Ganz schön kompliziert, die Sache mit dem Wirtschaftsnobelpreis und der Politik. Als im vergangenen Jahr die Auszeichnung an den Ökonomen Paul Krugman ging, interpretierten das Viele als Einmischung in den amerikanischen Wahlkampf: Krugman forscht seit Jahren nicht mehr allzu viel und nimmt stattdessen hauptsächlich die republikanische Partei mit einer scharfzüngigen Zeitungskolumne aufs Korn.

Unter Krugmans Professorenkollegen war die Aufregung ähnlich groß, wenn auch aus anderen Gründen: Zwar hielten viele Krugmans Leistungen in der Außenhandelstheorie für unumstritten. Gleichzeitig fanden sie aber, dass andere Forscher eher an der Reihe gewesen wären. Solche etwa, die das bessere Verständnis von Firmen, Ämtern und sonstigen Organisationen vorangebracht hatten. Das ist das Problem einer Ehrung, die im Gegensatz zu den "richtigen" Nobelpreisen erst seit 1969 vergeben wird und gar nicht mit der Auszeichnung der Würdenträger hinterher kommt.

In diesem Jahr geht der Preis aber an zwei Wissenschaftler, die sich mit "ökonomischer Organisation" beschäftigen, mit jenem Gebiet also, von dem viele Professoren zuletzt meinten, das Nobelpreiskomitee habe es vernachlässigt. Beide haben einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, die Ökonomie als mehr zu verstehen als die Lehre vom Markt - von Angebot und Nachfrage, die am Ende irgendwie zusammen finden. Beide haben sich in ihrer Forschung weit herausgewagt aus den Elfenbeintürmen ihrer Fakultäten, aus der Welt der mathematischen Formeln und wissenschaftlichen Fachaufsätze. Sie haben dabei genau auf das Leben in Unternehmen, Haushalten, Verbänden und Ämtern geschaut.

Oliver Williamson warf Anfang der 1970er Jahre eine simple Frage neu auf: Warum gibt es überhaupt Unternehmen? Warum erledigen wir all unser "Wirtschaften" nicht einfach an Märkten, wenn die doch so schrecklich effizient sein sollen? Die Antwort leuchtet intuitiv ein: Natürlich will ein Fabrikant in spe nicht jeden Morgen eine Sekretärin und fünf Arbeiter bei monster.com anwerben, eine Maschine leasen und seine Kugelschreiber bei eBay ersteigern.  Es hilft, wenn solche Dinge für einige Zeit fest organisiert sind.

Im Groben hatte das auch schon der Wissenschaftler Ronald Coase beantwortet, der 1991 den Nobelpreis bekam: Die "Transaktionskosten" für bestimmte Dinge sind innerhalb einer hierarchischen Organisation geringer als an Märkten, also bilden sich Unternehmen, lautete seine Erkenntnis. Es sei denn, die Verwaltungskosten eines Unternehmens wachsen derart in die Höhe, dass sich das Ganze nicht mehr lohnt.

Williamson war der erste, der wirklich erklären konnte, worin diese Transaktionskosten bestanden. Er lieferte am Ende eine ganze Reihe von Antworten. Die wichtigste lautete: Je komplizierter die Transaktionen sind, je abhängiger die Teilnehmer voneinander sind und je schwieriger sich ihre Abmachungen mit schlichten Verträgen regeln lassen, desto eher wird die ganze Sache unter ein Firmendach gesteckt. Sprich: Eine gute und unersetzliche Sekretärin stellt ein kluger Chef fest an. Sein Frühstücksbrötchen besorgt er sich aber auf dem Weg zur Arbeit in einer beliebigen Bäckerei.

Elinor Ostrom hat ihren Blick hingegen auf einen ungewöhnlicheren Aspekt des Wirtschaftens gerichtet: Sie interessiert sich dafür, wie Menschen eigentlich damit umgehen, wenn sie gemeinsam ein Wirtschaftsgut verwalten. Einen Fischteich, eine Weide, oder einen Wald zum Beispiel. Wie nutzen Menschen solche gemeinsamen Güter, wie halten sie sie in Stand?