: Marcel Proust

Die mit Müßiggang vergeudete Zeit

Das Dilettantische dieser flüchtigen Jugendarbeiten beweist nichts gegen sie, es unterscheidet sie nicht einmal, dem Wesen nach, von dem Massiv des Meisterwerks, dem sie vorgelagert sind.

Die Erfindung des modernen Romans

Gustave Flaubert harrt, wenigstens im deutschen Sprachgebiet und in der breiteren literarischen Öffentlichkeit, seiner Neuentdeckung.

Auf der Suche nach dem jungen Proust

Die immer noch grassierende Legende vom müßiggängerischen Snob Marcel Proust, der plötzlich, mit vierunddreißig Jahren, ein großes Werk begann, wird in diesem Bücherherbst wohl endgültig dahinsterben.

Im Brennpunkt des Gesprächs:: Das verletzte Rechtsbewußtsein

Die Situation ist nicht ohne Ironie: In einem Augenblick, wo die Technik manieristischer Prosa kräftig unter die Leute gekommen ist und junge Autoren deren Vorzüge mit der Fertigkeit blitzgescheiter Epigonen handhaben, legt der Initiator dieser Technik bei uns ein Buch vor, das zunächst einmal durch seine formale Unkompliziertheit und traditionelle Technik überrascht.

Bilder wie von Proust

Man glaubt die Landschaften zu kennen, die Bonnard gemalt hat, in betörenden Farben, deren suggestiver Kraft der Maler selbst mißtraute, gegen die er – glücklicherweise – vergeblich anzukämpfen versuchte.

Dennoch der Nobelpreisträger 1964

Seit beinahe dreißig Jahren hat Frankreich keinen einzigen Nobelpreis für Physik, Chemie oder Medizin mehr gehabt. Aber allein in den letzten siebzehn Jahren, genau seit 1947, wurden fünf französische Dichter und Schriftsteller mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt: André Gide, François Mauriac, Albert Camus, Saint-John Perse und nun Jean-Paul Sartre.

Der Dichter und die Arche

Sieht man von dem in jeder Hinsicht singulären Franz Kafka ab, darf man wohl behaupten, daß von den großen Romanciers unseres Jahrhunderts Marcel Proust der einzige ist, der sein Werk ganz im Verborgenen, unter Ausschluß der Öffentlichkeit geschrieben hat.

Der Tod ist unsere einzige Hoffnung

Marcel Proust an André Gide: unter den ungezählten Personen, mit denen der Verfasser der "Suche nach der verlorenen Zeit" in brieflicher Verbindung stand, befindet sich keiner der großem Autoren des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts – eben mit Ausnahme von Gide.

Im Nichts meiner Tage

Die Zahl der von Marcel Proust geschriebenen Briefe läßt sich weder ahnen noch schätzen, und ebensowenig steht, zweiundvierzig Jahre nach seinem Tode, der Kreis ihrer Empfänger hinlänglich fest.

Zwei eingesperrte Raubvögel

Bemerkenswert und zuweilen beängstigend, in welchem Umfang die verstorbenen Giganten der Literatur Scharen von Gelehrten und Schriftstellern mit Arbeit versorgen – es dürfte kaum ein Jahr vergehen, in dem nicht neue Studien über James, Proust oder Joyce erscheinen.

Was geschieht, trifft schmerzhaft

Wenn ich an meine aufeinanderfolgenden Lehrer denke, beschäftigen mich die seltsamen Dissonanzen, die sie in mein junges Leben brachten, weniger als die fundamentale Stabilität und Unversehrtheit dieses Lebens.

Hans Mayers Büchertagebuch (4): Von Tropismen zu goldenen Früchten

Allmählich zerteilt sich das Gerede ein bißchen. Wer sagte uns doch, auf der Welle des sogenannten Neuen Romans würden aus Frankreich bloß noch Dinge angeschwemmt, Jalousien und anderes, dadurch entstehe eine menschenlose, nahezu unmenschliche Romanwelt? Und Alain Robbe-Grillet sei ihr Prophet.

Eine Birne so lebendig wie eine Frau

In einem kürzlich aufgefundenen Aufsatz über Chardin schreibt Marcel Proust: "Von Chardin haben wir gelernt, daß eine Birne so lebendig ist wie eine Frau, daß ein gewöhnlicher Tonkrug so schön ist wie ein Edelstein.

Kultur aus zweiter Hand

Seit eine Verfilmung des Romans Les Miserables von Victor Hugo bei uns als "Die Miserablen" angezeigt wurde und ein englisches Zugstück unter dem deutschen Titel "Der Entertainer" lief, verkünden sogar die Plakatwände, daß in den Dschungeln des Übersetzungswesens jede Affenschande möglich ist.

Das Maß ist der Mensch und nicht die Ideologie

Vieles spricht dafür, daß die Horaz-Verse über die Flüchtigkeit der Jahre, die der ungarische Schriftsteller Tibor Déry seiner unvergeßlichen Erzählung "Der Riese" vorangestellt hat, als Motto auch vor seinen anderen Werken stehen dürften.

Monumentaler Eigensinn

Die großen Erfindungen unseres Halbzeitalters – das Engagement, die Existenz, die menschliche Situation, um nur die handelsüblicheren zu nennen – haben auch seinen kritischen Methoden zu einem Höhenflug in die Seinsdeutung verholfen, vor dem einem die Lust am Lesen und am Schreiben vergehen kann.

Auf welche Bücher sind Sie am meisten gespannt?

1) Reinhard Baumgart: "Hausmusik" (Walter) – weil ich Baumgart, auch wenn seine Freunde nicht immer die meinen sind, für einen der gescheitesten und (man verzeihe das unzeitgemäße Wort) manierlichsten jungen Männer des deutschen Nachwuchses halte.

Kenner aus Leidenschaft: Es muß nicht immer teuer sein

Antiquitäten – ein magischer Begriff mit dem Glanz vergangener Jahrhunderte. Jedoch, wer versteht schon wirklich etwas vom Sammeln alter Möbel, alter Dinge? Wer vermag einen echten Röntgen, eines dieser vernunftgemäß gebauten, klassizistischen Schreibbüros vom Anfang des 19.

Ruhe ist die erste Dichterpflicht

ist sehr vieles fragwürdig. Fragwürdig ist die durchgehende scharfe Trennung zwischen Kultur und Zivilisation, noch fragwürdiger die simple Qualifizierung: Kultur sei gut, Zivilisation sei böse; am fragwürdigsten jedoch ist die weltanschaulich-moralische Zensierung aller modernen Dichter.

Mit jedem Dichter eine neue Welt

Gerne hätte ich mich der überflüssigen Mühe unterzogen, für die köstlichen kleinen Romane Morands ein regelrechtes Vorwort zu schreiben.

Mit der Eisenbahn in die Zukunft

Ein junger Südamerikaner verkauft seinen Millardenbesitz, stopft einen kleinen Handkoffer, sein einziges Gepäckstück, voller Geldscheine verschiedener Valuten und macht sich auf die Reise kreuz und quer durch Europa.

Zeitmosaik

Auf den Festspielen in Edinburg, die bisher in diesem Jahr noch nichts auf die Bretter stellen konnten, was die Welt bewegt hätte, machte sich wie alljährlich ein Mangel an schottischen Stücken bemerkbar.

Schicksal ist ein Wellenschlag

Die englische Schriftstellerin Virginia Woolf auf der Suche nach einem neuen Begriff der Wirklichkeit

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