#vonhier: Diese Frage tut weh

Was macht die Frage "Woher kommst du?" mit Menschen, die sie ständig hören? Im Video geben fünf Betroffene eine Antwort.

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Hallo Kiebitz,

Ich verstehe die Verwirrung -allerdings sagen doch in dem Video 5 Menschen (mich kannst du auch dazuzählen und noch viele viele andere), dass es sie stört. Die Intention des gesagten hat tatsächlich noch nie gezählt, Beispiel:
Ein Mann schlägt die eine Frau. Jeder sagt, dass das verletztend ist. Keiner kommt auf die Idee zu fragen, ob er vielleicht auch geschlagen wurde und nur so Liebe zeigen kann oder seiner Frau etwas gutes tun wollte. Das klingt völlig absurd. Man schaut nur darauf, was die Frau sagt. Und es gibt auch Frauen, die dir sagen werden, dass es sie nicht stört. Macht es das dann weniger schlimm?

Es geht nicht um die Frage an dich, sondern den Kontext indem Sie gestellt wird. Und wenn das gegenüber einer als "anders" markierten Person, die man nicht oder flüchtig kennt passiert (z.B. beim Bäcker) dann ist das problematisch. Für alle, die sagen dass sie international arbeiten: was soll dieses Argument?! Wenn ich im Ausland sage, dass ich Deutsche bin, soll das genauso akzeptiert werden wir im Inland. Und im übrigen wird es das auch öfter...während hier die meisten Leute dagegen argumentieren.

Hallo Imlou,
ich glaube, wir reden ein wenig aneinander vorbei. Dein Bespiel "ein Mann schlägt seine Frau" passt nicht, denn das ist eindeutige, körperliche Gewalt. Dennoch ist (zumindest vor Gericht) natürlich auch bei Gewaltdelikten die Motivation des Täters sowie die Vorgeschichte alles andere als irrelevant, sie "zählt" also durchaus.
Wenn man beim Bäcker oder in der U-Bahn von Leuten, die man "nicht oder flüchtig kennt", nach seiner Herkunft gefragt wird, finde ich das in jedem Fall distanzlos und unangemessen. Wenn man sich aber besser kennt, kann man m.E. davon ausgehen, dass die Frage "Wo kommst Du her?" in aller Regel freundlichem Interesse geschuldet ist.
Natürlich glaube ich den Interviewten und auch Ihnen, dass solche Fragen Sie gelegentlich stören. Und wenn man das dem Gegenüber mitteilt, kann man selbstverständlich erwarten, dass dieser darauf Rücksicht nimmt.
Mir ging es aber darum, dass eben nicht das "Opfer" die Deutungshoheit darüber haben kann, was "rassistisch" ist und was nicht - aus den genannten Gründen.

Ein anderes Beispiel dazu: Die feministische Autorin Sophie Passmann hat ein Buch über "Alte weiße Männer" geschrieben. In einem Gespräch mit Jan Fleischhauer weist sie darauf hin, dass dieser Begriff "konnotiert" sei und eine bestimmten "Typus" beschreibe, keine soziodemografische Kategorie. Ein solcher "alter weißer Mann" könne demnach auch 27 sein, es gehe nicht darum, Männern ihr Alter vorzuwerfen, als sei es eine schlechte Charaktereigenschaft.
Ich kann diese Argumentation nachvollziehen. Andere "weiße Männer" können das aber möglicherweise nicht. Sollen wirklich Jan Fleischhauer, Roland Tichy und Alexander Gauland als "Betroffene" darüber entscheiden dürfen, ob Frau Passmann diesen Begriff gebrauchen darf oder nicht?

Hallo Kiebitz,

"Dein Bespiel passt nicht, denn das ist eindeutige, körperliche Gewalt."
Genau darum geht es ja. Ich will das hier nicht auf eine Ebene stellen aber doch klarmachen dass bei Gewalt (rassistischer, körperlicher, sexistischer) eben die Wirkung und nicht die Absicht zählt. Und natürlich ist dies nicht eindeutig, deswegen ja dieses tolle Video um es transparenter zu machen.
"Wenn man beim Bäcker oder in der U-Bahn von Leuten, die man "nicht oder flüchtig kennt", nach seiner Herkunft gefragt wird, finde ich das in jedem Fall distanzlos und unangemessen. "
wunderbar, ich auch!
"Wenn man sich aber besser kennt, kann man m.E. davon ausgehen, dass die Frage "Wo kommst Du her?" in aller Regel freundlichem Interesse geschuldet ist." Auch beim Bäcker kann es sich um freundliches Interesse handeln. Allerdings nicht um wahres Interesse an deiner Person (dir mit der Herkunft deine Eltern vllt wenig zu tun hat). Ich finde auch dass die Frage dann in Ordnung ist aber ich finde es immer besser Menschen freiwillig den Raum zu geben darüber zu sprechen...oder auch nicht...wem hilft es wirklich so sehr die Antwort zu kennen?
"Und wenn man das dem Gegenüber mitteilt, kann man selbstverständlich erwarten, dass dieser darauf Rücksicht nimmt." Das finde ich auch! Wie in dem Video gemacht...quasi präventiv.

Zur Deutungshoheit:
Ich verstehe was Sie meinen, allerdings ist wesentlicher Bestandteil im Antidiskriminierungsarbeit ...ansonsten gäbe es nur Diskussionen & wenig Fortschritt

Auch hier ist es einleuchtend, der Vergleich hinkt für mich aber etwas. "Alte weiße Männer" (wahrscheinlich geht es eben auch um heterosexuelle, cis Männer, nicht-behindert und nicht arm), sind von keiner Diskriminierungkategorie (Race, gender, body, class, etc.) Betroffen. Diskriminierung hängt unmittelbar mit der geschixjte Zusammen, da ging es diesen Männern nie systematisch an den Kragen.

Achtung: das heißt nicht dass man es immer einfach hatte im Leben, es heißt nur dass struktureller Sexismus und Rassismus (in ihrem Beispiel) noch nie gaulands Problem waren..