"Ich kämpfe hier für die Zukunft meiner neunjährigen Tochter." Diane Barlow legt einen Zehn-Kilo-Kürbis für Halloween zu den anderen Bioprodukten und schiebt ihren Einkaufswagen zur Kasse. Die 50-Jährige ist nach Paramus im Bundesstaat New Jersey gekommen, um mit ihrer Kreditkarte zu protestieren. Für die Freiheit, vor allem aber gegen die verhasste Gesundheitsreform Barack Obamas.

"BUYcott" nennt sich das und ist das Gegenteil eines Boykotts: Statt Unternehmen zu bestrafen, sollen sie für ihre Haltung belohnt werden. Hinter dem Buycott der Bio-Supermarktkette Whole Foods steht die Tea Party Coalition, eine Graswurzelbewegung konservativer Obama-Gegner.

Ausgelöst hatte die Kampagne der Chef von Whole Foods, John Mackey. In einem Gastbeitrag für das Wall Street Journal befand er die Obama-Reform als zu teuer und forderte mehr Markt und weniger Staat im Gesundheitswesen. Die Bürger sollten sich einfach gesünder ernähren, schrieb er. Auch das würde die Kosten im Gesundheitssystem senken. Die liberalen Kunden des Ökoladens protestierten. Gewerkschaften forderten von ihren Mitgliedern, nicht mehr bei Whole Foods einzukaufen. Jetzt drehen die Konservativen den Spieß um und rufen zum massiven Bio-Shopping auf. Die Premiere war in St. Louis, es folgten Dallas und Los Angeles. Seitdem rollt die Buycott-Welle.

In dieser Woche entscheidet sich für Präsident Obama, wie es mit dem wichtigsten innenpolitischen Projekt seiner jungen Amtszeit weitergeht. Der Finanzausschuss des Senats will binnen Tagen einen Gesetzentwurf vorlegen. Auch das Repräsentantenhaus berät über die Reform. Sobald sich beide Kammern auf jeweils einen Entwurf geeignet haben, wird ein Vermittlungsausschuss dem Präsidenten einen gemeinsamen Vorschlag vorlegen. Es wäre die größte Sozialreform seit Jahrzehnten.

Doch längst hat sich breiter Widerstand formiert. Die Buycott-Initiative ist nur ein kleiner Teil der Protestbewegung, die sich im ganzen Land artikuliert. 60 Gegner der Reform sind an diesem Nachmittag nach Paramus gekommen, um im "Bergen Town Shoppingcenter", der örtlichen Mall, zu protestieren. Manche von ihnen sind stundenlang angereist. Nun stehen sie Schlange an der Kasse der "Whole-Foods"-Filiale, als Zeichen des Protests. Aus den Lautsprechern des Einkaufszentrum tönen die Backstreet Boys. Gelangweilte Teenager hängen in der Mall ab. Die Protestgruppe wirkt ein wenig verloren in den großen Geschäftsräumen des Bioladens.