Mit Särgen aus Pappe und Transparenten mit der Aufschrift: "Filialschließung ohne Not bedeutet unseren Tod", haben etwa 1500 Bundesbank-Beschäftigte gegen geplante Kürzungen protestiert. Die Kundgebung vor dem Hauptsitz in Frankfurt am Main war die erste in der Geschichte der Bundesbank.

Anlass war die Ankündigung des Bundesbank-Vorstands, 14 von bundesweit 47 Filialen zu schließen. Hiervon wären 800 Mitarbeiter betroffen, die an andere Standorte oder in die Zentrale versetzt werden sollen. Der Bundesbank-Gewerkschaft VdbB zufolge stehen außerdem neun weitere Filialen zur Disposition. Betriebsbedingte Kündigungen soll es laut dem Bundesbankvorstand nicht geben.

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft ver.di, Frank Bsirske, warf Bundesbank-Präsident Axel Weber Wortbruch vor. Noch im März habe Weber verkündet, dass es für die Filialen keinen Handlungsbedarf gebe und allenfalls über ein halbes Dutzend Standorte diskutiert werden müsse. Ein halbes Jahr später gelte dies schon nicht mehr. Laut Bsirske leide durch die Standortschließungen "die Qualität der Geldversorgung". Private Werttransportunternehmen würden "nicht die Voraussetzung für eine sichere Geldversorgung" erfüllen.

Die Streichpläne betreffen die Sparte Bargeldbearbeitung. Diese fällt derzeit noch in die Zuständigkeit des umstrittenen Vorstands Thilo Sarrazin. Seit der Euro-Einführung hat die Bundesbank viele Aufgaben an die Europäische Zentralbank abgegeben und verkleinert sich kontinuierlich. 2002 zählte die Notenbank noch mehr als 14.300 Vollzeitbeschäftigte an bundesweit 118 Standorten, inzwischen sind es nur noch etwas mehr als 10.000 Beschäftigte an 47 Standorten. Bis 2012 soll die
Zahl der Mitarbeiter auf 9000 sinken.

Auch Banken und Sparkassen kritisierten die anstehenden Filialschließungen. Die Streichpläne verdeutlichten einmal mehr, "dass sich die Bundesbank aus ihrer hoheitlichen Verantwortung für die Versorgung der Wirtschaft mit Bargeld sukzessive zurückzieht", hieß es in einer Mitteilung des Zentralen Kreditausschusses (ZKA). Die darin zusammenarbeitenden Spitzenverbände der deutschen Kreditwirtschaft befürchten "negative Folgen für alle Marktteilnehmer". Eine schlechtere Bargeldversorgung und -entsorgung seien "zwangsläufig".

Die Bundesbankfilialen versorgen Banken und Einzelhändler mit Bargeld, nehmen Münzen und Scheine entgegen und überprüfen sie auf Echtheit und Schäden. Verbraucher können in den Filialen auch D-Mark-Banknoten und -Münzen in Euro umtauschen.