Annalena Baerbock und Christian Lindner fordern tiefgreifende Reform der Energiepolitik

Eine tiefgreifende Reform der deutschen Energiepolitik fordern die Bundesvorsitzende der Grünen Annalena Baerbock und der FDP-Vorsitzende Christian Lindner in einem gemeinsamen Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT. "Im Moment gibt es in Deutschland leider gar keine ehrgeizige Klimapolitik", sagt Baerbock. "Wir sind dadurch weltweit zum abschreckenden Beispiel geworden", erklärt Lindner. 

Beide Politiker plädieren für eine Reform des CO2-Emmissionhandels, unterscheiden sich aber stark in ihren Modellen. Lindner plädiert dafür, dass mehr Klimaschutz "über einen funktionierenden EU-Emissionshandel geregelt wird". Jeder, der CO2 emittiert, solle künftig Zertifikate kaufen müssen. "Das gibt es für die Energiewirtschaft bereits. Es fehlt für andere Sektoren, etwa im Verkehr", sagt Lindner. Baerbock will den Emmissionshandel durch weitere Maßnahmen ergänzen: "Wären wir an der Regierung, würden wir einen CO2-Mindestpreis festlegen", sagt die Vorsitzende der Grünen und fordert zudem ein Klimaschutzgesetz. 

Auch bei der staatlichen Förderung von Erneuerbaren Energien sehen beide Politiker Reformbedarf. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) habe dafür gesorgt, das Strom "bei uns teurer ist als anderswo", sagt Lindner. Baerbock verteidigt die bisherigen Erfolge des EEG: Es habe neue Technologien wettbewerbsfähig gemacht und sei von über 50 Ländern kopiert worden. Doch auch sie sieht das Gesetz als Auslaufmodell: es könne und werde "eine Zeit nach dem EEG geben – wenn wir ein Kohleausstiegsgesetz und einen wirkungsvollen CO₂-Preis haben."