Adam Lambert: "Die Medien interessierten sich mehr dafür, dass ich schwul bin, als für meine Musik"

Der amerikanische Sänger Adam Lambert, 37, blickt mit gemischten Gefühlen auf die Anfangszeit seiner Popstar-Laufbahn vor zehn Jahren zurück: "Die ersten Jahre meiner Karriere waren überschattet von dieser ganzen Diskussion darüber, dass ich homosexuell bin", sagt Lambert dem ZEITmagazin. "Die Medien interessierten sich mehr dafür, dass ich schwul bin, als für meine Musik", so Lambert weiter. Für ihn selbst sei seine Sexualität "kein großes Thema" gewesen: "Ich hatte mein Coming-out mit 18 und habe daraus nie ein Geheimnis gemacht", so Lambert. Deshalb sei der Wirbel darum für ihn "irritierend" gewesen. Andererseits habe es damals im Mainstream-Pop kaum offen schwule Musiker gegeben, sagt er. Lambert: "Damals, vor zehn Jahren, war die Gesellschaft wohl noch nicht so weit. Aber in den letzten Jahren haben sich ja immer mehr Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, zu ihrer Homosexualität bekannt: Schauspieler, Sportler, sogar Politiker. Damit ist wirklich ein Traum wahr geworden."

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Ludwig Trepte: "Ich bin grundsätzlich angstfrei"

Ludwig Trepte, 31, Schauspieler, liebt alles, was motorisiert ist: "Ich fahre Motorrad, habe Bootsführerscheine", erzählt er dem ZEITmagazin, "ich liebe die Beschleunigung, das Adrenalin". Gerade mache er seinen Flugschein: "Beim Fliegen abzuheben und plötzlich frei zu sein, die Einsamkeit oben in der Luft, das ist für mich die schönste Form der Meditation." Angst habe er oben in der Luft keine: "Ich bin grundsätzlich angstfrei." Auch das Lernen für die Prüfungen falle ihm nicht schwer: "Wenn man das unbedingt will, muss man da durch", so Trepte, der die Schule früh fürs Schauspielern verlassen hat. "Und ironischerweise habe ich früher in der Schule gedacht: Trigonometrie, wozu brauche ich das? Jetzt weiß ich es: für den Flugschein."

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Malcolm Gladwell: "Ich bin kein typischer amerikanischer Demokrat"

Malcolm Gladwell, 56, kanadischer Bestsellerautor, mag keine Partys. "Ich feiere auch nicht meinen eigenen Geburtstag", sagt Gladwell dem ZEITmagazin. Mit sechs Jahren habe er eine Geburtstagsparty zuhause gehabt, "anschließend habe ich meiner Mutter gesagt: Das war's, nie wieder." Und weiter: "Ich mag allgemein keine großen Gruppen, ich gehe auch nicht auf Konzerte", so Gladwell, dessen neues Buch Die Kunst, nicht aneinander vorbeizureden jetzt in Deutschland erscheint. Auch auf Buchpremierenpartys verzichte er: "Ganz besonders mag ich keine Gruppenveranstaltungen, wenn ich im Mittelpunkt des Interesses stehe. Ich finde es einfach anstrengend, sich für alles verantwortlich zu fühlen."

Gladwell erzählt, dass er als Jugendlicher ein Poster von Ronald Reagan an der Wand gehabt habe – das sei ein Akt jugendlicher Rebellion gewesen, im damals linksliberalen Kanada habe man damit gut provozieren können. Auch heute habe sein politisches Denken durchaus konservative Züge: "Ich bin kein typischer amerikanischer Demokrat, meine Positionen  sind querbeet verstreut", so Gladwell. Und weiter: "Wenn ich eine Liste machen würde, wären auch einige konservative Punkte dabei. Ich glaube sehr an den freien Markt, ich bin auch religiöser als viele Liberale. Es ist eine wilde Mischung."

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Holger Beeck, McDonalds-Chef Deutschland, fordert mehr Ostdeutsche in Führungspositionen

Im Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT fordert Holger Beeck, McDonalds-Chef Deutschland, mehr Ostdeutsche in Führungspositionen: "Über wenige Dinge zermartere ich mir so sehr den Kopf wie über die Frage, warum so wenige Spitzenpositionen unter den Führungskräften von Menschen aus meiner alten Heimat besetzt werden." Aufgrund der Historie könne Beeck, 1959 im Osten geboren und 1984 in den Westen übergesiedelt, noch nachvollziehen, dass kein Dax-Konzern in Ostdeutschland verortet sei. "Dass nur 1,7 Prozent der Spitzenpositionen auf Bundesebene an Ostdeutsche vergeben sind, das ist eine Farce."  

