Der Einzelhandel in Deutschland ist in ein tiefes Sommerloch gefallen und hat nach Experteneinschätzung wenig Hoffnung auf eine bessere Entwicklung in den kommenden Monaten. Die bereinigten Umsätze fielen im August im Vergleich zum Vormonat erneut um 0,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt auf der Grundlage vorläufiger Zahlen am Donnerstag mitteilte. Mit dem vierten Rückgang in Folge lag der Umsatz zu aktuellen Preisen um 3,5 Prozent unter dem August des Vorjahres.

Besonders schwach lief der Handel mit Textilien, Schuhen und Lederwaren, der binnen Jahresfrist ein nominales Minus von 4,0 Prozent verzeichnete. Noch schlechter erging es den sonstigen Einzelhändlern, die beispielsweise Schmuck oder Bücher verkaufen. Rückgänge um 8,3 Prozent registrierte der Versandhandel inklusive des Internets, wie die Statistiker berichteten. Der Lebensmittelhandel schwächelte mit einem Minus von 2,4 Prozent. Einzige Ausnahme waren kosmetische, pharmazeutische und medizinische Produkte, die auch in der Wirtschaftskrise ein Umsatzplus von 3,9 Prozent hinlegten.

"Die Geschäfte laufen mäßig", sagte der Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hubertus Pellengahr. "Verglichen mit anderen Branchen stehen wir aber noch gut da." Man liege noch im Zielkorridor von 2,0 Prozent für das Gesamtjahr, sei im Vergleich zu anderen Branchen von der Wirtschaftskrise kaum betroffen und halte die Beschäftigtenzahl stabil.

Überdies, so Pellengahr weiter, dürfe man den schwachen Sommer nicht überinterpretieren. "Für uns kommt es jetzt auf den Jahresendspurt an." Für das Weihnachtsgeschäft sei der Handel optimistisch. Voraussetzung für klingende Kassen sei aber, dass die neue Bundesregierung von Steuer- und Abgabenerhöhungen – etwa bei der Mehrwertsteuer – absehe. "Dann würde der Konsum sofort in die Knie gehen."

Als möglichen Grund für die Kaufzurückhaltung der Menschen vermuten Experten, dass die Abwrackprämie für Autos die Konsumenten von der Anschaffung anderer langlebiger Konsumgüter abgehalten haben könnte. Trotz weiterhin negativer Inflation und einem bislang flexiblen Arbeitsmarkt werde der private Konsum künftig eher zu einer Belastung für das Bruttoinlandsprodukt, nachdem er in der Krise ein stabilisierender Faktor gewesen sei.

Auch Analysten der Commerzbank erwarten wegen zunehmender Arbeitslosigkeit schwere Zeiten für den Einzelhandel. Er werde auch in den kommenden Monaten kaum an dem kräftigen Wachstum im zweiten Halbjahr teilhaben.

Dagegen erwartet der HDE nach Pellengahrs Worten keine dramatischen Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt. Zweifellos sei man aber noch nicht über den Berg, auch 2010 werde ein schwieriges Jahr.