Die Welt dürfe sich nicht genügsam zurück lehnen, selbst wenn der schlimmste Teil der Krise bereits überwunden sei, sagte der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, während der Tagung der Organisation in Istanbul. Zwar gebe es in vielen Ländern  wieder moderates Wachstum. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit bereite ihm aber große Sorge, sagte Strauss-Kahn. Zoellick erklärte: "Die Hauptgefahr ist nicht mehr die eines Zusammenbruchs der Weltwirtschaft. Die Hauptgefahr ist jetzt Selbstgefälligkeit, Gleichgültigkeit."

Strauss-Kahn befürchtet vor allem, dass die großen Industrieländer aus den teuren Konjunkturprogrammen verfrüht aussteigen könnten. Allerdings sagte er auch, dass die Staaten an Ausstiegsstrategien arbeiten müssten, um die Staatsverschuldung in den kommenden Jahren wieder zurück zu fahren. Der IWF-Chef warnte zudem vor Inflationsgefahren, die von den asiatischen Wachstumsländer ausgehen.

Der Fonds will außerdem die Finanzbranche an den Kosten der tiefsten Krise seit Jahrzehnten beteiligen. IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn lehnte am Freitag zwar eine Steuer auf Finanztransaktionen ab. Ein solch vereinfachter Ansatz werde kaum funktionieren und sei international schwer einzuführen. Den Finanzsektor an den Kosten der Krise zu beteiligen, sei aber berechtigt.

Er habe seinen Stellvertreter John Lipsky gebeten, Vorschläge auszuarbeiten, die in Richtung eines Fonds oder einer Art Versicherungen gehen dürften, sagte Strauss-Kahn. Für eine internationale Börsensteuer hatte sich vor allem die Bundesregierung beim G20-Gipfel vor einer Woche in Pittsburgh ausgesprochen. "Ich glaube nicht, dass die sehr einfache Idee, eine Steuer auf Transaktionen einzuführen, funktioniert", sagte Strauss-Kahn.

Der Gipfel der 20 führenden Schwellen- und Industrieländer hat den IWF gebeten, bis November einen Plan auszuarbeiten, wie eine Finanztransaktionssteuer eingeführt werden könnte. Für die Steuer, die international als "Tobin Tax" diskutiert wird, hatte sich Finanzminister Peer Steinbrück eingesetzt. Der hatte argumentiert, es gehe ihm auch um eine sozial gerechten Lastenverteilung der Krisenkosten. Der IWF-Ansatz einer Fondslösung zu Lasten der Banken könnte armen Ländern zu Gute kommen, um ihnen aus der Krise zu helfen.