Der 60-Jährige nennt auch einen Grund für die Unterrepräsentanz der Ostdeutschen:  "Einer der zentralen Punkte ist dabei ein fehlendes Netzwerk." Das bestehende Netzwerk aus Westdeutschen sei zu stark, um es zu durchdringen, so Beeck. 

Eine Quote für Ostdeutsche in den Spitzenpositionen lehnt Beeck vehement ab: "Bitte nicht. Ich würde wahnsinnig mit einer solchen Quote in meinem Unternehmen." Und weiter: "Ich bezweifle, dass eine Gesellschaft, die für jede benachteiligte Gruppe eigene Rechte einführt, zwangsläufig gerechter wird." Im Gegenteil: "Das unterdrückt natürliche Auseinandersetzungen, die bei mir im Haus täglich stattfinden."

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Marco Reus: Noch mal 15 oder 20 Jahre in diesem Business zu arbeiten, das ist eher nicht meins

Marco Reus, 30, Fußballprofi, möchte nach seiner Karriere nicht weiter im Fußballgeschäft bleiben. "Noch mal 15 oder 20 Jahre in diesem Business zu arbeiten, mit dieser Öffentlichkeit, als Trainer oder als Manager, das ist eher nicht meins", sagt er dem ZEITmagazin. "Ich will auch die andere Seite des Lebens kennenlernen und Dinge tun, die ich nie tun konnte: also richtig reisen, nicht so wie wir, die wir immer nur zwei Tage an einem Ort sind. Es gibt noch so so viele Sachen, die man noch erleben möchte. Dazu braucht man Zeit." Dass er als Spieler den Schritt ins Ausland trotz einiger Angebote nicht gemacht habe, bereue er nicht – er sei in seiner Heimatstadt Dortmund geblieben, weil er glücklich sein müsse, um mit freiem Kopf Fußball zu spielen: "Es kann auch eine Sache des Mutes sein, zu bleiben und an einem Ort was aufzubauen."

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Wolfgang Joop findet Instagram nicht inspirierend

Der Modedesigner Wolfgang Joop reflektiert sein bisheriges Leben und blickt dem Alter trotzig entgegen: "Ich will einfach nicht! Ich will keinen Bauch, ich will die Zähne behalten und die Haare auch", sagt er der Wochenzeitung DIE ZEIT. Im Interview spricht er über seine in Kürze erscheinende Autobiografie Die einzig mögliche Zeit, seine wilden Jahre im New York der Achtziger, Kim Kardashian und das Scheitern seiner Ehe. 

Auf die Frage, was Joop auf Instagram inspirierend finde, sagt er: "Gar nichts. It's not telling me a thing. Aber mein Umfeld bedient es, auch mit pics von mir. Ich aber sehe nur Leute, die mich angrinsen. Dieses Patchwork ist für mich keine Story, das langweilt mich. Ich glaube auch nichts davon. Allen geht's gut, alle sind in Ferien, alle haben eine Meinung? Quatsch." Dementsprechend skeptisch sieht Joop auch die Figuren der Unterhaltungsindustrie. Ihnen gehe es nicht um Mode im eigentlichen Sinne, vielmehr sei ihre Ästhetik beeinflusst von Pornographie: "Ich denke an Kim Kardashian. Bei ihr dreht sich alles nur noch um dieses Beige-sein. Alles ist beige, alles ist flawless. Ihre pictures sprechen nicht. Es sprechen nur noch Titten und Arsch." 

Bereits während seiner Zeit im New York der Achtziger sei Joop in Berührung mit einer Party-Szene gekommen, in der sich alles nur um Sex gedreht habe: "Da wurde ich mit all der darkness getauft. Drei Tage, drei Nächte Party mit Robert Mapplethorpe, ich trug Lederreithosen und Gummi-Tanktop und habe SM-Performances gesehen, die waren Hardcore. Aber ich fand es banal. Alles unbeseelte sexuelle Getue berührte mich nicht. Das ist fast lächerlich, die Glätte und Leere dieser Übungen."

Auf die Trennung von seiner Ex-Frau Karin Metz vor 34 Jahren sieht Joop mit großem Bedauern zurück: "Im Sinne des geschmackvollen Familienporträts hätten Karin und ich die Pose halten müssen und uns nicht trennen dürfen wie ein hysterisches couple. Wir hätten das alles hier mit ganzer Kraft aufbauen müssen! Ich hätte nicht nach New York gehen dürfen. Ich bin mehr schuldig, als dass ich hinterlassen habe. Aber heritage und family, das war in den Neunzigern noch zu gestrig."

