Deutschland und zahlreiche andere Industrienationen müssen wegen der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit mit dramatischen Folgen für den Arbeitsmarkt rechnen. Im zweiten Halbjahr 2010 sei in den 30 OECD-Mitgliedsländern trotz positiver Konjunktursignale mit 57 Millionen Arbeitslosen zu rechnen, heißt es in dem am Mittwoch in Paris vorgestellten Beschäftigungsausblick der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Dies entspreche einer Erwerbslosenquote von rund zehn Prozent. Bereits im Juni lag die OECD-Arbeitslosenquote bei 8,3 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg.

In Deutschland wird die Arbeitslosenquote nach OECD-Schätzung im vierten Quartal 2010 auf 11,8 Prozent steigen, die Arbeitslosenzahl auf rund 5 Millionen. Im Juni und Juli dieses Jahres lag die Quote noch bei 7,7 Prozent. Im Gegensatz zu Ländern wie Irland, Japan, Spanien und den USA stehe Staaten wie Deutschland und Frankreich der schlimmste Anstieg noch bevor, schreiben die Arbeitsmarktexperten.

Die Konjunkturpakete der Regierung und die massive Nutzung der Kurzarbeit hätten die Auswirkungen der Krise zwar abgeschwächt, aber teilweise auch nur hinausgezögert. Trotz der positiven Effekte dürfe sich Kurzarbeit aber nicht zu einem Hindernis für den Aufschwung entwickeln, warnte die OECD: "Vor allem, wenn wirtschaftlich nicht überlebensfähige Unternehmen zu lange alimentiert werden." Deshalb sollte Kurzarbeit zeitlich befristet und gezielt eingesetzt werden.

Einige OECD-Länder knüpfen die Hilfe den Angaben zufolge an Bedingungen. So müssen in den Niederlanden Arbeitgeber die Hälfte des Kurzarbeitergeldes zurückzahlen, wenn sie innerhalb von drei Monaten nach Auslaufen der Hilfe betroffene Mitarbeiter entlassen.

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz sprach sich derweil gegen eine weitere Verlängerung der Kurzarbeit über die geltende Bezugsdauer von höchstens 24 Monaten aus. Dies sei momentan nicht nötig, sagte der SPD-Politiker der Berliner Zeitung. Da die Frist erst Ende 2010 auslaufe, sei ausreichend Zeit, gegebenenfalls noch zu reagieren. Die überwiegende Mehrheit der rund 1,4 Millionen Kurzarbeiter muss sich nach den Worten des Ministers nicht vor einer Entlassung fürchten. Er gehe davon aus, dass fast alle Betroffenen am Ende der Kurzarbeitsphase wieder voll beschäftigt würden, sagte Scholz.