Für das neue Lehrjahr haben Unternehmen und Schulabsolventen deutlich weniger Ausbildungsverträge geschlossen als 2008. In Industrie und Handel, im Handwerk und bei den freien Berufen wurden bis Ende September 497.500 neue Ausbildungsverträge unterzeichnet, wie Bundesregierung, Verbände und Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilten. Dies seien knapp acht Prozent weniger als vor einem Jahr. Noch stärker ging allerdings die Zahl der Ausbildungsbewerber zurück. Sie sank nach Angaben der BA um 14 Prozent. Der Zentralverband des Handwerks (ZDH) erklärte das damit, dass der Wirtschaft als Folge sinkender Zahlen von Schulabgängern die Bewerber ausgingen.

Zum zweiten Mal in Folge habe es Ende September mehr offene Ausbildungsstellen als unversorgte Bewerber gegeben. "Die Bilanz (...) zeigt, dass sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt trotz der Rezession weiter entspannt hat", sagte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker. Mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres gab es laut BA zum Stichtag 30. September noch 17.300 unbesetzte Ausbildungsstellen für 9600 unversorgte Bewerber. Das Lehrstellenangebot überstieg damit die Nachfrage um 7700.

Im vergangenen Jahr hatte die BA mit einem Überschuss von 5000 Stellen erstmals seit sieben Jahren keine Lehrstellenlücke verzeichnet. Dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zufolge hat sich auch im Krisenjahr 2009 der Ausbildungspakt zwischen Bundesregierung und Verbänden bewährt. "Die Wirtschaft macht jedem arbeitswilligen und ausbildungsfähigen Bewerber ein Angebot auf Ausbildung", sagte DIHK-Chef Driftmann. Bereits im Frühjahr hatte der DHIK nach einer Umfrage unter seinen Mitgliedern bekannt gegeben, dass rund ein Drittel der Betriebe das Lehrstellenangebot reduzieren wollten. Die befürchtete Anspannung auf dem Ausbildungsmarkt bleibt durch den Bewerberrückgang nun aber aus.

Vor allem in den ostdeutschen Bundesländern hätten 16 Prozent weniger Jugendliche die Schulen verlassen als im letzten Jahr. "Dadurch konnten viele Lehrstellen nicht besetzt werden", sagte Driftmann. "Wir werden auch im Krisenjahr 2009 am Jahresende weniger suchende Jugendliche als freie Plätze haben."