Berlin wird nach früheren Angaben für das laufende Jahr eine Neuverschuldung von etwa vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts melden – erlaubt sind in der EU höchstens drei Prozent. Wie in Göteborg am Rande des EU-Finanzministertreffens verlautete, wird die EU-Komission im November ein neues Defizitverfahren gegen Deutschland einleiten.

Laut Bundesregierung steigen die gesamtstaatlichen Schulden in diesem Jahr um 126 Milliarden auf 1,7 Billionen Euro. Die Pro-Kopf-Verschuldung läge damit bei 20.773 Euro. Ende 2008 belief sich der Schuldenberg von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen auf 1,58 Billionen Euro – 19.240 Euro pro Kopf.

Für das laufende Jahr rechneten Wirtschaftsexperten und Bundesregierung angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise mit einem Konjunktur-Minus von sechs Prozent – ein in der bundesdeutschen Geschichte beispielloser Einbruch. Die Bundesregierung ging in ihrem zweiten Nachtragshaushalt für 2009 von einer Nettokreditaufnahme für den Bund von rund 49 Milliarden Euro aus.

Für 2010 sind bisher neue Kredite des Bundes von 86 Milliarden Euro geplant. Das ist die mit Abstand größte Neuverschuldung, die es je gab. Sie könnte am Ende auch die 100-Milliarden-Marke überschreiten, wenn Kosten aus den Konjunkturpaketen und dem Bankenrettungsfonds zu Buche schlagen. Bis 2013 könnten allein beim Bund insgesamt 300 Milliarden Euro neue Schulden entstehen.