Sarrazins Ex-Verleger, Thomas Rathnow, äußert sich gegenüber der ZEIT erstmals zur Trennung von seinem prominenten Autor

Thilo Sarrazins neues Buch "Feindliche Übernahme. Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht" wird nicht in Sarrazins bisherigem Verlag, der Deutschen Verlags-Anstalt (DVA), erscheinen, sondern im Finanzbuch-Verlag. Sarrazin hat seinen ehemaligen Verlag unter anderem wegen Rufschädigung verklagt. 

Im Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT äußert sich Thomas Rathnow, Mitglied der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Random House und Verleger der DVA, erstmals zum Hintergrund des Bruchs mit dem Autor. In Sarrazins Buchmanuskript, das er abgelehnt habe, werde ein Bild des Islams entworfen, das "einer Geißel der Menschheit gleichkommt". Auch werde "eine religionsdeterministische Perspektive" vertreten: "Jemandem mit einer korangeprägten Mentalität wird kaum eine individuelle Entfaltung zugestanden." Er habe deshalb die Gefahr gesehen, dass durch die Veröffentlichung des Buchs "antimuslimische Ressentiments verstärkt werden" könnten und eine "umfassende Überarbeitung" angeregt. Außerdem habe er für eine "politisch konstruktivere Fokussierung" plädiert, was den Veröffentlichungstermin nach hinten verschoben hätte. Das sei Sarrazin aber nicht recht gewesen. 

Er habe, so Rathnow weiter, Sarrazin bisher immer verteidigt, insbesondere in der Kontroverse um sein Buch "Deutschland schafft sich ab": "Die damalige Desavouierung von Sarrazins Person empfand ich als falsch, auch als politisch falsch." Beim neuen Buch handele es sich aber um ein "argumentativ schwaches Buch". Dazu müsse, so Rathnow, auch die derzeitige politisch aufgeladene Stimmung berücksichtigt werden: "Es kann schon sein, dass die allgemeine Stimmungslage Einfluss auf die Entscheidung hatte, das Buch nicht zu verlegen." 

Sarrazin selbst weist gegenüber der ZEIT die Behauptung, sein Buch habe Qualitätsmängel, zurück: "Alle Zitate in meinem Buch sind belegt, die Quellen sind renommiert." Sarrazin fühlt sich durch die Verschärfung des politischen Klimas im Land eher bestätigt: "Wenn Sie meine bisherigen Bücher lesen, dann stellen Sie leicht fest: Es war nie übertrieben. (…) Leider hat sich alles bewahrheitet, was ich in ‚Deutschland schafft sich ab‘ geschrieben habe."