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Türkei: Erdoğans schwieriger Staatsbesuch

  • Recep Tayyip Erdoğan war Ende September für einen dreitägigen Staatsbesuch in Deutschland. Der Staatspräsident der Türkei erhoffte sich von dem Besuch einen Neubeginn der zuletzt angespannten Beziehungen zu Deutschland.
  • In Berlin traf Erdoğan mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz betonte Merkel die tief greifenden Differenzen zwischen der Türkei und Deutschland hinsichtlich der Rechtsstaatlichkeit und Pressefreiheit. Zudem drängte sie auf eine rasche Lösung für die in der Türkei inhaftierten deutschen Staatsbürger. Auch der regierungskritische türkische Journalist Can Dündar, der im deutschen Exil lebt, spielte eine Rolle. Zuvor war bekannt geworden, dass die Türkei die Auslieferung Dündars sowie 68 weiterer Menschen fordert.
  • Zum Abschluss seines Besuchs eröffnete Erdoğan in Köln die Zentralmoschee des deutsch-türkischen Moscheenverbands Ditib. Die Eröffnung wurde von friedlichen Protesten begleitet. Experten gehen davon aus, dass der Verband direkt der türkischen Regierung unterstellt ist. Politiker verschiedener Parteien forderten die Beobachtung durch den Verfassungsschutz.
  • Seit Anfang 2018 hat die türkische Lira mehr als ein Drittel an Wert verloren. Grund dafür sind unter anderem ein starker Anstieg der Inflationsrate sowie der politische Streit der türkischen Regierung mit den USA. Der Kursverfall belastet auch den Euro und könnte europäische Banken gefährden.
  • Am 24. Juni hatte Erdoğan die vorgezogene Präsidentschaftswahl gewonnen. Er erhielt mehr als 50 Prozent der Stimmen – das hat die Wahlkommission offiziell bestätigt. Die Opposition sprach von Wahlmanipulation.
  • Mit den Wahlen ist die Einführung eines Präsidialsystems in der Türkei abgeschlossen.
  • Seit dem gescheiterten Putschversuch im Juli 2016 baut Präsident Erdoğan das Land zu einem autoritären Präsidialsystem um. Die religiös-nationalistische Regierung schränkt die Presse und die Justiz ein. So saß auch der Welt-Korrespondent Deniz Yücel mehr als ein Jahr in türkischer Haft. Die Ausreisesperrre gegen die Journalistin Meşale Tolu ist Ende August überraschend aufgehoben worden. Der Prozess gegen sie wird aber fortgesetzt.
  • Der EU-Beitritt der Türkei ist derzeit faktisch gestoppt. Mit der schrittweisen Abwendung vom Westen nähert sich die Türkei Russland an. So unterstützt das Land im Syrienkrieg den syrischen Diktator Baschar al-Assad und gehört damit zur Allianz von Russland und dem Iran.
  • Als Nato-Staat ist die Türkei von großer strategischer Bedeutung. Außerdem hat die EU wegen der Flüchtlingskrise mit der Regierung in Ankara ein wichtiges, aber umstrittenes Abkommen geschlossen.
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Afrin: Hauptsache, raus

Nach der Eroberung der nordsyrischen Stadt Afrin kam es zu Plünderungen, Zehntausende sind auf der Flucht. Der Fotograf Bülent Kiliç dokumentiert das Geschehen.

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Can Dündar: "Meine Türkei"

Can Dündar war bis vor kurzem Chefredakteur der türkischen Zeitung "Cumhuriyet". Er schreibt jetzt eine wöchentliche Kolumne in der ZEIT über die Krise in der Türkei.

Lesbos: Überleben in Moria

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Mehr als 9.000 Menschen auf engem Raum und mit schlechter medizinischer Versorgung: Auf Lesbos kann man sehen, wie europäische Flüchtlingspolitik scheitert.

Der Putschversuch im Juli 2016:

Türkei: Der gescheiterte Putsch

© Burak Kara/Getty Images

Die türkische Regierung reagiert auf den Putsch mit der Absetzung Tausender Richter. Die Todesstrafe soll eingeführt werden. Das News-Blog zum Nachlesen