Politikwissenschaftler Werner Patzelt nahm Aufträge der AfD an

Der Dresdner Politikwissenschaftler Werner Patzelt hat in der Vergangenheit Aufträge der sächsischen AfD-Landtagsfraktion angenommen. Wie Patzelt gegenüber der Wochenzeitung DIE ZEIT bestätigt, analysierte er im Jahr 2015 im Auftrag der Fraktion den sächsischen Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD sowie das Wahlprogramm der AfD. "Ja, exakt, ich habe 2015 den Auftrag der AfD-Fraktion angenommen. Das ist ganz normale politikwissenschaftliche Arbeit gewesen", sagt Patzelt. Er soll nach ZEIT-Informationen ein beachtliches, vierstelliges Honorar erhalten haben. Auch an einer internen Fraktionsklausur der sächsischen AfD nahm er als Redner teil.

Die sächsische CDU, dessen Mitglied Werner Patzelt ist, hatte erst kürzlich bekannt gegeben, dass der Wissenschaftler künftig Co-Vorsitzender der parteiinternen Programmkommission vor der Landtagswahl sein werde und am Wahlprogramm der Partei mitschreiben werde. Mit dieser Aufgabe kollidiere seine frühere Gutachter-Tätigkeit allerdings nicht, erklärt Patzelt. Es sei selbstverständlich, dass Politikwissenschaftler solcherlei Leistungen für Parteien und Fraktionen erbrächten. Wegen des neuen CDU-Engagements habe er weitere AfD-Aufträge, die bereits zugesagt waren, allerdings wieder abgesagt.

Sein damaliges Gutachten trägt den Titel: "Der sächsische Koalitionsvertrag von 2014 im Licht des AfD-Wahlprogramms, Ansatzpunkte parlamentarischer Oppositionsarbeit". Darin heißt es etwa: "Alles in allem besitzt die AfD in ihrem Wahlprogramm einen guten Maßstab für eine eigene profilbildende Richtungskontrolle sowie viele gute Ansatzpunkte für eine wirkungsvolle Leistungskontrolle der Regierung".