: Robert Walser

Nachruf Roger Willemsen: Alles im Übermaß

Zum Tod des großen Publizisten, TV-Moderators und Bestsellerautors Roger Willemsen, der Fernsehgeschichte schrieb, aber im Grunde seines Herzens ein Schriftsteller war

© Sepp Dreissinger

Xaver Bayer : Blicke wie zahme Jungvögel

Xaver Bayer schreibt Prosaminiaturen in betörendem Plauderton. Aus der Banalität des Lebens können sie uns nicht retten. Aber ein Trost sind sie doch.

T H E A T E R : Wer war ich?

Treffen der Einmannchöre: Bierbichler, Marthaler und andere beim einzigartigen Monolog-Festival in Zürich

Hollywood, selbst gemacht

Wer nicht in die Drehbuchwerkstatt will, bringt sich das Filmemachen selber bei. Mit der richtigen Lektüre

L I T E R A T U R : Robert Walsers Schreibtisch privat

Zum Abschluss der sechsbändigen Mikrogramm-Ausgabe. In dieser Minimalschrift symbolisiert sich der Grundgestus von Walsers Schreiben: die Abwehr der großen literarischen Attitüde im Namen einer Poetik der Bescheidenheit und der Moral des "Kleinseins"

Das Prinzip Heimat

Ulrich, der „Mann ohne Eigenschaften“ aus – Musils Roman, äußert einmal: Land kommen die Götter noch zu den Menschen, man ist jemand und erlebt etwas, aber in der Stadt, wo es tausendmal so viel Erlebnisse gibt, ist man nicht mehr imstande, sie in Beziehung zu sich zu bringen: und so beginnt ja wohl das berüchtigte Abstraktwerden des Lebens.

ZEIT-Kritik

In diesen ersten, um 1900 entstandenen Arbeiten des Schweizer Dichters Robert Walser macht sich Fritz Kocher, Schüler der zweiten A-Klasse, Aufsatz-Gedanken über Gott und die Welt, über die Armut und den Herbst, über die Höflichkeit und den Nutzen der Schule: "Die Schule ist mir lieb.

Zum Erfolg geschmäht

Porträt des Autors, der Nachkriegsdeutschland in einem literarischen Röntgenbild fixierte

Kreuz- und Quer-Denker

Die Hypothese heute plötzlich und zum ersten Mal, ob nicht der Geist vielleicht dann seine höchste Kraft gewinnt, wenn er vom Wahnsinn herkommt.

Fernsehen: Romanze in Moll

Jakob von Gunten, ein Roman von Robert Walser, entworfen in der Tagebuchform und Anno 1909 publiziert: Da denkt man an Kafka (den unerbittlichen, wie Benjamin schrieb, der den scheinbar verspieltesten aller Dichter sehr liebte), denkt an die lapidaren acht Kafkaschen Worte „Jakob von Gunten“ kenne ich, ein gutes Buch*, und denkt vor allem an früher Törless, eine Geschichte, die – drei Jahre früher als Walsers Roman erschienen – dem Tagebuch des Zöglings Jakob vielfach ähnlich ist: In jedem Fall kommt ein junger Mann in ein Institut, hinter dessen Fassade man unheimliche Rituale zelebriert, Initiationsrituale, bestimmt von Grausamkeit und Perversion; in jedem Fall wechseln höchst realistische Szenen, Internatsepisoden aus Mährisch-Weißkirchen und Szenen, die in einer (freilich befremdlichen) Berliner Erziehungsanstalt spielen, mit Phantasmagorien an der Grenze von Wachheit und Traum; in jedem Fall werden selbst Kraßheiten wie sadistische Folterungen auf dem Speicher (bei Musil) oder ein Mordversuch (bei Walser) in einer Art hellwacher Trance erzählt, wobei das Überdeutliche (bei Musil) in gleicher Weise zur Ambivalenz des Geschilderten beiträgt wie das Angedeutete (bei Walser).

Gedichte aus der Schuhschachtel

Ich dichte aus einem Gemisch von hellgoldenen Aussichten und ängstlicher Aussichtslosigkeit, war immer halb in Angst, halb in einem beinah übersprudelnden Frohlocken“ – so beschreibt Robert Walser selber die Anfänge seines lyrischen Werks, von dem Carl Seelig nun einen Nachlaßband vorlegt.