: Vittorio Taviani

Porträt: Der Störenfried

Die Regierung Berlusconi entlässt den brillanten Leiter des Italienischen Kulturinstituts in Berlin

Kino: Die Story eine Last

Einen Mann verfolgt der Erfolg. Er ist ehrgeizig: Schon als Kind verlangt er von einem Baum, ein Blütenblatt direkt in seine hohle Hand fallen zu lassen.

Guten Morgen, Babylon!

Damals, 1949, trug Erich von Stroheim einen weißen Smoking und schwarze Seidenhandschuhe, sein Monokel glänzte, und auf dem Goldring an seinem Finger spiegelte sich das Blitzlicht der Photographen.

Schreckliche Filme über Faschismus, wunderbare Filme von Rohmer und den Tavianis, langweilige von Saura und Rivette: Über den Tod hinaus: Liebe und Haß

IEin Bericht über die 41. Filmfestspiele von Venedig müßte versuchen, die Heiterkeit dieses Festivals zu schildern, diese Stimmung aus Unernst, Müßiggang und Schaulust, die heiße und milchige Sonno, die über der Lagune steht und die angeregte Menge der Journalisten, Kameraleute und Filmstars sanft zur Mäßigung nötigt, die abendlichen Filmvorführungen unter freiem Himmel, entweder draußen in der Arena am Lido oder drinnen auf dem Campo San Polo, wo sich jede Nacht ein gutes Tausend schwatzender und lachender Italiener zu jenem festlichen Ereignis versammelt, das Kino immer noch sein kann.

Bilanz der Film festspiele von Venedig: Am Abend der Gaukler

Es war ein historischer Moment. Auf der Bühne des Festspiel-Palastes von Venedig saß eine illustre Runde und debattierte über die Zukunft des Kinos: Alain Tanner neben Nagisa Oshima, Alexander Kluge neben Bernardo Bertolucci, Ermanno Olmi neben Bob Rafelson.

Vom Ende des Analphabetismus

Auch der Filmemacher Werner Herzog gehörte zu jener Gruppe von Regisseuren, Verleihern und Kinobesitzern, die sich am 25. April dieses Jahres vor einem Kino in München öffentlich anketten ließen, um dagegen zu protestieren, daß der 1977 in Cannes preisgekrönte italienische Film "Padre Padrone" von Paolo und Vittorio Taviani in der Bundesrepublik nur im Fernsehen laufen sollte.

Bildschirm contra Leinwand?

Das Unerhörte geschah im Mai 1977 bei den Filmfestspielen von Cannes: Zum erstenmal in der langen, traditionsreichen Geschichte dieses größten und wichtigsten internationalen Filmfestivals wurde ein reiner Fernsehfilm, zur Gänze produziert und finanziert von der staatlichen italienischen RAI, mit dem großen Preis, der "Goldenen Palme", ausgezeichnet: "Padre Padrone" von Paolo und Vittorio Taviani.

Kino in Ketten

In Cannes erhielt er 1977 die "Goldene Palme". In den Pariser Kinos lief er über ein halbes Jahr lang (allein in der ersten Woche sahen ihn 45 000 Besucher).

Filmtips

"Allonsanfan" von Paolo und Vittorio Taviani. Ein verlorenes Häuflein weltfremder Berufsrevolutionäre marschiert im Italien des frühen 19.

FILMTIPS

Im Fernsehen: „Die verkaufte Braut“ (1932), von Max Ophüls (West III am 12. April), verfährt mit der Oper nach Belieben. Der Film ist eher subversiv als respektlos, denn er düpiert die Moral derselben Gesellschaft, der die Oper als Genußmittel dient.