Yuval Noah Harari spricht über die größten Herausforderungen der Menschheit im 21. Jahrhundert

Harari sagt im Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT, er fürchte "gesellschaftliche und biologische Revolutionen, die eine völlig andere Art von Gesellschaft und Menschheit hervorbringen". Der technologische Umbruch könnte eine Kaste von Übermenschen hervorbringen und eine "niedrigere Kaste nutzloser Menschen, denen die Arbeit ausgegangen ist". Der Universalhistoriker warnt vor dem Aufstieg von "digitalen Diktaturen und Totalüberwachungsregimen". Für die Zukunft gelte: "Wer die Daten kontrolliert, wird die Gesellschaft kontrollieren." Ob das eine Regierung oder eine Firma sei, spiele dann keine große Rolle mehr. 

In seinem jüngsten Buch "21 Lektionen für das 21. Jahrhundert" sucht der israelische Universalhistoriker Antworten auf Fragen, die sich aus dem technologischen Umbruch ergeben. Im Interview mit der ZEIT spricht er über die größten Herausforderungen der Menschheit: "Ein Nuklearkrieg, der Klimawandel und disruptive Technologien." All dies könne nur durch globale Kooperation gelöst werden. Obwohl die Welt nie in einem besseren Zustand als unter der Ordnung der liberalen Demokratie in den vergangenen zwanzig Jahren gewesen sei, verlören die Menschen aber das Vertrauen in eine liberale Weltordnung.  

Das Konzept des Individuums Vergangenheit sei Vergangenheit, der freie Wille des Subjekts gehe in den Datenströmen unter. Schon jetzt wisse die Wissenschaft längst besser, "was in deinem Kopf vorgeht, als du selbst". Der Universalhistoriker plädiert deshalb dafür, sich selbst zu erkennen: "Wenn du dich selbst nicht sehr gut kennst, bist du in Gefahr, manipuliert zu werden." Er selbst erreiche das durch Meditation, die ihn von der Last des Urteilens befreie: "Urteilsfreiheit führt zu einem Frieden des Geistes, an den für mich keine andere Form des Glücks heranreicht."