Schluss mit dem Poker: Mit konkreten Finanzierungszusagen für Entwicklungsländer will die EU-Kommission Bewegung in die Verhandlungen um ein weltweites Klimaschutzpaket bringen. Am Donnerstag präsentierte Umweltkommissar Stavros Dimas in Brüssel erstmals konkrete Zahlen. Ihnen zufolge sollen die Mitglieder der Europäischen Union den Kampf gegen Klimawandel jährlich mit bis zu 15 Milliarden Euro unterstützen.

Insgesamt, so Dimas, seien ab 2020 Jahr für Jahr 100 Milliarden Euro erforderlich, um zu verhindern, dass sich die Erde bis 2050 um mehr als zwei Grad Celsius aufheizt. Sollte die Temperatur höher steigen – was nicht ausgeschlossen ist – , fürchten Klimaexperten irreversible Schäden für das Ökosystem.

Der Anteil Europas an dieser Summe scheint erstaunlich gering. Das ist dem Kalkül geschuldet, dass der Handel mit Emissionszertifikaten jährlich rund 38 Milliarden Euro einbringt. Zudem sollen auch die Schwellenländer ihren Beitrag leisten, ebenso andere Industrienationen, allen voran die USA und Japan. Daraus ergibt sich, so schätzt Dimas, dass Europas Beitrag je nach Verhandlungsergebnis sogar deutlich niedriger sein könnte als die von ihm benannte Obergrenze von 15 Milliarden Euro. Mindestens 2,2 Milliarden müsse die EU wohl zahlen, sagt er.

Das klingt plausibel, stößt in Brüssel aber auf erhebliche Kritik. Aus Sicht des Umweltverbandes WWF müsste die EU schon in den Jahren 2013 bis 2017 jährlich 35 Milliarden Euro beitragen. Einige Vorschläge der Brüsseler Kommission bezeichnete der Verband als "finanzielles Jujitsu".

Die Industrie reagierte ebenso prompt. "Dass die EU-Kommission die Versteigerungserlöse aus dem EU-Emissionshandel für die Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen heranziehen will, liegt nahe", sagte der Hauptgeschäftsführer des BDI, Werner Schnappauf. Doch die Unternehmen dürften "nicht überbelastet werden. Solange für Wettbewerber außerhalb Europas keine vergleichbare Regelung gilt, muss die Industrie die Zertifikate 100 Prozent kostenfrei zugeteilt bekommen. Sonst gefährdet die EU Arbeitsplätze und auch den Klimaschutz."

Widerspruch kam auch aus dem Europäischen Parlament. "Es ist dumm, die Karten so früh auf den Tisch zu legen", sagte der Vorsitzende des Industrieausschusses Herbert Reul (CDU). Die Einnahmen aus dem Zertifikatehandel seien von vielen Mitgliedsstaaten längst für die Haushaltskonsolidierung eingeplant.

Verbindlich sind Dimas' Vorschläge noch nicht. Erst die Regierungschefs der 27 Mitgliedsstaaten können Ende Oktober bei ihrem Herbstgipfel verpflichtende Ziele festlegen.