1.  Damon Albarn hat keine Angst, sich an klassische Musik zu wagen

2.  Müntefering fährt Quad mit seiner Frau

3.  Politikwissenschaftler Werner Patzelt nahm Aufträge der AfD an

4.  Theaterregisseur Leander Haußmann sieht Rollen für Hoeneß und Beckenbauer

5.  Studie: Stickoxidwerte 2018 kaum gesunken - mehr Fahrverbote drohen

6.  Alkohol: Experte fordert Abschaffung der Grenzwerte für risikoarmen Konsum – "Am besten gar nichts trinken."

7.  Brasilianischer Fußballstar Dante hat den Albtraum des 1:7 überwunden

8.  Bahn-Vize Aufsichtsratschef Kirchner attackiert Politik und Ex-Vorstände

9.  Annalena Baerbock und Christian Lindner fordern tiefgreifende Reform der Energiepolitik

10.  Walter Riester (SPD): Die Partei hat nicht mehr die Kraft und die Menschen zur Erneuerung

11.  Ex-Ministerin Haderthauer fordert: CSU muss mehr Frauen aufstellen

12.  Ursula von der Leyen: Ziehen die USA ab, verlässt auch die Bundeswehr Afghanistan

13.  Cum-Ex-Files: Ehemalige Arcandor-Manager sollen bei Cum-Ex-Geschäften KarstadtQuelle-Pensionsvermögen veruntreut haben


Damon Albarn hat keine Angst, sich an klassische Musik zu wagen

Damon Albarn, 50, der mit der Band Blur zum Popstar wurde und seit 1998 als Kopf des Bandprojekts Gorillaz erfolgreich ist, will sich "an klassischer Musik versuchen". Dem ZEITmagazin sagt er: "Da tun sich für mich ganz neue Welten auf: Sonaten, Oratorien und Sinfonien reizen mich besonders". Er wisse zwar nicht, ob er "überhaupt auf diese Weise komponieren" könne, "die Angst vor dem Scheitern" kenne er allerdings nicht. Damon Albarn weiter: "Und das, obwohl ich schon einige Male fürchterlich gescheitert bin, was nicht so angenehm war. Mein Musical zum Beispiel war eine krachende Niederlage. Aber jede Niederlage facht meine Neugier nur noch mehr an."


Müntefering fährt Quad mit seiner Frau

Müntefering fährt Quad mit seiner Frau

Der ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering, 78, fährt mit seiner 40 Jahre jüngeren Frau Michelle Quad, eine Art Motorrad mit vier Rädern – allerdings nur als Beifahrer. "Im Urlaub auf ihrem Quad mitfahren mache ich gerne", sagt er dem ZEITmagazin. Nur langen Flügen setze er sich nicht mehr aus. "Noch bin ich ja einigermaßen drauf." Und weiter: "Für mich ist Michelle eine große Chance, selbst mitten im Leben zu bleiben und aktiv."

Politikwissenschaftler Werner Patzelt nahm Aufträge der AfD an

Politikwissenschaftler Werner Patzelt nahm Aufträge der AfD an

Der Dresdner Politikwissenschaftler Werner Patzelt hat in der Vergangenheit Aufträge der sächsischen AfD-Landtagsfraktion angenommen. Wie Patzelt gegenüber der Wochenzeitung DIE ZEIT bestätigt, analysierte er im Jahr 2015 im Auftrag der Fraktion den sächsischen Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD sowie das Wahlprogramm der AfD. "Ja, exakt, ich habe 2015 den Auftrag der AfD-Fraktion angenommen. Das ist ganz normale politikwissenschaftliche Arbeit gewesen", sagt Patzelt. Er soll nach ZEIT-Informationen ein beachtliches, vierstelliges Honorar erhalten haben. Auch an einer internen Fraktionsklausur der sächsischen AfD nahm er als Redner teil.

Die sächsische CDU, dessen Mitglied Werner Patzelt ist, hatte erst kürzlich bekannt gegeben, dass der Wissenschaftler künftig Co-Vorsitzender der parteiinternen Programmkommission vor der Landtagswahl sein werde und am Wahlprogramm der Partei mitschreiben werde. Mit dieser Aufgabe kollidiere seine frühere Gutachter-Tätigkeit allerdings nicht, erklärt Patzelt. Es sei selbstverständlich, dass Politikwissenschaftler solcherlei Leistungen für Parteien und Fraktionen erbrächten. Wegen des neuen CDU-Engagements habe er weitere AfD-Aufträge, die bereits zugesagt waren, allerdings wieder abgesagt.

