Börsianer bewerten die Aussichten für die deutsche Wirtschaft wieder etwas skeptischer: Wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mitteilte, sind die Konjunkturerwartungen der 288 befragten Finanzmarktexperten im Oktober zum Vormonat um 1,7 Punkte auf 56 Punkte gesunken. Dies ist der zweite Rückgang des Mannheimer Barometers in diesem Jahr. Experten hatten mit einen Anstieg auf 58,3 Punkte gerechnet.

Offenbar misstrauen die Börsenexperten der aktuellen Aufbruchstimmung. "Die Konjunktur verbessert sich eben nur allmählich", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Zwar habe die Industrie sechs Monate in Folge wieder mehr Aufträge eingesammelt. Andererseits seien die Exporte zuletzt überraschend gesunken.

Ungewiss sei auch die Entwicklung des privaten Konsums. Die meisten Experten gehen davon aus, dass die Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten spürbar ansteigen wird. Niemand könne vorhersagen, "wie sich der private Konsum entwickeln wird". Höhere Arbeitslosenzahlen könnten die Konsumlaune aber deutlich dämpfen.

Im Gegensatz zu ihren Erwartungen an die Zukunft, beurteilen die befragten Experten die aktuelle Lage ein wenig besser als noch im Vormonat. Der entsprechende Teilindex stieg um 1,8 auf minus 72,2 Punkte. Dennoch sei die konjunkturelle Situation "nach wie vor desolat und verbessert sich nur allmählich", schrieb das ZEW.

Nach Veröffentlichung des ZEW-Indikators wuchs die Nervosität an der Börse: Die Kurse am deutschen Aktienmarkt gaben nach, der Eurokurs geriet unter Druck.

"Die Analysten sind ein wenig vorsichtiger geworden", sagte Commerzbank-Experte Simon Junker. "In den nächsten Monaten rechnen wir jedoch wieder mit klaren Signalen, dass sich die Konjunktur aufhellt." Einen Boom wie in den Jahren vor der Finanzkrise ist nach den Worten von BHF-Bank-Ökonom Gerd Hassel aber nicht in Sicht: "Wir sehen keinen richtigen Aufschwung, sondern eher eine Stabilisierung."

Das ZEW-Konjunkturbarometer gilt als Frühindikator für die wirtschaftliche Lage in Deutschland. Er wird monatlich in Form einer Umfrage unter 300 Finanzexperten erhoben und gilt neben dem ifo-Geschäftsklimaindex als wichtigster Indikator zur Konjunkturerwartung.