Aufforstung: Wald ist nicht gleich Wald

Nach der Braunkohleförderung forsten Energiekonzerne wie RWE Zehntausende Hektar wieder auf. Doch der Neuwald hat Nachteile. Ein Beitrag aus dem Videoarchiv

Kommentare

200 Kommentare Seite 1 von 11 Kommentieren

Das ist ein sehr interessanter Beitrag, zeigt er doch, wie viele unserer Bürger denken. Man glaubt auch, dass sich Menschen mit dem Erwachsenwerden entwickeln und "bessere Menschen" werden. Es wird zwar immer gesagt, es gäbe keine dummen Fragen, nur dumme Antworten, ich habe aber erfahren müssen, dass es sehrwohl regelmäßig dumme Fragen gibt, und die werden nur von Erwachsenen gestellt. Es ist ein großer Mangel unseres Bildungssystems, bei der Unterrichtung der Schüler nicht schon sehr früh die natürlichen Zusammenhänge unserer Erde darzustellen, ohne in die komplizierten Mechanismen einzusteigen. Ich wußte mit acht Jahren aus eigenem Interesse mehr über die Zusammenhänge in der Natur und der Astronomie als andere Kinder, obwohl ich der Unterschicht angehörte. Ich mußte mir von denen anhören, dass sich die Sonne um die Erde dreht, weil man das doch am Himmel sieht. Wenn die Schulbücher von heute immer noch kindischen Inhalt haben, ist doch das Unwissen vieler Zeitgenossen kein Wunder.

Unsinn schreiben, um sich am eigenen widerlichen Zynismus zu ergötzen? Ich denke diejenigen, die nicht mal den Hauch einer vernünftigen naturwissenschaftlichen Bildung haben, sollten ganz grundlegend mal den Mund halten und andere nicht mit ihrem selbstherrlichen Quatsch nerven. Den Einfluss des Menschen auf das Klima derart zu leugnem ist auf Kindergartenniveau, Trump lässt grüßen. Vielleicht wäre der Welt am ehesten geholfen, wenn sich dumme Menschen nicht alles selbst zu erklären versuchten.

antinero
#1.50  —  vor 12 Monaten

Fast der gesamte Sauerstoff in der Luft wird von Pflanzen durch die Fotosynthese hergestellt. Bei diesem Vorgang bildet die Pflanze aus Kohlendioxid und Wasser mit Hilfe von Sonnenlicht für sie wichtige Nährstoffe. Als Nebenprodukt entsteht bei der Fotosynthese auch Sauerstoff.
Den Sauerstoff, den die Pflanze nicht braucht, gibt sie an ihre Umgebung ab. Eine große Buche zum Beispiel produziert in einer Stunde etwa so viel Sauerstoff wie 50 Menschen in derselben Zeit zum Atmen benötigen. Mensch und Tier atmen diesen Sauerstoff ein, verbrauchen ihn und atmen Kohlendioxid aus. Dieses Kohlendioxid nehmen bei der Fotosynthese die Pflanzen auf, während sie gleichzeitig neuen Sauerstoff erzeugen. Ein Kreislauf zwischen Pflanzen, Menschen und Tieren entsteht.

"Wieso? Es soll doch co2 abgebaut werden, und da ist jeder Baum, ob alt oder jung, gleich geeignet."

Bei uns hier beim Hambacher Urwald soll der zweitgrößte See Deutschlands entstehen, und es wird Jahrzehnte dauern, bis das erreicht ist...aber eine Wasseroberfläche baut nunmal kein Co2 ab, und in den Jahrzehnten, die es dauern wird, bis das ein echter See ist, steht da logischerweise auch kein Wald.

Außerdem steht der Hambacher Urwald auch symbolisch für alles andere, was für die Kohle zerstört wurde, wird und werden soll...

Wald besteht nicht nur aus Bäumen.

Wesentlich für die Frage nach der CO2-Bilanz sind im Grunde zwei Größen: erstens die Intensität der Photosynthese, und die ist bei alten Urwäldern weitaus höher als bei jungen Kulturwäldern, weil die Pflanzendichte (nicht die Baumdichte!) ein Vielfaches höher ist, und zweitens die Produktion von Klimagasen durch verwesende Biomasse (Methan!) und lebende Sauerstoffatmer.

Typische neu gepflanzte Wälder betreiben Photosynthese zum überwiegenden Teil nur in den Baumkronen und nur einen sehr geringen Teil darunter. In Urwäldern sind aber nicht nur die Baumkronen größer, sondern es gibt mehrere grüne "Stockwerke" bis hin zum dichten Unterholz, die alle mehr oder weniger effizient Photosynthese betreiben.

Hinzu kommen die Nahrungskreisläufe. Biomasse, die in jungen Wäldern einfach nur zu Boden fällt und sich dann unter Produktion von ziemlich viel Methan und CO2 zersetzt dient in einem richtigen Urwald direkt wieder irgendeinem Waldbewohner als Nahrungsquelle - womit natürlich erstmal kein oder weniger Methan draus wird.

Wildtiere produzieren übrigens bei natürlicher Ernährung auch eher wenig Methan. Das Methanproblem bei Kühen und Schweinen kommt hauptsächlich aus der vergleichsweise einseitigen Überfluß-Ernährung (vulgo "Mast") in der domestizierten Haltung - die Verdauung der Viecher ist darauf halt nur bedingt ausgelegt.

Und auch das ist nur die Hälfte der Wahrheit:

Der Wald, wenn er denn als Waldgesellschaft unterschiedlicher Arten funktioniert und sich von langer Zeit entwickeln durfte, funktioniert nicht nur als Klimapuffer, als Wasserrückhaltereservoir, sondern auch als Schadstoffkamm usw.

Die Vorraussetzung dafür ist eine aus sich selbst heraus sich entwickelnde Waldgesellschaft. Die Böden enthalten selbst nach jahrzehntelanger Misshandlung durch Landwirtschaft oder Industrie noch genügend keimfähiges Material, bzw. wird genügend aus der Umgebung herein getragen, den Vögeln sei dank.

Vorraussetzung ist natürlich humoses Substrat, das dürfte trotz allem das Schwierigste sein. Initiativpflanzung wirkt fördernd, aber noch besser ist jede Menge Altholz aus Pflanzenschnitt, zu Haufen aufgetürmt usw. Stichwort Benjeshecke. Und partielle Vernässung.

Entscheidend ist allerdings, dass die Baumschösslinge nicht einfach wahllos gepflanzt werden, denn das wird ein Club von verständnislos vor sich hinschweigenden Einzelindividuen, die der nächste Schädlingsangriff gleich wieder weg rafft. Für einen funktionierenden Wald ist eine Waldfamilie notwendig, die untereinander kommunizieren kann.

Ohne Wald keine Menschen?Dann dürfte es weder Inuit noch Touareg etc geben!
Damit will ich nicht sagen, dass wir unsere Wälder abholzen sollten.
Ich habe mir aber mal von RWE renaturierte Flußauen und Aufforstungen angesehen und war recht beeindruckt. Da werden heute keine geradlinigen Monokulturen mehr angelegt.
Ob da der (menschengemachte) Hambacher Forst wirklich so viel besser ist? Es geht dort doch in Wirklichkeit weniger um den Wald als darum, baldmöglichst die Braunkohleverstromung zu stoppen.