Sein damaliges Gutachten trägt den Titel: "Der sächsische Koalitionsvertrag von 2014 im Licht des AfD-Wahlprogramms, Ansatzpunkte parlamentarischer Oppositionsarbeit". Darin heißt es etwa: "Alles in allem besitzt die AfD in ihrem Wahlprogramm einen guten Maßstab für eine eigene profilbildende Richtungskontrolle sowie viele gute Ansatzpunkte für eine wirkungsvolle Leistungskontrolle der Regierung".


Theaterregisseur Leander Haußmann sieht Rollen für Hoeneß und Beckenbauer

Theaterregisseur Leander Haußmann sieht Rollen für Hoeneß und Beckenbauer

Der Film- und Theaterregisseur Leander Haußmann würde Uli Hoeneß im Theater mit der Rolle des Sir John Falstaff in einem Stück von Shakespeare und Franz Beckenbauer mit der Rolle des Ritters Lancelot besetzen. Er könne sich, so Haußmann in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT, den Präsidenten des FC Bayern München als wohlbeleibten, trink- und raufsüchtigen Soldaten Sir John Falstaff vorstellen, der unter anderem in Shakespeares "Die lustigen Weiber von Windsor" und in "Heinrich IV." vorkommt. "Das ist das, was mich für Hoeneß wieder einnimmt. Er ist ein Renaissance-Mensch. Er liebt Reichtum, er liebt die Maßlosigkeit", sagt der Regisseur, der aktuell sein neues Stück "Haußmanns Staatssicherheitstheater" in der Berliner Volksbühne aufführt. Aber der komplette Realitätsverlust, "die Hybris ohne Katharsis", die im Gefängnis seiner Meinung nach hätte stattfinden müssen, gehöre auch dazu.

Beckenbauer, der in der Affäre um die WM 2006 in Erklärungsnot geriet, wäre für Haußmann der Ritter Lancelot, der auf einmal vom Pferd stürzt. "Ich kenne keinen besseren Spieler. Das macht ihn unsterblich, aber es hätte ihn auch unsterblich gemacht, der Einzige zu sein, der seinen Fehler öffentlich zugibt", sagt Haußmann. 

Anerkennung zollt der Regisseur dem Auftritt von Bundestrainer Joachim Löw. Der kenne alle Reaktionen des Publikums: den Hohn, die Verehrung. Dennoch behalte er die Nerven. "Manchmal möchte ich ihm wie dem Cäsar bei den Römern einen Sklaven zur Seite stellen, der ihm in den Augenblicken des größten Triumphes zuflüstert: Bedenke, auch Du bist nur ein Mensch", so Haußmann.

Studie: Stickoxidwerte 2018 kaum gesunken - mehr Fahrverbote drohen

Studie: Stickoxidwerte 2018 kaum gesunken - mehr Fahrverbote drohen

Schlechte Nachrichten für die gut elf Millionen Besitzer älterer Diesel-Pkw in Deutschland. Nach einer brandneuen Studie des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen sind die hohen Stickstoffdioxid-Konzentrationen (Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft) in vielen deutschen Städten im vergangenen Jahr kaum gesunken, dies berichtet die Wochenzeitung DIE ZEIT, der die Berechnungen vorab exklusiv vorliegen. Nach Meinung von Ferdinand Dudenhöffer, dem Direktor des CAR-Instituts, sei es deshalb wahrscheinlich, dass "die deutschen Dieselfahrer mit mehr und längerfristigen Fahrverboten rechnen müssten". 

Das CAR-Institut hat auf Basis der Online-Daten von 398 NO2-Messstationen in Deutschland ausgerechnet, dass die NO2-Konzentrationen in den Stationen, die im Jahr 2017 den EU-weit gültigen Grenzwert von 40 Gramm überschritten, im Gesamtjahr 2018 durchschnittlich nur um 3,6 Prozent gesunken seien. Wenn die Reduktion in diesem Tempo weitergehe, würden die NO2-Konzentrationen dort frühestens im Jahr 2023 unter den zulässigen Grenzwert fallen, so die Prognose des CAR-Instituts. Zugleich werfen die Daten Fragen über die Wirkung von Fahrverboten auf. So seien etwa an zwei Standorten in Hamburg, an denen seit Juni 2018 Durchfahrtsverbote für ältere Dieselfahrzeuge gelten, völlig unterschiedliche Entwicklungen zu beobachten. Die Wissenschaftler haben festgestellt: während in einer Straße die Werte im Jahresmittel um knapp fünf Prozent sanken, stiegen sie in einer anderen Straße sogar um gut ein Prozent.

