: Kurt Scharf

Protestanten: Der tadellose Protestant

Der scheidende EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber prägte sein Amt durch maßvoll linke Ansichten und hartnäckige Sachlichkeit.

Der große Menschenhandel

Nach eigener Aussage hat Wolfgang Vogel etwa 300 000 Menschen zur Ausreise aus der DDR in den Westen verholfen. Seine Partner bei diesem Geschäft waren Bischöfe, Bundesminister, Bonner Beamte, Anwälte, aber auch Privatpersonen.

Dienst im Diesseits

Wenn es so etwas gab wie einen Kirchenvater der Protestanten in der DDR, so war dies gewiß Albrecht Schönherr. Bischof Schönherr amtierte von 1969, dem Jahr der Gründung, bis 1981 als Vorsitzender des Bundes der evangelischen Kirchen in der DDR.

Entschieden, demütig

Widerstehen und Versöhnen", eine Bekenntnis-Schrift, die Traktat und öffentlich-nüchterne Beichte, persönliches (nicht privates) Resümee eines Christen und Appell eines Pazifisten ist, der, was er anpackt, im Horizont der Bergpredigt zum guten Gelingen zu bringen versucht – diese Bekenntnis-Schrift hat den Charakter einer politischen Botschaft, die ein frommer Mann niederschrieb.

"Widerstehen und Versöhnen"

Oft beschimpft, selten nur bewundert (wohl auch deshalb, weil es nicht seine Art war, sich feiern zu lassen), war er ein Kirchenführer in schwierigen Zeiten, der seinem Gott gehorchte, wenn es darauf ankam, und niemandem sonst – nicht den NS-Oberen, als er für die Bekennende Kirche stritt und dafür siebenmal in Gestapohaft genommen wurde; nicht der Kirchenhierarchie, die ihn häufig als versöhnlerisch abtat; nicht der Rechtspresse, die ihn als "Baader-Meinhof-Bischof" verhöhnte.

Was ist los in Nordelbien? Konservative drohen mit Kirchenaustritt, linke Pastoren verschrecken die Gläubigen. Die Bischöfe ziehen die Notbremse: Eine Sondersynode soll die Einheit retten: Kippt die Kirche aus der Balance?

Sind wir wieder im Jahre 1933? Oder leben wir gar in noch finstereren Zeiten? Jedenfalls hat der Kirchenkampf zwischen Elbe und Flensburger Förde in diesem Monat eine Entwicklung genommen, die solche Schreckensvisionen nahelegen soll: Konservative evangelische Christen der Nordelbischen Kirche gründeten eine "Bekennende Gemeinschaft".

Zum 70. Geburtstag von Heinrich Albertz: Pastor, Preuße, Patriot

Da steht er in der Tür, der Hausherr Heinrich Albertz, und erwartet seine Gäste. Den Damen, Renate Scharf und Brigitte Gollwitzer, hilft er aus den Mänteln, vor Kurt Scharf macht er eine leichte Verbeugung, Verehrung und Zuneigung ausdrückend, freundschaftlich-kameradschaftlich klopft er Helmut Gollwitzer auf die Schulter.

Gemeinde oder Publikum?

Ein "Fest der Volkskirche" nennt eine evangelische Zeitschrift in ihrem Weihnachtsbeitrag den Heiligen Abend und versucht dann mit der merkwürdigen Tatsache fertig zu werden, daß sich allen Verfallserscheinungen christlicher Traditionen zum Trotz in unserem Lande am 24.

Worte der Woche

"Die Führung des Landes, so wie sie sich jetzt darstellt, ist kein Partner mehr für uns. Die Partei tut dies, das Militär das und die Sicherheitsdienste noch etwas anderes.

Ist in der Kirche der Teufel los?

Christen gibt es, sie nennen sich Evangelikaie, die ihre Kirche auf Biegen und Brechen aus der Welt heraushalten wollen. Zusammen mit den Anhängern der radikal konservativen Bewegung "Kein anderes Evangelium" denunzieren sie die Kirchentage als eine Art Teufelswerk und bleiben ihnen aus Protest fern.

Jesu gelassene Sympathisanten

Eine heitere, eine sehr traurig stimmende Sendung: heiter, weil freundlich und vernünftig, human und leise argumentiert wurde; traurig, weil man einen Ton anschlug, der im Fernsehen beinahe verstummt ist.

Tat und Motiv

Am Donnerstagabend wurde, zwischen zehn und elf, über den Anarchismus und, zwischen elf und zwölf, über die Euthanasie diskutiert.

In der Schußlinie: Kurt Scharf

Nun soll der Bischof Kurt Scharf wieder an fast allem schuld sein: Daran, daß sich in der Stadt die Anarchie ausbreitet, daß der Kammergerichtspräsident von Drenckmann erschossen wurde, daß in der Kirche ein Notstand ausgebrochen ist.

Evangelische Landeskirche Berlin-Brandenburg: Gefahr von links?

Ein linker Gottesmann lehrt rechte Christen das Fürchten. Kornelius Burghardt, Vikar, 29 Jahre alt, soll die evangelische Landeskirche Berlin-Brandenburg in eine Situation gebracht haben, die "jeden Augenblick" die Schaffung eines kirchlichen Notrechts erfordern kann.

Von ZEIT-Mitarbeitern

Walter Jens (Herausgeber): „Der barmherzige Samariter“. Das vielleicht bekannteste, Gleichnis Jesu, die Geschichte vom barmherzigen Samariter, hat offenbar bis heute nichts von seiner provozierenden Kraft eingebüßt.

Kirche in der DDR: Der Bischof, der zwischen den Stühlen sitzt

Wenn es zutrifft, daß die Sprache den Menschen macht, dann genügt im Grunde dieser Text, den er uns schickte. Es ist die Sprache eines Kirchenmannes, der sich – in der besonderen Situation, in der er lebt und handelt – herausgefordert fühlt: von seinem Staat, von der dort herrschenden Staatsideologie, von den dort ansässigen und arbeitenden Staatsbürgern.

Kirchenwahl in Ostberlin: Zwei Bischöfe

Es war eine Wahl, wie sie in der DDR nicht eben üblich ist: Erst im dritten Wahlgang fand Albrecht Schönherr, bisher Amtsverwalter der Ostregion der Evangelischen Kirche von Berlin-Brandenburg, die erforderliche Zweidrittelmehrheit.

Kirche hinter der Mauer

Voraussichtlich werden noch in diesem Jahr in Berlin zwei evangelische Bischöfe residieren, einer in Ost, einer in West. Nach langem Sträuben der östlichen Synodalen der Berlin-Brandenburgischen Kirche und nach anhaltendem Druck der Ostberliner Regierung hat sich dieser Tage die Regionalsynode Ost entschieden: Kurt Scharf, der bislang einzige, 1966 von beiden Synoden gemeinsam gewählte Bischof der Landeskirche Berlin-Brandenburg, bekommt einen offiziellen, gleichrangigen Partner.

ZEITSPIEGEL

"Wenn der Präsident Studenten liederliche Taugenichtse nennt, wie am 1. Mai im Pentagon, dann macht er es einfacher für einen Nationalgardisten, den Gewehrlauf auf einen von ihnen zu richten und abzudrücken.