: Klaus Lemke

"Yung": Der Teenager

Henning Gronkowski erzählt in "Yung" vom Sex- und Partyleben junger Berlinerinnen. Roh soll sein Film sein, schockierend.

"Harms": Endlich Gangster!

Wie sich Heiner Lauterbach in einem Film über harte Männer mit weichen Herzen neu erfindet: "Harms" von Nikolai Müllerschön.

K I N O : Immer auf dem Sprung

"Der schöne Tag", von dem Thomas Arslans neuer Film erzählt, ist ein Tag im Leben der 21-jährigen Deniz. Am frühen Morgen verlässt sie das Bett ihres Freundes, dann ist sie viel unterwegs, trifft Bekannte und Unbekannte, trennt sich wie nebenbei von ihrem Freund und ist am nächsten Morgen um mindestens eine Ungewissheit reicher

FILMTIPS

„Die Stunde des Wolfs“ (Vargtimmen). Ingmar Bergmans neuerliche Reflexion über „Künstler und Bürger“, konkretisiert in der Recherche nach den Ursachen für das Verschwinden des Malers Johan Borg.

FILMTIPS

„Der Brief“, von Vlado Kristl, ist die Geschichte eines kompromißlosen Individualisten, gefilmt von einem solchen. Ein wahrhafter film maudit – nicht zufolge mangelnden Verständnisses auf seiten der Verleiher oder des Publikums, sondern vom Autor so gewollt: ein Film, der den Betrachter im Kopf und im Magen trifft, ein Attentat auf die bequem gewordenen Sinne und den allzu gesunden Menschenverstand.

Der Boß schätzt nur das Teure in der Kunst

Kein Wunder, daß nicht mehr ganz junge deutsche Filmemacher wie zum Beispiel Peter und Ulrich Schamoni, die noch immer ein gutes Beispiel abgeben, sauer reagieren, wenn ihnen einer mit Klaus Lemke kommt.

FILMTIPS

„Ein Liebesfall“, von Dušan Makavejew. Der zweite Film des jungen jugoslawischen Regisseurs (den ersten, „Der Mensch ist kein Vogel“, will das Fernsehen zeigen) konfrontiert die Bilder einer trüben Liebesgeschichte im heutigen Belgrad mit Dokumenten der gesellschaftlichen Einschätzung des Sexuellen.

Im Kino

„Party Girl“ von Nicholas Ray. Einer seiner schönsten Filme in Wiederaufführung (früher hieß er bei uns „Mädchen aus der Unterwelt“, 1958).

Entzauberter Untergrund

Gabi sucht einen Mann, den sie schnell heiraten kann, damit sie nicht ausgewiesen wird. Sie läßt sich herumreichen, lernt viele Leute kennen, aber ihre „Odyssee durch den Underground“ bleibt erfolglos.

FILMTIPS

„Tanz der Vampire“. Knoblauchgirlanden in allen Ecken der Karpatenkneipe sind für Professor Abronsius das Indiz: hier gibt es Vampire! Der Krakauer Roman Polanski mischt in seinem ersten Hollywoodfilm Reminiszenzen an Galizien lustvoll unter die einschlägigen Genremotive.

Filmkunst in der Katakombe

Das Förderungssystem, günstig für die Oberhausener, vernachlässigt eine Gruppe junger Filmmacher / Von Enno Patalas

FILMTIPS

„48 Stunden bis Acapulco.“ Klaus Lemkes erster Film bezeugt, daß es heute kaum etwas zu erleben gibt, das man nicht schon im Kino gesehen hat, zugleich aber, welch ein Ereignis es sein kann, zu erleben, was man schon im Kino gesehen hat.

FILMTIPS

„48 Stunden bis Acapulco“, von Klaus Lemke. Auf der Jagd nach dem großen Geld rennt, fährt und fliegt ein Mann von Schliersee über Rom nach Acapulco und in den Tod.

FILMTIPS

„Tanz der Vampire“. Wie seine Helden mit Knoblauchzehen gegen Vampire, so kämpft Roman Polanski mit robustem Humor gegen die Schauer des Übersinnlichen.

FILMTIPS

„Die Stunde des Wolfs“, von Ingmar Bergman. Der Film eines Paares, nicht seine Geschichte, sondern der Versuch, in der Spur zu lesen, die von ihm zurückgeblieben ist nach seinem Scheitern.

FILMTIPS

„48 Stunden bis Acapulco“, von Klaus Lemke. Auf der Jagd nach dem Glück hetzt ein Mann von Oberbayern bis Mexiko. Die Bewegung des Helden ist auch die Bewegung des Films.

FILMTIPS

„Bonnie und Clyde“, von Arthur Penn. Während der Depressionsjahre durchzieht ein kriminelles Pärchen mehrere Staaten der USA, raubt, tötet und wird getötet.

FILMTIPS

„Der zweite Atem“, von Jean-Pierre Melville. Wie klapprige Automaten repetieren ein paar alternde Gangster, was sie ihr Leben lang getrieben haben, und ihre ebenso verbrauchten Darsteller tun’s ihnen darin gleich.

Der Filmemacher Klaus Lemke: Alle Träume werden wahr

Über einen Mangel an öffentlicher Anerkennung kann sich Klaus Lemke in letzter Zeit gewiß nicht beklagen. Vor zwei Wochen bekam er, für seinen Fernseh-Film „Amore“, einen Adolf-Grimme-Preis in Silber (die Verleihungszeremonie muß, glaubt man Lemke, eher einem Staatsbegräbnis geglichen haben), und die Wiesbadener Filmbewertungsstelle (FBW), ein traditionsreiches Institut für gehobenen Nonsens, fand seinen neuen Kino-Film „Ein komischer Heiliger“ sogar „besonders wertvoll“.

FILMTIPS

„Tanz der Vampire“ (The Vampire Killers). Roman Polanskis erster Hollywoodfilm ist ein Prachtstück im „gotischen“ Genre. Der vielseitige Pole setzt auf einen Bram Stocker mindestens anderthalbe, er türmt die Gruselmotive mit grimmigem Humor und läßt dem Zuschauer keine Chance des Entrinnens.

FILMTIPS

„Ein Liebesfall“ (Ljubavni slucaj ili tragedija sluzbenice PTT), von Dusan Makavejev. Die Geschichte einer sehr gewöhnlichen Liebe, kraß wie eine Mordnachricht im Boulevardblatt.

Filmtips

„Der Preis fürs Überleben“ von Hans Noever spielt in einer amerikanischen Provinzstadt, Ein leitender Angestellter verliert seinen Job, kauft sich im Supermarkt ein Gewehr und erschießt fünf Manager seiner Firma.

FILMTIPS

„Negresco**** – Eine tödliche Affaire“, von Klaus Lemke. Der Film eines Spielers – über einen Spieler. Wie sein Held durch die Maschen des Netzes gesellschaftlicher Forderungen und Verbote zu schlüpfen sucht, indem er täuscht und seinem Glück vertraut, so unterläuft Lemke die Gesetze des Filmkommerzes, indem er seine bitten Reflexion über Geld, Gewalt und Liebe als komisches Ausstattungs- und Starstück ausgibt.