Alkohol: Experte fordert Abschaffung der Grenzwerte für risikoarmen Konsum

Alkohol: Experte fordert Abschaffung der Grenzwerte für risikoarmen Konsum

Der Sozialmediziner und Präventionsexperte Ulrich John fordert, Grenzwerte für risikoarmen Alkoholkonsum ganz abzuschaffen. "Ich hüte mich bewusst davor, konkrete Zahlen zu nennen. Das ist genau das, was wir nicht mehr wollen", sagt der Psychologe von der Universität Greifswald der Wochenzeitung DIE ZEIT. Die neueste Forschung habe ergeben, dass Alkohol das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und für Krebserkrankungen an sieben Organen erhöhe. "Und das Risiko steigt schon bei sehr geringen Mengen." John empfiehlt Abstinenz: "Ich fürchte, Menschen können sich Risiken nicht vorstellen. Deshalb brauchen wir eine ganz, ganz einfache Verhaltensregel: am besten gar nichts trinken." 

Dem widerspricht der Risikoforscher David Spiegelhalter von der Universität Cambridge: "Es ist bevormundend, paternalistisch, unverschämt und falsch! Und es funktioniert wahrscheinlich nicht." Zwar habe eine Großstudie ergeben, dass es kein sicheres Level beim Trinken gebe. "Die Frage ist doch: Wie stark steigt das Risiko, wenn ich doch etwas trinke?" Und die Großstudie des Projekts "Global Burden of Disease", veröffentlicht im Fachjournal The Lancet, zeige: Bei moderatem Trinken bleibe das Risiko gering. Das sei "ein Risiko, das auch sehr vernünftige Leute für eingehenswert halten", betont Spiegelhalter. "Es gibt Dinge, die sollte man definitiv nicht tun. Motorrad fahren ohne Helm zum Beispiel oder Alkohol in großen Mengen trinken", schränkt Spiegelhalter ein. "Das ist auf jeden Fall gefährlich." Aber bei geringem Risiko könnten auch persönliche Werte und Überzeugungen bei der Konsumentscheidung eine Rolle spielen. 

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen diskutiert aktuell darüber, die geltenden Richtlinien zum Alkoholkonsum zu ändern. Bis jetzt rät sie Frauen, höchstens zwölf Gramm reinen Alkohol am Tag zu trinken. Männer sollten höchstens das Doppelte konsumieren. Zwölf Gramm Reinalkohol entsprechen etwa einem Achtelliter Wein oder 0,3 Litern Bier.

Brasilianischer Fußballstar Dante hat den Albtraum des 1:7 überwunden

Brasilianischer Fußballstar Dante hat den Albtraum des 1:7 überwunden

Die 1:7-Niederlage seiner Mannschaft gegen Deutschland bei der Fußball-WM 2014 hat der Brasilianer Dante als "Albtraum" erlebt. Es "waren die schlimmsten 92 Minuten meines Lebens", gesteht der brasilianische Fußballstar in einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT. "Ich habe mein Selbstvertrauen völlig verloren." Das habe sich auch auf seine Leistungen ausgewirkt: "bei den Bayern verlor ich meinen Stammplatz". Wer so eine vernichtende Niederlage erlebt habe, möchte am liebsten nicht mehr darüber reden. Deshalb habe er auch seine Kollegen bei Bayern München eindringlich gebeten, "keine Witze über das Spiel zu machen". Heute "haben wir freundschaftlichen Kontakt". Damals habe er sich gesagt: "Das Leben geht weiter". Heute, so Dante, sei er ein glücklicher Mensch.

