: Waldemar Schreckenberger

Ein Abgrund an Aktenverrat

Der Hirsch-Bericht belegt die beispiellose Unterlagenvernichtung der Regierung Kohl

Sünde in Säcken

Jahrelang horchte die Stasi in die Bonner Politik. Nun tauchen Abhörprotokolle auf - und Fragen: Wer wurde angezapft? Wer ließ Akten verschwinden? Darf die Stasi Kohls Spendenaffäre aufklären?

Schwierigkeiten mit dem Schengener Abkommen: Illusion ohne Grenzen

Am 1. Februar 1992 hätte für die Bürger in Europa eine neue Epoche beginnen sollen. Acht Länder der Europäischen Gemeinschaft wollten ein Zeichen der Einheit setzen und von diesem Datum an auf Personenkontrollen an ihren gemeinsamen Grenzen verzichten.

Alles sehen, alles hören, nichts wissen

Nichtwissen entläßt zwar nicht aus ihr, erschwert aber augenscheinlich die Haftbarmachung. "Wir waren nicht unterrichtet", behaupten unisono die Spitzen von Kanzleramt, Verteidigungsministerium und Bundesnachrichtendienst, nachdem der Versuch, ostdeutsches Kriegsgerät nach Israel zu verschieben – und zwar entgegen einem Beschluß des Bundessicherheitsrats –, ausgerechnet an jenem Wochenende aufflog, da in Madrid die erste Nahost-Friedenskonferenz tagte.

Zwei Anschläge psychisch kranker Attentäter haben in diesem Jahr die politischen Auseinandersetzungen überschattet – erst wurde Oskar Lafontaine lebensgefährlich verletzt, jetzt der Bundesinnenminister: Des Kanzlers Kandidat

Einmal mit einem langen, im Blumenstrauß verborgenen Messer, dann mit einem schweren Smith & Wesson-Revolver, der aus dem Jagdschrank entwendet worden ist – zwei Politiker sind in diesem Jahr in wenigen Sekunden aus ihrer Bahn gerissen worden, erst Oskar Lafontaine, dann Wolfgang Schäuble.

Bonner Kulisse

Einige Zeit ging ins Land, bis das genaue Datum eines heiklen Briefes bekannt wurde, den Franz Josef Strauß im Sommer 1984 Bundeskanzler Helmut Kohl geschrieben hatte.

Parlament auf Tauchstation

Wer den Terminplan des Deutschen Bundestages zu lesen versteht, stellt fest: Es gibt ihn noch. Unter der neutralen Bezeichnung "1.

Das U-Boot-Geschäft

Herbst 1981: Das Lübecker Ingenieurkontor IKL, ein im U-Boot-Bau erfahrenes Konstruktionsbüro, schließt mit der südafrikanischen Firma K.

U-Boot-Untersuchungsausschuß: Schnell in den Papierkorb

Vier Tage vor der Bundestagswahl sitzt Ministerialdirektor Horst Teltschik, der für auswärtige Poetik und äußere Sicherheit zuständige Abteilungsleiter im Bundeskanzleramt, vor dem U-Boot-Untersuchungsausschuß des Deutschen Bundestages.

Bonner Kulisse

Das Wort des Jahres heißt Ausstieg. So bestimmte es – wie jedes Jahr – der Sprachwissenschaftler Broder Carstensen. Doch auch ohne professorale Nachhilfe dürfte das jedem Zeitungsleser klar gewesen sein, nachdem der Atomunfall von Tschernobyl die Debatte um den Ausstieg aus der Kernenergie auslöste.

Bonner Kulisse

Wenn es ums Geld geht, vor allem um das eigene, dann verwischen sich die Grenzen zwischen Regierungs- und – Oppositionsparteien in der Regel immer.

Rechnungshof: Schacher

Der Himmel bewahre den Steuerzahler davor, daß Waldemar Schreckenberger Präsident des Rechnungshofes wird. Wer als Chef des Kanzleramtes so kraß versagte, ist auch als Hüter von Milliarden Steuergeldern ungeeignet.

"... auf alle Mausereien acht haben"

Kaum hatte "Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I. den preußischen Thron bestiegen, gab er Order, "die Generalkriegskasse schleunigst auf das Gemessenste und Schärfste zu examinieren", und bestellte seinen Geheimen Kammerrat Ehrenreich Bogislav von Creutz zum Wirklich Geheimen Etats- und Kriegsrat und Generalkontrolleur aller Kassen.

Bonner Kulisse

Bundeskanzler Helmut Kohl ist sichtlich davon überzeugt, daß sich Gesundreden wirklich auszahlt. Kürzlich lobte sich der Kanzler im Fernsehen damit, daß er beim allgemeinen Opferbringen nach der Wende 1982 mit gutem Beispiel vorangegangen sei.

Eine Affären-Woche in Bonn: Selbstgerechte, Clevere und Nachdenkliche

"Soll man da nein sagen?" So zitiert der Spiegel Irmgard Adam-Schwaetzer, die Schatzmeisterin der FDP. "Nein" zu sechs Millionen Mark von einem "unbekannten" Gönner, auch wenn wenige Tage nach der Geldüberweisung ein neues Parteiengesetz in Kraft tritt, das solche Spenden untersagt? Die FDP hat "ja" gesagt.

Späte Einsicht

Des Kanzlers Impuls war nur zu begreiflich. Um die nicht abreißende Serie von Pannen im Regierungsgeschäft rigoros zu beenden, ehe sie sich zur politischen Existenzgefährdung auswächst, blieb Helmut Kohl gar nichts anderes übrig, als in der Zentrale der Regierungsmacht, und dort natürlich an der Spitze, Remedur zu schaffen.

Worte der Woche

"Kriege brechen nicht aus, weil die Menschen Waffen haben, sondern weil bestimmte Länder oder Systeme sie wollen. Deutschland hat Polen und die ganze Welt nicht darum überfallen, weil es Panzer hatte, sondern weil es Hitler hatte.

BONNER BÜHNE: Sehnen nach Ruhe

Nur diese Woche noch mit der Parlamentsdebatte über den Einbruch in der Ostpolitik – nur diese Woche noch und dann, so seufzen die Deutschlandexperten im Regierungsapparat hoffnungsvoll, "die Sache endlich runterholen".