Weltweit älteste Kunst auf Borneo?

Für den Tübinger Archäologieprofessor Nicholas Conard eine Bestätigung seiner Theorie: Jahrtausende bevor Künstler in den berühmten europäischen Eiszeithöhlen von Lascaux, Chauvet oder Altamira zu Werke gingen, schufen Menschen am entgegengesetzten Ende des eurasischen Doppelkontinents in Karstgrotten bereits großformatige Wandgemälde. Nicholas Conard zeigt sich von den im Wissenschaftsmagazin Nature in dieser Woche publizierten Befunden nicht überrascht. Vielmehr seien sie "eine Bestätigung". Conard erforscht seit Jahren die figürliche Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb – und trat dabei mehrfach als Entdecker von 30.000 bis 40.000 Jahre alten Werken in Erscheinung. Er habe sich eher gewundert, dass es so lange gedauert habe, bis ähnlich bejahrte Werke auf anderen Kontinenten zum Vorschein kamen.

Conard ist schon lange überzeugt, dass Kunst nicht nur an einem Ort entstanden sei. Im Gegenteil: "Das polyzentrische Innovationsmodell wird sich etablieren" – viele Ausgangspunkte anstelle eines einzigen. Auch die Vorstellung, zu einem bestimmten Zeitpunkt sei der Mensch zum Künstler geworden, sei überholt: "Es ist alles viel komplexer." So erwartet der Tübinger Urgeschichtler, dass noch an vielen Orten auf der Erde Spuren frühen Schaffens entdeckt werden.

Altersrekorde verkauften sich zwar besser und sorgten für Schlagzeilen, aber an der Exklusivität der Schwabenkunst oder der Gemälde in der Chauvet-Höhle könne kein neuer Altersrekord rütteln, sagt Conard: "Rembrandt ist ja auch nicht weniger wert, nur weil es davor einen Dürer gab."