Leipziger Buchmesse: Alles zum Literaturfrühling

Wir sind nah

Das Land der Deutschen mit der Seele suchen: Eindrücke von der DDR auf der Leipziger Buchmesse

Träume vom wahren Leben – aus der DDR: Des Kaisers alte neue Kleider

Ein wunderliches Etikett ist auf der Pressekonferenz der Leipziger Buchmesse in diesem Frühjahr dem stellvertretenden DDR-Kulturminister Klaus Höpcke, gefragt um seine Meinung zu zwei vom Aufbau Verlag Berlin angekündigten Neuerscheinungen, Christa Wolfs Erzählung "Kassandra" und Irmtraud Morgners Roman "Amanda", für diese beiden Bücher eingefallen: "Weibliches Warnen und Wagen.

Fernseh-Kritik: Triumph und Lächerlichkeit

Es geht also auch so: Zwei Journalisten taten sich auf der Leipziger Buchmesse um, stellten Fragen, unterhielten sich mit Lesern, Autoren und Funktionären, beobachteten den Schriftsteller und das Publikum während der Lesung, die plebejisch gekleideten Herren am Vortragspult und die festlich gekleideten, Damen und Herren Sach Und was in ten sie noch? Etwas Erstaunliches.

Erich Loest: Der Minister hat gelogen

Der Schriftsteller Erich Loest hat von den Behörden der DDR ein auf drei Jahre befristetes Visum erhalten und ist in die Bundesrepublik eingereist, wo er vorerst bei Verwandten in Osnabrück untergekommen ist.

Zeitmosaik

Wir sind ein Mikrokosmos der Welt. Wir haben alle Probleme, die es in der ganzen Welt gibt Obwohl wir anarchistisch sind, gibt es unter uns Autoritätsprobleme.

Flüsterndes Gebrüll

Mit Jurij Trifonow ist in den westlichen Sprachen ein sowjetischer Autor aufgetaucht, der gegen die üblichen Fragen unserer Literatur-Kremlologen merkwürdig resistent scheint.

Kein Ulysses für die DDR

Auf kaum einer anderen Buchmesse der Welt wird Atmosphärisches so sorgfältig registriert wie in Leipzig. Nicht nur für den Besucher aus der Bundesrepublik ist diese Bücherschau, die in jedem Frühjahr parallel zur großen Industriemesse veranstaltet wird, vor allem eine Art Wetterstation, in der es gilt, Großwetterlagen von randseitigen Tiefs und Hochs zu unterscheiden.

Leipzig locker

Szene vorab: Da war eine Parklücke auf einem jener streng verwalteten Areale in der Leipziger Innenstadt, die während der Messe mit viel karossiertem Autoblech vollstehen, aber ob es eine wirkliche Lücke war, schien strittig.

Leipziger Buchmesse: Atmosphäre gelöst

Zur Buchmesse nach Leipzig fahren: das heißt für Bundesbürger mehr als nur der Besuch einer Bücherschau, der nach Warschau wichtigsten im Ostblock.

ZEITMOSAIK

Die aggressiven Impulse stoßen ins Leere – oder genauer: der Haß trifft auf lächelnde Kollegen, geschäftige Konkurrenten, höfliche Beamte, hilfsbereite Fürsorger, die alle ihre Pflicht tun und alle unschuldige Opfer sind.

ZEITMOSAIK

Die Aggressionen in Vietnam seien ein schändlicher Völkermord, "aber dies vermindert in keiner Weise die folgenschwere Bedeutung der sowjetischen Haltung gegenüber der Tschechoslowakei, und dies um so mehr, als es sich um ein verbündetes Land handelt", urteilt der Philosoph Jean Paul Sartre.

Vorwiegend rot

Nach Leipzig der Bücher wegen: Alljährlich zweimal wird Goethes "Klein-Paris" eine für DDR-Verhältnisse offene Stadt. Der Passierschein ist überflüssig, Autos sind zugelassen, an der Grenze verkauft eine liebenswürdige Dame jedem, der ihn haben will, den grünen Messeausweis um 16 Mark.

Zum Lachen traurig

Die Verlage der DDR werden also tatsächlich der Frankfurter Buchmesse fernbleiben. Wer einen Widerruf ihrer Entscheidung erwartet hatte, verkennt, daß eine Frage – hier war es die der Zulassung oder Nichtzulassung der "namensgleichen" Verlage –, auch wenn sie jahrelang nicht besonders ernst genommen wurde, in dem Moment, da sie zu einer Prestigeangelegenheit befördert wird, nie wieder in ihre alte Unwichtigkeit zurückfallen kann.

Zeitmosaik

Nachdem es lange den Anschein hatte, als würde das Kontrollsystem der DDR, das alle Büchersendungen aus dem Westen zu passieren haben, immer undurchlässiger, erklärte der Vorsteher des Leipziger Börsenvereins, Klaus Gysi, am letzten Dienstag auf der Leipziger Buchmesse, "humanistische" Werke würden nicht beanstandet.

Politik in der Lederkassette

Was in der Bundesrepublik eine ganze Messe wert ist, hat in der "Deutschen Demokratischen Republik" Platz in einem einzigen Gebäude.

Die Frankfurter Buchmesse 1950

Als 1948 der Eiserne Vorhang zwischen West- und Mitteldeutschland niederging und auch kein schmaler Spalt zum Austausch von Büchern und Zeitschriften offen blieb, wurde der westdeutsche Verlag auf einen neuen Weg gezwungen.