeutig, ja manchmal geradezu übertrieben deutlich scheint, so als müsse jeder Künstler eine individuelle Kennmarke besitzen, umgibt den Pianisten Claudio Arrau ein Hauch von Außenseitertum, von Undurchdringlichkeit, von Geheimnis.

Große Pianisten der Gegenwart (5): Triumph der Individualität

Es ist auffallend, daß Wilhelm Kempff, jener deutsche Pianist, den heute viele für einen der bemerkenswertesten Interpreten unserer Zeit halten, gerade nicht an Tiefsinn, "Weihe" und Abgründigkeit (wie man es doch vom typisch germanischen Musiker erwarten möchte) die klavierspielende Weltelite zu übertreffen scheint, sondern eher an Individualität, einer oft bis ins Kokette reichenden Phrasierungsintelligenz und an sensiblem Charme.