Es ist ein regnerischer Oktobertag des Jahres 2009. Peter, der Schafzüchter, läuft auf seiner Wiese hin und her, stupst die Tiere an und bugsiert sie so in den Stall. Auf Figuren wie ihm ruhen die Hoffnungen des Exbankers Johann Bergthorsson – und jener Beobachter, die trotz Islands exorbitanter Staatsschulden und schwacher Währung ein Jahr nach dem Bankenkollaps erste Silberstreifen am Horizont sehen.

Als vor einem Jahr die Krise über Island hereinbrach, hieß es schnell: Die Isländer müssen zurück zu ihren Ursprüngen, sich auf Fisch- und Schafszucht spezialisieren, um ihr Land wieder aus dem Schlamassel zu holen. Peter aber ist nur ein virtueller Schafzüchter. Er gehört zu den Hauptfiguren des Computerspiels Peter and Vlad, das Bergthorsson gemeinsam mit Kollegen entwickelt hat und über Apples Internetgeschäft iTunes vertreibt. "Daraus wollen wir eine große Firma mit vielen Angestellten machen", sagt Bergthorsson.

Vor einem Jahr verlor der aufstrebende Firmenchef seinen Job bei der Landsbanki, der ältesten und zweitgrößten der isländischen Banken. "Das hat meine Zukunftspläne zerstört", sagt Bergthorsson. Vorher verdiente er im Finanzsektor viel Geld, nun stand er plötzlich auf der Straße, wie Tausende andere Isländer auch. Seither stieg die Arbeitslosigkeit auf zehn Prozent, die Staatsschulden sind explodiert. Doch findige Unternehmer wie Bergthorsson versuchen, das Beste aus der Krise zu machen, und helfen so, Island wieder nach vorne zu bringen.

Ein paar Monate nachdem er seinen Job verloren hatte, tat sich Bergthorsson mit einem Ex-Kollegen von der Bank und anderen Bekannten zusammen. Sie gründeten Dexoris, ein Unternehmen, das Computerspiele entwickelt. Peter and Vlad ist ihr erstes Spiel, zwei weitere sollen bis Ende des Jahres folgen. Bisher ist Bergthorsson zwar der einzige Mitarbeiter, doch die Firma ist ja auch erst ein paar Monate alt. Die Hoffnungen sind groß: Schließlich hat einer der Gründer schon ein weiteres Unternehmen namens Eskil aufgebaut und dann verkauft. Derzeit arbeiten dort 23 Mitarbeiter. Da soll auch Dexoris hin – und wenn möglich, noch viel weiter.

Das Unternehmen ist nur eines von etlichen Beispielen, die zeigen, wie es trotz Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und schwacher Krone auf Island zumindest in einigen Bereichen aufwärts geht. Vielleicht auch gerade wegen der Krise, denn ohne den Bankenkollaps wäre Dexoris nie gestartet worden und vermutlich auch nicht Detox. Der Name klingt ähnlich, die Branche ist eine völlig andere: Gesundheitswesen.

"Die schwache Krone macht es attraktiver nach Island zu kommen und sich hier behandeln zu lassen", sagt Jonina Benediksdottir. Im Mai hat sie eine Detox-Klinik auf Island eröffnet, in der sie Entschlackungskuren anbietet. Benediksdottir behandelt ihre Kunden in einem tristen Bau, nur wenige Taximinuten vom internationalen Flughafen Keflavik entfernt. Im Vortragssaal im Haus erklärt sie ihren Kunden, was sie essen und trinken sollen und wie sie sich bewegen sollen, um ihren Körper optimal zu reinigen.

1900 Euro kostet die zweiwöchige Behandlung inklusive mehrerer Sightseeingtouren. Noch Anfang vergangenen Jahres hätte der Preis erheblich höher sein müssen, weil die isländische Krone damals viel stärker war. Gutes Personal ließ sich allenfalls durch besonders hohe Löhne locken, die Banken hatten das Lohnniveau nach oben getrieben. Heute beschäftigt Benediksdottirs Klinik siebzehn Leute. Zu einer Zeit, wo auf der ohnehin nur etwas über 300.000 Einwohner zählenden Insel viele Firmen dicht machen, ist das mehr als ein Achtungserfolg.