Dresdner Kulturbürgermeisterin verteidigt Uwe Tellkamps Recht zu reden

Die für Kultur zuständige zweite Bürgermeisterin von Dresden, Annekatrin Klepsch, 40, wirbt dafür, den Schriftsteller Uwe Tellkamp und dessen umstrittene Äußerungen nicht auszugrenzen. Die Linken-Politikerin fordert dazu auf, unterschiedliche Meinungen auszuhalten: "Vielleicht ist es einfach so, dass wir die Stadt sind, die zeigen muss, wie das geht", sagt sie dem ZEITmagazin.

Klepsch hatte die Debatte zwischen den Schriftstellern Uwe Tellkamp und Durs Grünbein über Flüchtlingspolitik und Meinungsfreiheit Anfang März im Dresdner Kulturpalast organisiert. "Diese Debatte war mir ein so wichtiges Anliegen", sagt Klepsch. "Wenn wir zu solchen Diskursen keinen Mut haben, müssen wir ja gar nicht mehr sprechen." Deshalb habe sie Tellkamps Recht zu reden verteidigt – was ihr Ärger in ihrer eigenen Partei eingebracht habe. "Hätte ich ihn privat getroffen, hätte ich ihm sicher deutlich meine Meinung gesagt", sagt Klepsch. "Aber in Dresden ist unsere Aufgabe eine andere: Uns geht es nicht darum, Menschen vorzuführen für ihre Meinung. Wir haben die gemeinsame Aufgabe, für Meinungsfreiheit zu kämpfen."

Für ihre Dialogbereitschaft und Offenheit wird Klepsch allerdings von rechts attackiert. Der Kulturwissenschaftler und Autor Frank Böckelmann, 76, sagt dem ZEITmagazin, solange man "die reale Gefahr einer schleichenden Islamisierung Deutschlands für Unsinn erklärt; solange man sagt, das sei alles Panikmache, und solange jeder, der sich wehrt, diffamiert wird – so lange muss der Riss vertieft werden". Von Politikern wie Annekatrin Klepsch, die Diskussionsrunde um Diskussionsrunde veranstalten, halte er "nichts", so Böckelmann. "Wenn es heißt, man wolle versöhnen, dann will man eigentlich missionieren", behauptet Böckelmann. "Wenn es heißt, man wolle reden, dann will man eigentlich zum Schweigen bringen. Wenn es heißt, man wolle diskutieren, dann will man in Wahrheit belehren."