Meisterarchitekt Renzo Piano beschreibt seine Architektur als eine "Kunst des Wegnehmens"

Im Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT sagt Piano, es gehe ihm um eine Kunst der Leichtigkeit "als eine physische und mentale Qualität." Sein Ziel sei das "Erreichen einer Essenz". Als Architekt kämpfe er gegen eine hartnäckige Schwerkraft: "Manchmal beneide ich die Musiker und die Dichter um ihre Mittel, weil es viel einfacher ist, Leichtigkeit mit Tönen und Worten herzustellen als mit schwerem Stahl und Beton." 

Für seine Heimatstadt Genua lieferte Piano ein Modell für eine neue Brücke, nachdem dort vor einem Monat die Morandi-Brücke eingestürzt war. Es sei auch ein Symbol eingebrochen. In einer Zeit, in der neue Mauern gebaut werden, sei das ein Desaster. "Brücken sollten niemals einstürzen. Nur Mauern!" Die von ihm ohne ein Honorar entworfene Brücke solle aus Stahl sein. "Sie wird einfach gestaltet sein, aber nicht banal." 

Renzo Piano glaubt: "Als Architekt baut man den Wandel." Und wenn man dem Wandel eine Form gebe, wie etwa durch das Centre Pompidou in Paris, werde immer jemand dagegen sein. An Ruhestand denke er dabei nie. "Wenn ich zur Arbeit komme, fange ich sofort an zu tanzen. Ich möchte an meinem Zeichentisch sterben."  

In London bekommt Renzo Piano jetzt eine große Ausstellung, die noch bis Ende Januar 2019 in der Royal Academy of Arts zu sehen ist.