: Tübingen

Spiegel der Erfahrungen

Sieburg ist unter denen, die heute in Deutschland schreiben, eine rara avis, ein seltener Vogel – nämlich ein Schriftsteller in jenem Sinne des Wortes, der anderswo (etwa in Frankreich; nicht mehr erläutert zu werden braucht (weil es dort viele Schriftsteller gibt), in Deutschland aber wieder eigens vorgestellt werden muß.

Philosoph in Uniform

General Dr. Hans Speidel verhandelt für Deutschland in Paris. "Aufnahme Speidels besser als erwartet", drahtete unser Korrespondent aus der französischen Hauptstadt.

Deutsche Lyrik 1951

Walter Mehring: Arche Noah SOS (Rowohlt Verlag, Hamburg, 165 S., 9,50 DM). – Chansons und Bänkelballaden „am Rand der Zeit“, gedichtet und gesungen von einem, der umhergetrieben wurde durch Armut, durch den Unverstand der Besitzenden und durch den Zwist der Gastvölker.

Schwäbische Sommergewitter

An der Wettervoraussage, die der Südfunk allmorgendlich seinen Hörern bietet, bleibt das nicht Vorhergesagte das einzig Zuverlässige: das tägliche Gewitter nämlich, das sich in Stuttgart gegen 16 Uhr durch leises Grollen anzeigt und kurz vor 18 Uhr die wenigen Balkonblumen vernichtet hat, die den Sturm des Vortages überlebten; worauf die Blumenkästen dann aufs neue geranien bepflanzt werden.

Vollbeschäftigung „marktwirtschaftlich“

Im modernen Industriestaat ist die Vollbeschäftigung immer mehr zur Kernfrage von Wirtschaftstheorie und -politik geworden. Bisher wurde sie in der Praxis nur von planwirtschaftlich gelenkten Volkswirtschaften verwirklicht.

Schlußlichter

Laßt euch nicht als Schlußlicht mißbrauchen“, rief Helmuth Thielicke, der Rektor der Universität Tübingen, vor einigen Tagen seinen Studenten zu.

Von Frauen geschrieben

Monica Dickens: Zwölf um ein Bett (Universitas-Verlag, Berlin, 400 S., Leinen DM 14,50). – Die Urenkelin von Charles Dickens hat die minutiöse Beobachtungsgabe, die Sicherheit im Fabulieren und den herzhaften Humor des großen Vorfahren.

Notizen

Oskar Kokoschka, dessen malerisches Werk letzthin in verschiedenen Städten des Bundesgebietes in einer umfangreichen Überschau dem deutschen Publikum zum ersten Male nach dem Kriege wieder vor Augen geführt wurde, feiert am 1.

Gespräche am Acheron

Als eine philosophisch abgeklärte und humane Gottheit, die der eigenen Machtvollkommenheit und des ihr von den Menschen verliehenen Nimbus müde geworden ist, erweist sich der Tod in Ernst Wilhelm Eschmanns Schauspiel "Alkestis" (im Heliopolis Verlag, Tübingen, 1950 147 S.

Planetarische Wanderschaft

Von den Küsten der Adria über die Eiswüsten der Arktis bis in die russischen Wälder und zwischen die Mauern der modernen Großstadt reicht der Umkreis von Friedrich Georg Jüngers Erzählungen ("Dalmatinische Nacht", Heliopolis-Verlag, Tübingen, 1950, 268 S.

Jugendbücher im rechten Ton

Die Zeit ist vorbei, wo Bücher "für die reifere Jugend" in einem herablassenden Ton geschrieben werden konnten. Die Jugend von zwölf bis sechzehn ist heute reifer als es jene gönnerhafte Bezeichnung wahrhaben wollte.

Rauschte, verwelkte, blühte...

In einem Gedicht, überschrieben "Erinnerung" und weit zurückliegend, hat Ricarda Huch sich mit dem Baum am Bergesrand verglichen: "Hoch überm Abgrund hing ich / windbewegt auf schroffem Stein.

Vergleichen und Verstehen

Bei der Tübinger Arbeitstagung für vergleichende Literaturwissenschaft trafen zum erstenmal nach dem Kriege deutsche und ausländische Literarhistoriker zusammen.

Das politische Buch der Woche:: Der Mann im Hintergrund

Immer wieder wird man beim Studium der Geschichte darauf stoßen, daß neben oder hinter den Männern, deren Namen in das Bewußtsein der Völker eingehen, andere stehen – als Berater, als Antreiber oder als Warner.

Epilog zum "wahren Staat"

Die Öffentlichkeit hat bisher keine Notiz davon genommen, daß am 8. Juli 1950 Othmar Spann zweiundsiebzigjährig in der Abgeschiedenheit seines Hauses im Dorfe Neustift bei Schlaining im Burgenlande (Österreich) gestorben ist.

Drei Präsidenten und ein Zukunftsstaat

Ob der Südweststaat erwünscht oder unerwünscht sei, das ist noch immer die Frage. Es ist zwar beschlossen, sie Ende September den Badenern und den Schwaben und den Leuten im hohenzollernschen Ländchen vorzulegen – Volksbefragung! –, doch schon heute sind nicht nur die Bewohner Südwestdeutschlands begierig zu erfahren, ob das böse politische Spiel um diesen Zukunftsstaat dann sein Ende haben wird oder nicht.

Irrendes Gewissen

In der letzten Zeit hat Papst Pius XII. mehrfach zu einem der Grundprobleme unserer Zeit, nämlich zu der Frage Stellung genommen, wie sich der Richter zu der fortwährend wachsenden Differenz zwischen Gesetz und Recht zu verhalten habe.

Das Gesicht der ,,Wiedergutmachung"

Über "Restitutionen" sprachen wir in Nr. 22 der "Zeit". Inhaltlich verwandt sind die "Rückerstattungen", der Ausgleich des Unrechts also, das der großen Zahl der wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Weltanschauung oder ihrer Gegnerschaft gegen den Nationalsozialismus an ihrem Vermögen Geschädigten zugefügt worden ist.

Seele wieder gefragt

Nicht weniger als fünfhundert Ärzte, die sich mit Seele befassen, kamen in Lindau zusammen. Alte Freudianer, wiedererstandene Soziologen à la Adler, Halbmagier im Sinne von Jung und ebenso nüchterne wie begeisterte Praktiker: eingeladen von der Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie unter Leitung von Professor Dr.

Cocteaus "Heilige Ungeheuer"

Das von Paul Rose geleitete "Städtetheater Tübingen-Reutlingen", das über zwanzig Orte im Södwürtembergischen bespielt, brachte Jean Cocteaus Schauspiel Les Monstres Statt als deutsche Erstaufführung heraus.

Philosophie im abgekürzten Verfahren

Es soll Philosophieprofessoren geben, die Studenten aus ihren Seminaren entfernen, wenn sie bei ihnen philosophische Texte in Form von "Kröners Taschenausgaben" entdecken.

Heliopolis oder die Stadt ohne Liebe

Das Gespräch über Ernst Jünger und sein Werk – so wird häufig behauptet – leide an einer Art Haß-Liebe zu dem Autor und werde ihm daher nur in den seltensten Fällen gerecht.

Invasion 1944

Rommels letztem Stabschef, seinem schwäbischen Landsmann Dr. Hans Speidel, der, aus dem Generalstab hervorgegangen, seine soldatische Laufbahn als Generalleutnant beendete, verdanken wir die dokumentarisch genaue, sachlich erschöpfende Darstellung der militärischen und politischen Sachverhalte der Invasionszeit.