Die insolvente US-Investmentbank Lehman Brothers hat schwere Vorwürfe gegen den Rivalen Barclays erhoben. Die britische Bank hatte nach dem Zusammenbruch von Lehman vor rund einem Jahr in einem hastig arrangierten Geschäft die US-Investmentsparte des Instituts übernommen. Jetzt beschuldigt Lehman seinen Konkurrenten, sich wesentlich mehr Vermögenswerte angeeignet zu haben, als vom Insolvenzgericht genehmigt worden war. Dadurch habe Barclays zusätzlich 8,2 Milliarden Dollar gewonnen, klagte Lehman am Dienstag laut Gerichtsunterlagen.

Nach Ansicht von Lehman konnten sich die Briten die zusätzlichen Vermögenswerte in späteren Verhandlungen mit der US-Bank auch deshalb sichern, weil sie Lehman-Managern lukrative Jobs im eigenen Konzern anboten. Der für die Lehman-Abwicklung zuständige Sachverwalter klagt, Barclays habe sich so Milliarden von Lehman-Kunden illegal angeeignet. Ein Richter hatte kürzlich einer Untersuchung des Verkaufs zugestimmt.

Barclays wies die Vorwürfe zurück und sprach von einer opportunistischen Klage. "Nun beginnt sich die Wirtschaft zu erholen und der Lehman-Sachverwalter will das Geschäft basierend auf haltlosen Argumenten nachverhandeln", erklärte die Bank in einer Stellungsnahme.

Barclays baute seinen Gewinn zuletzt aufgrund florierender Geschäfte in der Investmentsparte deutlich aus, wozu auch die übernommenen Lehman-Abteilung beitrug.