Bahn-Vize-Aufsichtsratschef Alexander Kirchner attackiert Politik und Ex-Vorstände

Bahn-Vize-Aufsichtsratschef Alexander Kirchner attackiert Politik und Ex-Vorstände

Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bahn und Chef der Eisenbahngewerkschaft EVG, Alexander Kirchner, übt vor dem erneuten Bahn-Krisengipfel im Verkehrsministerium Kritik an der Bundesregierung. Der Wochenzeitung DIE ZEIT sagt Kirchner: "Wir haben einen Koalitionsvertrag, der für die Bahn so gut ist wie keiner zuvor. Aber er ist ein ungedeckter Scheck. Es gibt keine ausreichende finanzielle Unterstützung." Die Politik müsse nachsteuern fordert Kirchner: "Sie hat der Bahn über Jahre zu wenig Geld gegeben und fordert nun eine Verdoppelung des Personenverkehrs bis 2030 und eine Erhöhung des Güterverkehraufkommens." Das aber sei mit den vorhanden Gleisen und Zügen unmöglich. "Die Verantwortung auf den Bahn-Vorstand zu schieben, reicht mir da nicht", betont Kirchner weiter. 

Auch mit den Vorgängern von Bahnchef Richard Lutz geht Kirchner in der ZEIT hart ins Gericht. Jeder Bahn-Vorstand habe seine Geschichte erzählt. "Mehdorn hat den Logistiker Schenker und viele andere Unternehmen gekauft." Als dann Rüdiger Grube kam, habe er verkündet, die Bahn zum Weltmarktführer mit 70 Milliarden Euro Umsatz zu machen. "Damit ist er kläglich gescheitert." Denn: "Heute reden wir darüber, ob die Deutsche Bahn AG nur noch in Deutschland fahren soll. Grubes Nachfolger Richard Lutz ist nun derjenige, der den Wagen an die Wand fährt oder ihn mit einem guten Job rettet. Ende offen."

Annalena Baerbock und Christian Lindner fordern tiefgreifende Reform der Energiepolitik

Annalena Baerbock und Christian Lindner fordern tiefgreifende Reform der Energiepolitik

Eine tiefgreifende Reform der deutschen Energiepolitik fordern die Bundesvorsitzende der Grünen Annalena Baerbock und der FDP-Vorsitzende Christian Lindner in einem gemeinsamen Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT. "Im Moment gibt es in Deutschland leider gar keine ehrgeizige Klimapolitik", sagt Baerbock. "Wir sind dadurch weltweit zum abschreckenden Beispiel geworden", erklärt Lindner. 

Beide Politiker plädieren für eine Reform des CO2-Emmissionhandels, unterscheiden sich aber stark in ihren Modellen. Lindner plädiert dafür, dass mehr Klimaschutz "über einen funktionierenden EU-Emissionshandel geregelt wird". Jeder, der CO2 emittiert, solle künftig Zertifikate kaufen müssen. "Das gibt es für die Energiewirtschaft bereits. Es fehlt für andere Sektoren, etwa im Verkehr", sagt Lindner. Baerbock will den Emmissionshandel durch weitere Maßnahmen ergänzen: "Wären wir an der Regierung, würden wir einen CO2-Mindestpreis festlegen", sagt die Vorsitzende der Grünen und fordert zudem ein Klimaschutzgesetz. 

Auch bei der staatlichen Förderung von Erneuerbaren Energien sehen beide Politiker Reformbedarf. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) habe dafür gesorgt, das Strom "bei uns teurer ist als anderswo", sagt Lindner. Baerbock verteidigt die bisherigen Erfolge des EEG: Es habe neue Technologien wettbewerbsfähig gemacht und sei von über 50 Ländern kopiert worden. Doch auch sie sieht das Gesetz als Auslaufmodell: es könne und werde "eine Zeit nach dem EEG geben – wenn wir ein Kohleausstiegsgesetz und einen wirkungsvollen CO₂-Preis haben."

Walter Riester (SPD): Die Partei hat nicht mehr die Kraft und die Menschen zur Erneuerung

Walter Riester (SPD): Die Partei hat nicht mehr die Kraft und die Menschen zur Erneuerung

Der frühere Arbeitsminister Walter Riester (SPD) fordert von seiner Partei mehr Mut zu grundlegenden Reformen und kritisiert Parteichefin Andrea Nahles zugleich hart. "Unser Arbeitsmarkt und unser Sozialsystem mussten und müssen sich stärker der politisch gewollten Öffnung des europäischen Marktes stellen. Es gibt Konkurrenz durch die Zuwanderung. Da rede ich jetzt nicht von Kriegsflüchtlingen, sondern von den Einwanderern aus EU-Ländern. Wir tun aber so, als seien wir noch ein Nationalstaat", sagt Riester in einem Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT.  

