"Verbrauchertäuschung" auch bei Benzin-Autos – Sachverständiger kritisiert die Maßnahmen zur Luftreinhaltung

Scharfe Kritik an den aktuellen Abgas-Regelungen übt der Chemiker Axel Friedrich, der 2015 den Diesel-Skandal ins Rollen brachte. Die Sperrung einzelner Straßen für ältere Dieselfahrzeuge, wie etwa in Hamburg, sei "reine Symbolpolitik", kritisiert Friedrich, der als Sachverständiger für die Deutsche Umwelthilfe arbeitet. "Es ist nicht nachvollziehbar, dass ein neuer fetter Geländewagen, dessen Zulassung durch Trickserei des Herstellers Sauberkeit vortäuscht, in der Sperrzone fahren darf, während der Wenigverdiener sein altes, aber viel weniger gefährliches Auto stehen lassen muss." Tatsächlich zeigen Friedrichs Messungen, dass neue, angeblich saubere Euro-6-Autos in der Praxis bis zu dreimal mehr Stickoxide emittieren als manch alter Euro-4-Diesel. "Hier sind juristische Auseinandersetzungen programmiert", warnt Friedrich, der früher im Umweltbundesamt für den Bereich Verkehr zuständig war und das International Council on Clean Transportation mitbegründete, das 2015 die Abgas-Schummeleien aufdeckte.

In einem Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT kündigt Friedrich bereits an, er wolle den zuständigen Politikern "weiter juristisch Beine machen". So hält er etwa "eine umfassende Nachrüstung privater Pkw" für "unausweichlich". Allerdings übt er nicht nur Kritik an Diesel-Fahrzeugen, die Stickoxide emittieren, sondern auch an Autos mit Benzinbetrieb: Diese stießen "winzigste Ruß- und Kohlenstoffpartikel aus", auch Nanopartikel genannt, die "im Körper Entzündungen und zahlreiche negative Wirkungen hervorrufen" und auf die Friedrich "etwa 80 Prozent der vorzeitigen Todesfälle durch Luftverschmutzung" zurückführt. "Ungeniert verkauft die Industrie weiterhin partikelspeiende Benziner", obwohl es dafür mittlerweile günstige Filter gebe, kritisiert Friedrich. "Die allermeisten Käufer ahnen gar nicht, welche Dreckschleudern ihnen da angedreht werden. Ich halte das, genauso wie den Verkauf schmutziger Diesel, für Verbrauchertäuschung."