: Vladimir Nabokov

Wer ist der Lolita-Autor?

Bei unseren westlichen Nachbarn ist seit Monaten der „Kampf um Lolita“ entbrannt, um jenen Roman also, den die einen als genialstes Erzählwerk der Nach-Joyce-Epoche preisen, während ihn die anderen als infame Pornographie empört ablehnen.

Humbert Humbert - Affe im Käfig

Die Handlung ist verfänglicher kaum denkbar: Ein vierzigjähriges Ungetüm, das sich Humben Humbert nennt, liebt kleine Mädchen – er nennt sie Nymphchen – in der Knospenzeit ihrer Entwicklung; liebt sie verschämt, brutal, hoffnungslos, so sehr, daß er die Mutter eines Nymphchens heiratet, um der zwölfjährigen Tochter nahe sein zu können.

Romane im Roman

Es ist immer etwas riskant, die Thematik eines bedeutenden Romans mit wenigen Worten zu kennzeichnen. Denn auf diese Weise wird ein einziger Aspekt eines komplizierten epischen Gebildes, der freilich der wesentlichste zu sein scheint, herausgegriffen und absolut gesetzt.

Filme

Der Film ist eine kleine schmutzige Komödie aus dem unabhängigen New York. Realisiert hat ihn Autor, Regisseur und Darsteller Spike Lee, der zusammen mit Jim Jarmusch an der New Yorker Filmhochschule studierte, mit Freunden und einem lächerlich geringen Budget von fünfundsechzigtausend Dollar.

ZEITMOSAIK

Am vergangenen Donnerstag wurde der vierundsechzigjährige Roman- und Bühnenautor Henry de Montherlant („Die tote Königin“, „Tiermensehen“, „Erbarmen mit den Frauen“) mit 24 gegen 5 Stimmen in die Académie Française gewählt – von den 40 Sitzen sind damit wieder.

Despot in meiner Welt

Sie haben fünfzehn Jahre lang in Deutschland gelebt, von 1922 bis 1937. Danach zu urteilen, wie Sie Deutschland und die Deutschen in Ihren damaligen Büchern beschreiben, wurden Ihre Eindrücke immer düsterer.

Es ist nicht nur die Zeit der Krise

Mit einigem propagandistischen Getöse traf „Lolita“ in Europa ein, wenige Tage nach der amerikanischen Uraufführung – ein Film mit so verwackelten Akzenten, daß man sich erstaunt fragt: Hat Vladimir Nabokov, der Autor des „Lolita“-Romans, nicht nur das Drehbuch geschrieben, sondern das fertige Produkt, den Film, wirklich gutgeheißen? Zum mindesten wußte James Mason, der Darsteller des Humbert Humbert, in Berlin davon zu berichten.

Zeitmosaik

Die führende tschechische „Literatur-Zeitung“ (Literární noviny) weiß zu berichten: „Die Verleihung des Internationalen Verlegerpreises von 10 000 Dollar an den völlig unbekannten westdeutschen Romanschriftsteller Uwe Johnson hat Empörung hervorgerufen, da sich herausgestellt hat, daß Johnson den Preis auf Grund politischen Druckes erhielt.

Reisespiegel

In hellblauen Shorts und mit sonnigem Ferien-Optimismus gab Vladimir Nabokov in Gardone am Gardasee den Lokalreportern ein Interview.

ZEITMOSAIK

Leicht zu leben ohne Leichtsinn, heiter zu sein ohne Ausgelassenheit, Mut zu haben ohne Übermut, Vertrauen und freudige Ergebung zu zeigen ohne Fatalismus – das ist die Kunst des Lebens.

Gruppenbild nach 30 Jahren

Fast auf den Tag genau vor drei Jahrzehnten entstand die Gruppe 47. Eine ZEIT-Serie dokumentiert in drei Folgen diesen Teil jüngster deutscher Literaturgeschichte

Rolf Schroers als Gastkritiker: Den Plebejern ausgeliefert

Diktaturen liegen in der Luft. Es scheint nach allem eher eine Aufgabe der Meteorologie als der Politik zu sein, über Entstehung und Verlauf bestürzende Auskunft zu geben, und was die einschlägige Dichtung betrifft, läßt sich ihre Qualität an ihrer Nähe eben zur Meteorologie ausmachen: durchaus auf die Gefahr hin, daß Sturm und Blitzschlag sie treffen.

Ein Russe in Berlin

Zu Beginn der zwanziger Jahre war Berlin, neben Prag, Paris und dem fernöstlichen Charbin, die in quantitativer Hinsicht bedeutendste Anlaufstelle der russischen Emigration.

Puzzle – mit fehlenden Stücken

Amerikanische Literatur, Literatur, geschrieben in den USA, ist in der Bundesrepublik, darüber besteht allgemeine Übereinstimmung, bekannter, stärker verbreitet und beliebter als Literatur der UdSSR, sowjetische Literatur.

Paradies und Hölle des Fleisches

Alle Romane Nabokovs (sechzehn ohne „Ada“) waren bisher kurz, schlank, oft gespickt mit höhnischen Seitenhieben auf die unförmigen Erzählapparate für mittlere Leser, worunter Nabokov vor allem Familienromane wie Galsworthys „Hindsight Saga“ (wie er die „Forsyte Saga“ nennt), die „Buddenbrooks“ oder Dostojewskij verstand.

Lüge, Wahrheit und Wahnsinn

Er heißt zynisch, aber nicht unpassend „Eine Reise ins Licht“ und ist Rainer Werner Fassbinders dreißigster Film in neun Jahren.

Affäre Boetticher: Der Lolita-Komplex

Die Beziehung zu einer Jugendlichen ist ein Rücktrittsgrund für einen wertkonservativen Politiker. Aber ist Sex mit Minderjährigen moralisch verwerflich? Von C. Peitz