Michael Vassiliadis ist neuer Vorsitzender der Gewerkschaft Bergbau, Energie, Chemie (IG BCE). An der Spitze von Deutschlands drittgrößter Arbeitnehmerorganisation folgt er Hubertus Schmoldt.

Vassiliadis wurde am Dienstag auf dem Gewerkschaftskongress in Hannover mit fast 92 Prozent der Stimmen gewählt. Einen Gegenkandidaten gab es nicht, der 64-jährige Schmoldt war nach 14 Jahren nicht erneut angetreten. Vassiliadis gehört seit 2004 zum geschäftsführenden Vorstand und war dort unter anderem für Jugend und Bildung zuständig. Schmoldt hatte Vassiliadis 1997 mit der Fusion von IG Chemie und IG Bergbau und Energie als Vorstandssekretär in die Gewerkschaftszentrale geholt.

Vassiliadis ist mit 45 Jahren der jüngste Vorsitzende einer DGB-Gewerkschaft. Neben seinem Vorgänger Schmoldt tritt der Tarifexperte Werner Bischoff (61) ab. So soll sich an der Gewerkschaftsspitze ein Generationenwechsel vollziehen. Als wahrscheinlicher Nachfolger gilt der bisherige IG-BCE-Landesbezirksleiter Nordrhein, Peter Hausmann.

Die IG BCE leidet wie andere Gewerkschaften auch unter einem stetigen Mitgliederschwund. Vassiliadis forderte angesichts dessen eine Zukunftsdebatte über den künftigen Kurs der Gewerkschaften in Deutschland. "Wir dürfen uns nicht reduzieren auf eine Art ADAC der Arbeitnehmer, der nur deren unmittelbare Interessen wahrnimmt", sagte Vassiliadis. "Wir müssen als Gewerkschaften heraus aus der Defensive." In den vergangenen fünf Jahren schrumpfte die IG BCE um fast 100.000 auf derzeit noch 690.000 Mitglieder, bleibt aber drittgrößte Gewerkschaft. Die Größte Gewerkschaft in Deutschland ist die IG Metall mit zuletzt rund 2,3 Millionen Mitgliedern, gefolgt von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi mit knapp 2,2 Millionen Mitgliedern.

Vassiliadis sagte, die Gewerkschaften müssten ihre Verantwortung für die großen Zukunftsthemen wahrnehmen. Dazu zählten die Innovationsfähigkeit der Industrie, der Klimaschutz, der demografische Wandel, die Bildung und die Zukunft des Sozialstaats. Außerdem müssten die Gewerkschaften wieder deutlicher machen, dass sie eine tragende Säule der Gesellschaft seien.

Für Mindestlöhne in bestimmen Branchen, vor allem im Dienstleistungssektor, in denen die Gewerkschaften schwach organisiert seien, habe er Verständnis, sagte Vassiliadis. Das könne aber auf Dauer nicht das gewerkschaftliche Konzept sein. "Unser Ziel muss es sein, das selber zu gestalten, das ist Tarifautonomie."