: Paul Fechter

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Kaffeetasse weg – halt, erst noch Hände waschen, ist ja alles in dezentem Weiß, jeder Fettfleck wäre Frevel. Zwei Bände im Schuber – ja, das ist noch ein Schuber, und hätt’ er Türen, wär’s ein kleiner Bücherschrank.

Zum Tode von Joachim Günther: Der Einzelgänger

Der Tod war seit langem sein Begleiter. Denkend, auf langen Spaziergängen die Natur betrachtend, meditierend, schreibend, hat Joachim Günther sich auf den Tod vorbereitet: "Wer die Welt und das Leben allmählich versteht – es dauert lange – kriegt in gleichem Maße genug davon.

Magie der runden Zahlen

Gedächtnis ist eine Voraussetzung unseres Wissens, das im Alter mit der Gedächtnisabnahme schrumpft. Erinnerungen aber beleben sich eben dann.

Mit vielen grauen Eminenzen

Eine Sammlung von Lebensläufen zur Epoche von Weimar war längst vonnöten. Selten sind in den so beliebten Strukturanalysen, aber auch in ereignisgeschichtlichen Darstellungen genaue Lebensdaten der am historischen Prozeß Beteiligten aufgenommen.

Fritz J. Raddatz:: Lokalpatriot der deutschen Kultur

Das kann so leicht kein anderer: Reden aus 30 Jahren vorlegen, ohne etwas verändern zu müssen. Rhetorisches zu verschiedensten Anlässen und Daten ist versammelt in dem Band von Hans Mayer: Nach Jahr und Tag, wobei die Daten bereits Lebensabschnitte sind: Schweiz, US-Zone, sowjetische Zone, DDR, Bundesrepublik.

Hüben und drüben: Instrumente

Der Alfred Kröner Verlag in Stuttgart; hat ein "Allgemeines Gelehrten-Lexikon herausgegeben, ein biographisches Handwörterbuch zur Geschichte der Wissenschaften", das auf 710 Seiten 7000 Stichwörter enthält.

Brutus, du schläfst?

Paul Hühnerfeld, ein tapferer, noch recht junger Buchkritiker, dessen Interessen von der Medizin bis Heidegger reichen, liebenswürdig, untadelig, vergleicht mich auf Grund meines Artikels „Die deutschen Autoren“ (Die Kultur, I, 1960) mit Kurt Tucholsky und scheut sich, Hermann Kesten einen Denunzianten zu nennen“ (Die ZEIT, 5.

Wir stellten zur Diskussion:: Was ist eigentlich Kitsch?

Bei jeder Diskussion muß es so sein, daß zwei, drei, vier Redner bestellt werden, daß die weiteren Wortmeldungen aber dann kurz (viel kürzer als bei deutschen Diskussionen üblich) gehalten werden, um möglichst vielen Teilnehmern Gelegenheit zu ergänzenden, erweiternden Bemerkungen zu geben.

Lebenswerk des Kritikers

Zwei Tage bevor Paul Fechter starb, traf bei seinem Verlag in Mannheim ein Brief aus Berlin ein. Er enthielt die letzten Manuskriptseiten für den dritten Band der europäischen Dramengeschichte.

Alte Liebe zu Berlin

Noch bis in die dreißiger Jahre ragte an vielen Stellen das alte Berlin ins moderne Stadtbild; als stumme Zeugen dafür, daß die Weltgeschichte nicht, wie damals manche glauben wollten, erst mit dem Jahre 1933 begonnen hatte, standen die monumentalen Bauten zwischen Brandenburger Tor und dem gewaltigen Schloß – Langhans, Knobelsdorf, Schinkel, Schlüter hießen die Baumeister, deren Bauherren die preußischen Könige waren.

Es führt ein Weg zurück

So gewiß wie für uns alle das archaische Land der Poesie das Land unserer frühen Vorfahren war, so gewiß ist für den einzelnen der poetische Grund seines Lebens in der eigenen Kindheit zu suchen.

Kolbenheyer und seine Leibwache

Literarische Leibwachen stehen einem Dichter schlecht an – es sei denn, dieser habe, wie Stefan George, selbst das Verlangen, sich vor der Öffentlichkeit von einer Garde als Führer präsentieren zu lassen.

Das west-östliche Atom

Ein Abend im Februar 1953, ostwinddurchweht, mit scharfem Frost. Der Wagen rollt die breite, verschneite Heerstraße entlang, in die wunderliche Einsamkeit jener Grunewaldstraßen und -alleen, die ihre Namen nach 1918 erhielten, als der deutsche Osten zum erstenmal vom Reich abgetrennt war.

Wider den Solo-Existentialismus!

Wenn neue Gedanken zur Mode ausarten, tritt der Ironiker auf den Plan. Der modische Existentialismus hat das Thema der Lebensangst und die Theorie des "Geworfenseins" des einzelnen in das Nichts zu Tode geritten.

Um besser über Musik zu schweigen...

Kultursoziologen haben schon längst entdeckt, daß Musik "gesellschaftbildende" Kraft habe. Weiß Gott, das ist wahr! Keine andere Kunst, nicht einmal die Dichtung, nicht einmal die Literatur wird so gern und so viel in ästhetischen Zirkeln beredet, keine weckt so brennenden Ehrgeiz, zu zeigen, daß man sie versteht; keine auch kann so herausfordernde Gelegenheiten zur Gesellschaftsbildung bereitstellen wie es die Erfrischungspausen in Oper und Konzert sind, die eigentlichen Brutstätten des "Musikgesprächs", das liebloser, jedoch nicht unzutreffender auch als "Foyergeschwätz" zu bezeichnen wäre.

Trilogie der Berliner Theaterkritik

Die moderne Theaterkritik in Deutschland ist Berliner Gewächs. Gewiß, auch anderwärts gab es gutes Theater, große Zeitungen, bedeutende Kritiker, Nirgendwo aber sind Stadien moderner Entwicklung so markant erkennbar wie in Berlin.