"Stattdessen reden wir über Vollzeit und Teilzeit", so Riester weiter, der unter dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder mitverantwortlich für die weitgehenden Reformen war. Dort lägen aber nicht die Knackpunkte. Riester kritisiert, die Partei sei "Teil der Entwicklung" und habe nicht mehr die nötige Kraft und die Menschen, um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen. Die "doppelte Haltelinie" in der Rentenversicherung etwa, die Parteichefin Nahles noch in ihrer Zeit als Arbeitsministerin auf den Weg gebracht habe, wäre für die "Fragen, die uns bewegen" in Wirklichkeit irrelevant.  

Riester verteidigt die umstrittenen Arbeitsmarktreformen der Regierung Schröder, räumt jedoch einen "Kernfehler" ein: "Es galt: Wer drei Stunden am Tag arbeiten kann, ist am Arbeitsmarkt vermittelbar." Dies sei jedoch "völlig falsch und realitätsfern" gewesen – "darüber wird aber nicht diskutiert", so Riester weiter. "Sondern darüber, ob der Satz von 420 Euro zu hoch oder zu niedrig ist. Lächerlich."  

Riester regt an, einen steuerfinanzierten Arbeitsmarkt zu schaffen. "Statt die Menschen zu alimentieren mit Hartz IV, mit Ein-Euro-Jobs und diesem ganzen Mist" träume er davon, "dass wir hochwertige, sinnvollste Arbeitsplätze finanzieren." Als Beispiel nennt Riester Jobs in Altenheimen, Kindergärten oder Schulen.

Ex-Ministerin Haderthauer fordert: CSU muss mehr Frauen aufstellen

Ex-Ministerin Haderthauer fordert: CSU muss mehr Frauen aufstellen

Drei Tage vor dem Parteitag der CSU fordert die ehemalige Ministerin und Generalsekretärin der Partei, Christine Haderthauer, eine paritätische Besetzung der Kandidatenlisten für Direktmandate. "Besonders an der Basis muss sich die Kultur verändern", sagt Haderthauer der Wochenzeitung DIE ZEIT. Bei jeder Nominierung sollten genauso viele weibliche wie männliche Kandidaten ins Rennen geschickt werden. 

Haderthauer kritisiert, dass über die Direktkandidaturen in der CSU in der Regel Delegiertenkonferenzen mit 80 Prozent Männeranteil entscheiden würden. "Und wenn die Männer entscheiden dürfen, wen wählen die: Nervige, Laute, Streitlustige? Meistens nehmen sie die Gefälligen", sagt Haderthauer. Sowohl in der innerparteilichen wie auch in der öffentlichen Wahrnehmung seien kämpfende, ehrgeizige Männer positiv besetzt. "Kämpfende ehrgeizige Frauen aber eher ein Albtraum", kritisiert Haderthauer. 

Frauen seien in der Partei "nicht systemrelevant", sagte Haderthauer weiter. "Sie sitzen zwar am Tisch, aber die faktische Macht haben die Männer und das zeigen sie auch." Der fehlende Einfluss von Frauen sei auch ein Ergebnis der schlechten weiblichen Netzwerke in der Partei. Diese kritisiert die ehemalige Ministerin als "Wohlfühloasen ohne echten Machtanspruch". 

Den Männern in ihrer Partei warf die ehemalige Ministerin vor, Frauen systematisch in Sitzungen zu missachten. "Wenn eine Frau anfängt zu reden, sinkt die Konzentration der Männer. Du kannst drauf wetten, dass der Geräuschpegel im Raum immer hochgeht, wenn eine Frau an die Reihe kommt", sagt Haderthauer. 

Christine Haderthauer wurde im Jahr 2007 die erste weibliche Generalsekretärin der CSU. 2008 wurde sie Sozialministerin im ersten Kabinett von Horst Seehofer und 2013 die Leiterin der bayerischen Staatskanzlei. Sie galt als mögliche Nachfolgerin Seehofers im Amt des Ministerpräsidenten, bis sie 2014 im Zuge der sogenannten "Modellauto-Affäre" als Ministerin zurücktrat. Die steuerrechtlichen Ermittlungen gegen sie wurden 2015 gegen die Zahlung eines Strafbefehls eingestellt. Nach der Landtagswahl 2018 schied Haderthauer aus dem Landtag aus.

