Auf den ersten Blick scheint es spektakulär: Frank Asbeck fordert eine Senkung der lukrativen Solarvergütung. "Man sollte vorhandene Spielräume nutzen, um die Vergütungen für den Solarstrom weiter zu reduzieren", sagte der Gründer von Solarworld, einem der weltweit führenden Solarunternehmen, der Financial Times Deutschland. Zurzeit erhalten Besitzer von Solaranlagen 32 bis 34 Cent je eingespeister Kilowattstunde Solarstrom. Das garantiert das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Darüber hinaus schreibt das EEG vor, dass diese Vergütung jährlich um acht bis zehn Prozent sinkt.

Diese Degression kann, wenn besonders viele Solaranlagen installiert werden, von Jahr zu Jahr um einen Prozentpunkt steigen. Asbeck erklärte, er könne sich vorstellen, künftige Steigerungen vorzuziehen. "Einmalige Kürzungen von zusätzlichen sechs bis sieben Prozentpunkten sind möglich", sagte er ZEIT ONLINE. Die grundsätzliche Vergütungsregelung des EEGs müsse aber beibehalten werden. 

Schaut man sich allerdings Forderungen von Verbraucherzentralen an, dann hält sich Asbeck noch zurück. Erst kürzlich wandte sich der Bundesverband der Verbraucherzentralen an die zuständigen Minister zu Guttenberg (Wirtschaft) und Gabriel (Umwelt) und verlangte eine einmalige Kürzung von 30 Prozent. Auch das Branchenmagazin Photon spricht sich für Einschnitte von einmalig 20 Prozent zusätzlich zur derzeitigen Degression von acht Prozent aus.

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"Es ist nicht Aufgabe des EEGs, übermäßige Gewinnspannen entstehen zu lassen", sagt Energieexperte Holger Krawinkel von der Verbraucherzentrale, "dass Solarworld sich jetzt dazu äußert zeigt, dass diese Erkenntnis endlich angekommen ist". Glaubt man anderen Branchenfachleuten, hat erst kürzlich sogar ein führendes deutsches Solarunternehmen im Gespräch mit der Politik eine Kürzung von einmaligen 20 Prozent akzeptiert.

Im kommenden Jahr wird über die EEG-Vergütung verhandelt. Mit seinem Vorpreschen verschafft sich Asbeck eine gute Ausgangsposition. Denn 2009 wird wie bei Tarifverhandlungen gefeilscht: Wie viele Prozentpunkte dürfen es sein? Und so lange gehandelt wird, ändert sich an den aktuellen Vergütungssätzen nichts. Das gibt den Solarunternehmern Zeit, sich angesichts der Krise zu berappeln.