: Leszek Kolakowski

ZEITMOSAIK

Die menschliche Gemeinschaft hat weder eine zoologische Garantie, noch kann sie mit Hilfe wissenschaftlicher Mittel gerechtfertigt werden.

Marxismus ist das Opium des Volkes

L. K.: Der Marxismus, wie ich ihn heute sehe, ist als allumfassende Lehre unfruchtbar. Man kann ihn allenfalls als wichtigen Beitrag sehen, die vergangene Geschichte besser zu verstehen – aber in einem sehr vagen Sinne.

Zeitspiegel

In Polen soll die Verfassung von 1952 durch eine neue ersetzt werden. Wichtigste Änderung ist die Formel, wonach die kommunistische PVAP (Polnische Vereinigte Arbeiterpartei) die regierende Partei im Lande ist.

ZEITSPIEGEL

Den Umzug der Vereinten Nationen aus New York in eine europäische Stadt hat der UN-Delegierte Saudi-Arabiens gefordert. Er fürchtet mit anderen Delegierten um sein Leben, nachdem der Plan der rechtsextremistischen Organisation „Minutemen“ aufgedeckt worden ist, den UN-Wolkenkratzer in die Luft zu sprengen.

Denken ist besser als Hoffen

Rationalist“, „Dialektiker“, „Relativist“, „Skeptiker“, „Moralist“, „Humanist“, „Idealist“ – Herr Kolakowski, mit den unterschiedlichsten begrifflichen Schablonen versucht man Sie zu fassen und Ihre philosophischen, politischen, literarischen und religionskritischen Schriften einzuordnen.

Die Macht des Wortes

Heutzutage, da Stärke und Bedeutung eines Landes am Bruttosozialprodukt gemessen werden, an Kapitalintensität und Pro-Kopf-Einkommen, vergißt man leicht, daß die Macht des Wortes nicht weniger gewaltig sein kann.

Denker, kein Führer

Was bedeutet das Werk des polnischen Philosophen Kolakowski? – Eigenwillige und eigene Interpretation

Denken und Hoffen

Ich würde über die soziale Funktion der Philosophie sagen: Nicht zu vergessen, daß irgend etwas, was uns absolut, erscheint, von einem anderen Standpunkt aus relativiert werden kann; sich dem Glauben an eine vollkommene Synthese alles Seienden oder aller Werte zu widersetzen; nie die Hoffnung preiszugeben und nie das Denken durch die Hoffnung zu ersetzen.

ZEITMOSAIK

Die Stiftung Volkswagenwerk hat 1965 107,9 Millionen Mark für Vorhaben der Wissenschaft und Technik ausgegeben; den größten Anteil an den Bewilligungen haben die Naturwissenschaften (29 Prozent) und die Geisteswissenschaften (27,3 Prozent).

Das Tauziehen in Warschau

Die kommunistische Partei brauche Intellektuelle – nicht etwa, damit diese sich für die Klugheit der Parteibeschlüsse begeisterten, sondern damit jene Beschlüsse klug würden.

„An die Arbeit, ihr Faulpelze!“

Der polnische Publizist und Parlamentsabgeordnete Stefan Kisielewski richtete in einer Glosse, die er letzte Woche in der katholischen Wochenzeitung „Tygodnik Powszechny“ veröffentlichte, einen leidenschaftlichen Appell an die polnische Jugend.

Zeitmosaik

Eine gewisse Spannung zwischen der Position eines Intellektuellen und der eines Berufspolitikers erscheint mir unvermeidlich in dem Sinne, daß Intellektuelle Menschen sind, die möglichst von taktischen Angelegenheiten auch in ihrer politischen Aktivität frei bleiben wollen.

Günter Grass:: Antwort an Pavel Kohout

in der letzten Ausgabe der ZEIT antworteten Sie auf meinen Offenen Brief an den Staatspräsidenten Novotny. Da der Anlaß unserer Briefe kein „nur“ privater ist, sondern das öffentliche Interesse sucht und findet, erlaube ich mir, Ihner.

Ein Sieg polnischer Studenten

Im Hörsaal der Historiker in der Warschauer Universität ist für hundert Studenten Platz. Am 21. Oktober 1966 aber schienen sich fast tausend hineingezwängt zu haben.

Gefangene ihrer Freiheit

Unermüdlich rackert sich die Geiselindustrie nicht erst seit einer Woche ab: Grob geschätzt leben jetzt 5000 Menschen von der Existenz der 52 Amerikaner aus Teheran: Journalisten und Fernsehtechniker aus aller Welt (4000); Ärzte, Psychiater und Krankenschwestern (rund 350); Wachmannschaften in Wiesbaden (200); Beamte des amerikanischen auswärtigen Amtes und anderer Behörden (300).

Kolakowski kommt nicht nach Frankfurt

Leszek Kolakowski, dem die „Fachschaft des Philosophischen Seminars“ aus Frankfurt eine offene Mißtrauenserklärung nach Berkeley schickte, um seine Berufung auf den Adorno-Lehrstuhl für Philosophie zu verhindern, hat seinen jungen deutschen Kritikern geantwortet.

Kein Chaos trotz Chaoten

Wer an der Universität Bremen Professor werden will, darf dem „Bund Freiheit der Wissenschaft“ weder angehören noch mit ihm sympathisieren.

Das Paradies im Verhör

Auf die scholastische Frage, was denn Gott getan habe, bevor er die Welt erschuf, hat Luther die sarkastische Antwort erteilt, Gott habe im Busch gesessen und Ruten geschnitten, um diejenigen zu züchtigen, die solche und ähnliche Fragen stellen.

Es geht weiter in Bremen

In der ersten hellen Aufregung wollten die Bremer Universitätsgründer ihr Begräbnis bestellen. Die Abstriche, die die Landesregierung am Dienstag vergangener Woche an ihrer ersten Berufungsliste vorgenommen hatte, schienen ihnen sowohl – für die Wahrung ihres Reformkonzeptes als auch aus Gründen der Ehre unerträglich zu sein.