Ursula von der Leyen: Ziehen die USA ab, verlässt auch die Bundeswehr Afghanistan

Ursula von der Leyen: Ziehen die USA ab, verlässt auch die Bundeswehr Afghanistan

Sollten die USA ihre Militärpräsenz in Afghanistan beenden, würde sich auch die Bundeswehr vom Hindukusch zurückziehen. Das kündigt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in einem Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT an. "Die Bundeswehr ist nie allein unterwegs, sondern immer nur in Bündnissen und Koalitionen", sagt sie. "Gemeinsam rein – gemeinsam raus. Diese Devise gilt heute auch noch." Für die Italiener genauso wie für die Briten. "Und für uns auch."

Von der Leyen warnt vor einem Rückzug von US-Kräften, wie ihn US-Präsident Donald Trump angekündigt hat. Die afghanische Regierung sei allein noch nicht in der Lage, die Sicherheit im Land zu gewährleisten. Die Menschen wären schutzloser gegen die Taliban. "Afghanistan würde schlimmstenfalls wieder Rückzugsgebiet und Ausbildungsort internationaler Terroristen", so von der Leyen.

Die Verteidigungsministerin warnt zudem eindringlich vor der wachsenden Macht Chinas. Die Chinesen expandieren leise und Schritt für Schritt. Nach dem Zweiten Weltkrieg bauten die USA ihre Macht über Bündnisse und Vertrauen aus, so von der Leyen. Die Chinesen machen das heute anders: "Sie schaffen wirtschaftliche Abhängigkeiten, indem sie überall in der Welt Ländern Kredite geben, die das auf Dauer kaum stemmen können. Der Preis sind Rohstoffe, Marktzugänge und Unterstützung für Chinas Positionen auf der Weltbühne." China wolle seine Interessen nicht teilen und damit auch einschränken. In Deutschland und Europa werde die Machtpolitik Pekings kaum thematisiert, zu unrecht. Das läge daran, dass die chinesische Führung Europa gegenüber nicht so martialisch agiere wie das Russland Wladimir Putins. "China umgarnt uns freundlich. Und deshalb übersehen wir oft, wie konsequent es seine Ziele verfolgt. Und wie clever", sagt von der Leyen.

Cum-Ex-Files: Ehemalige Arcandor-Manager sollen bei Cum-Ex-Geschäften KarstadtQuelle-Pensionsvermögen veruntreut haben

Cum-Ex-Files: Ehemalige Arcandor-Manager sollen bei Cum-Ex-Geschäften KarstadtQuelle-Pensionsvermögen veruntreut haben

Das Vermögen der Karstadt-Rentner soll in Cum-Ex-Geschäfte investiert worden sein. Das zeigen Auswertungen der Cum-Ex-Files durch die Wochenzeitung DIE ZEIT. Bei Cum-Ex-Geschäften wurden Steuern erstattet, die zuvor nicht gezahlt wurden. Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt in diesem Zusammenhang gegen zwei ehemalige Spitzenmanager des untergegangenen Arcandor-Konzerns wegen Bestechlichkeit, Untreue, Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Bis heute sind sie Geschäftsführer der Deutschen Pensions Group, die das Vermögen tausender Karstadt-Rentner verwaltet. Ulrich Mix und Detlev Haselmann sollen zwischen 2009 und 2011 über die Valovis Bank, die dem KarstadtQuelle-Pensionsfonds gehörte, Cum-Ex-Investments in Höhe von 150 Millionen Euro eingefädelt und dafür über Offshore-Konstruktionen verdeckte Provisionen in Millionenhöhe vereinnahmt haben. Zu den Vorwürfen gegen sie haben sich Mix und Haselmann auf Anfrage nicht geäußert.  

Unter dem Namen "Cum-Ex-Files" haben sich unter Leitung des Recherchezentrums CORRECTIV 19 Medien aus zwölf Ländern zusammengetan, um das ganze Ausmaß des Steuerraubs zu recherchieren. Dazu gehören in Deutschland neben ZEIT und ZEIT ONLINE auch das ARD-Magazin Panorama und NDR Info.