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Thüringer Verfassungsschutzchef Kramer: Wähler rechter Parteien sind nicht "bloß Protestwähler und Wutbürger" / Inlandsnachrichtendienst soll mehr vor Extremisten warnen

Stephan J. Kramer, Chef des thüringischen Verfassungsschutzes, warnt vor einer Verharmlosung der Motive von Wählern rechter und rechtsradikaler Parteien. "Mir macht Sorgen, dass zwischen 25 und 30 Prozent der Bevölkerung überhaupt keine Scheu haben, ihre Stimme Personen mit Bezügen zur ‚Neuen Rechten‘ zu geben – und zwar trotz oder vielleicht sogar wegen der bekannten Fakten, dass es sich hier nicht mehr nur um radikale Meinungsäußerungen handelt und außerdem Bezüge zu rechtsextremistischen, neonazistischen Gruppierungen bestehen", sagt Kramer der Wochenzeitung DIE ZEIT. "Da kann man nicht mehr sagen, sie wissen nicht, was sie tun, oder sind bloß Protestwähler und Wutbürger." 

Zugleich spricht sich Kramer dafür aus, dass Verfassungsschutzbehörden häufiger und deutlicher vor Extremisten in politischen Parteien warnen: "Parteien sind die tragenden Säulen unseres politischen Willensbildungsprozesses. Aber wenn sich in ihnen Bestrebungen gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung manifestieren, dann sind sie auch besonders gefährlich. Wir haben dann die Aufgabe, die Wähler darauf aufmerksam zu machen, dass Gruppen nahe am oder vielleicht sogar zeitweise im Bereich des Extremismus agieren." Er plädiere dafür, dass die Inlandsnachrichtendienste "auch jenseits unserer Jahresberichte an die Öffentlichkeit gehen und warnen".  

In Thüringen wird am 27. Oktober ein neuer Landtag gewählt. Die rechtsextremistische Szene in dem Bundesland sei "außerordentlich aktiv", sagt Kramer. Der "Neuen Rechten" sei es mittlerweile gelungen, "den subkulturellen Bereich des Rechtsextremismus und die gesellschaftliche Mitte gleichermaßen zu erschließen". 

Stephan J. Kramer, 51, ist seit Dezember 2015 Leiter der Abteilung Verfassungsschutz im Thüringer Innenministerium. Zuvor war er Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland.

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Neue EU-Kommissarin Vestager lehnt Bau von NordStream-2 ab

Die am Dienstag nominierte EU-Vizepräsidentin und Kommissarin für Digitales und Wettbewerb, Margrethe Vestager, sieht "keine Notwendigkeit" für die geplante Gaspipeline NordStream-2. "Eine weitere Pipeline neben NordStream 1 zu bauen ergibt keinen Sinn", sagt Vestager im Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT. NordStream-2 sei "kein europäisches Projekt".

NordStream-2 wird derzeit in der Ostsee von einem Konsortium gebaut, das wesentlich dem russischen Konzern Gazprom gehört. Westliche Energiefirmen, darunter BASF und Uniper, beteiligen sich an der Finanzierung des Projekts. Vestager betont, dass Europa eine Gasinfrastruktur brauche, Gas sei ein "flexibler fossiler Brennstoff" und "Grundlast für erneuerbare Energien". Doch in der Ostsee gebe es bereits eine Pipeline, die von Russland nach Deutschland führt, die NordStream-1-Röhre.

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Juan Moreno über Relotius-Affäre: "Ich war verzweifelt"

Der Reporter Juan Moreno, der im vergangenen Jahr den Spiegel-Redakteur Claas Relotius als Fälscher entlarvte, kritisiert seine damaligen Spiegel-Vorgesetzten, weil sie seine Verdachtsmomente gegen Relotius zunächst nicht ernst nahmen: "Ich war verzweifelt, weil ich das Gefühl hatte, die wollen nicht hören, was ich sage. Ich hatte das Gefühl, die behandeln mich wie jemanden, der aus Neid Zwietracht säen will", sagt Moreno der Wochenzeitung DIE ZEIT.  

Auf die Frage, ob und unter welchen Umständen er mit der Relotius-Recherche zu einem Konkurrenzblatt gegangen wäre, sagt Moreno der ZEIT: "Wenn der Spiegel versucht hätte, irgendetwas unter den Teppich zu kehren: ja."  

Er habe nach dem Skandal auch darüber nachgedacht, den Spiegel zu verlassen, sagt Moreno, sich aber letztlich dagegen entschieden: "Ich habe das Ressort gewechselt, das war eine Bedingung für mich." Entscheidend sei zudem gewesen, dass der Spiegel seinen eigenen Untersuchungsbericht über den Fälschungs-Skandal öffentlich gemacht habe. Moreno schreibt seit über zehn Jahren als freier Mitarbeiter für das Nachrichtenmagazin.  

Am 17. September erscheint Juan Morenos Buch Tausend Zeilen Lüge. Das System Relotius und der deutsche Journalismus bei Rowohlt Berlin. Mit Blick auf die geplante Verfilmung sagt Moreno: "Ich kann definitiv ausschließen, dass ich in dem Film mitspiele, das Drehbuch schreibe oder fürs Catering zuständig bin."

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